Klee-Vergleich für Gilden: Welcher Klee für welche Rolle?
Klee-Vergleich für Gilden: Welcher Klee für welche Rolle?
Kurz-Antwort: “Klee” ist keine Pflanze, sondern eine ganze Werkzeugkiste. Wer in der Gilde nur “Klee” einplant, verschenkt zwei Drittel des Potenzials. Diese MD vergleicht die fünf wichtigsten Klee-Arten (Weiß, Rot, Inkarnat, Horn, Esparsette) und ordnet sie konkreten Gilden-Rollen zu.
Inhalt
- Warum Klee in fast jeder Gilde vorkommt
- Schnellvergleich der 5 Klee-Arten
- Detail-Profile
- Was kein “echter” Klee ist
- Klee-Auswahl in 30 Sekunden — Entscheidungsbaum
- Typische Fehler
- Aussaat- und Pflegehinweise pro Art
- Mischungen statt einer Art
Warum Klee in fast jeder Gilde vorkommt
Klee deckt im 7-Rollen-Schema gleich drei Rollen gleichzeitig ab — wenn man die richtige Art wählt:
| Rolle | Geeignete Klee-Arten |
|---|---|
| N-Sammler (Knöllchenbakterien, ~80–200 kg N/ha/Jahr) | Alle fünf Arten — das ist ihr gemeinsames Markenzeichen |
| Bodendecker / Gras-Verdränger | v. a. Weißklee, schwächer Hornklee |
| Bestäuber-Anlocker | v. a. Rotklee, Inkarnatklee, Esparsette, Hornklee |
| Mulch- / Schnittgut-Lieferant | Rotklee (mehrjährig), Inkarnatklee (einjährig) |
| Tiefwurzel- / Mineraliensammler | Esparsette (1,5+ m), Rotklee (~80 cm) |
Damit ist die Frage nie “Soll Klee in die Gilde?”, sondern “Welcher Klee für welche Aufgabe?”
Anmerkung zur Stickstoff-Quelle: Die N-Fixierung läuft über Rhizobien-Bakterien in den Wurzelknöllchen — nicht über die Klee-Pflanze selbst. Auf sehr alten oder stark gedüngten Beeten sind die passenden Stämme oft schon vorhanden. Auf jungfräulichem Boden (frische Erde, lange brachgelegen, ehemaliger Bau-Aushub) kann eine Saatgut-Impfung mit dem entsprechenden Rhizobium-Stamm den Anwachserfolg deutlich verbessern. Vorgeimpftes Saatgut ist im Fachhandel erhältlich.
Schnellvergleich der 5 Klee-Arten
| Eigenschaft | Weißklee | Rotklee | Inkarnatklee | Hornklee | Esparsette |
|---|---|---|---|---|---|
| Botanisch | Trifolium repens | Trifolium pratense | Trifolium incarnatum | Lotus corniculatus | Onobrychis viciifolia |
| Lebensdauer | mehrjährig | 2–3 Jahre | einjährig | mehrjährig | mehrjährig |
| Höhe | 10–20 cm | 30–60 cm | 30–50 cm | 15–30 cm | 30–80 cm |
| Wurzeltiefe | flach (15–25 cm) | mittel-tief (60–80 cm) | mittel (40–60 cm) | mittel (30–50 cm) | sehr tief (1,5–3 m!) |
| Blütenfarbe | weiß bis rosa | rosa-violett | leuchtend karminrot | gelb | rosa-pink, kerzenförmig |
| Blütezeit | Mai–Sept (lang!) | Mai–Sept (Schnitt-abhängig) | Mai–Juni | Mai–Sept (sehr lang!) | Mai–Juli |
| Boden | jeder, auch verdichtet | nährstoffreich, neutral | mittel, sandig | mager, kalkhaltig, trocken | kalk-, trockenliebend |
| Trockenheit | mäßig | empfindlich | mäßig | sehr robust | sehr robust |
| Tritt-Toleranz | hoch | gering | gering | mittel | gering |
| Schnitt-Toleranz | sehr hoch | hoch (Mahd 2–4×/Jahr) | nur 1× (vor Samenreife) | mittel | mittel |
| N-Leistung | ~100–150 kg N/ha/Jahr | ~150–250 kg N/ha/Jahr | ~80–120 kg N/ha/Saison | ~80–120 kg N/ha/Jahr | ~100–150 kg N/ha/Jahr |
| Bienenwert | hoch (lange Blütezeit) | sehr hoch (Hummeln!) | mittel (kurz blühend) | sehr hoch (lange Blütezeit) | sehr hoch (Wildbienen) |
| Selbstaussaat | stark | mittel | hoch | mittel | gering |
| Gilden-Rolle (Haupt-) | Bodendecker + N | N + Schnittgut + Biene | Gründüngung + Biene | Trocken-Biene | Tiefwurzel-Mineralien |
Detail-Profile
Weißklee — der Allrounder-Bodendecker
Botanisch: Trifolium repens (Weißklee, Kriechklee)
Was er kann: Weißklee ist die Standard-Antwort auf die Frage “Bodendecker unter Obstbäumen”. Er bildet ein dichtes, niedriges Netz aus Ausläufern, kommt mit fast jedem Boden klar, hält Gras zurück (zumindest teilweise), blüht lange und gibt kontinuierlich Stickstoff ab. Er verträgt Tritt, Schnitt und auch zeitweise Trockenheit erstaunlich gut.
Was er nicht kann:
- Konkurrieren mit etabliertem Quecken-Bestand (siehe Häufige Fehler)
- Tiefen-Nährstoffe holen (Wurzel zu flach)
- Schwere Trockenheit über mehrere Wochen
- In ganz tiefem Schatten dichten Bestand bilden (er dünnt aus)
Gilden-Rollen, die er übernimmt:
- Bodendecker (Haupt-Rolle)
- N-Sammler (Neben-Rolle, gute Leistung über die Fläche)
- Bestäuber-Anlocker (Honigbienen, mittlere Hummel-Attraktivität)
Wann Weißklee NICHT erste Wahl ist:
- Bei extrem trockenen Standorten → Hornklee
- Wenn man Schnittgut für Mulch braucht → Rotklee (höhere Biomasse)
- Wenn man tiefen Boden aufschließen will → Esparsette / Rotklee
- Im 1. Jahr bei Quecken-Boden — Weißklee verliert (Standort-Vorbereitung erst!)
Sorten:
- Standard-Weißklee — günstig, Bodendecker-Saatgut aus dem Landhandel
- ‘Huia’, ‘Riesling’ — Futter-Sorten, größere Pflanzen, mehr Biomasse
- Mikroklee (‘Pirouette’, ‘Pipolina’) — kleinblättrig, niedrig, für Rasen-Klee-Mischungen, weniger geeignet als reiner Bodendecker (zu zart)
Aussaat:
- Zeit: April–Mai oder August–September
- Menge: 1–2 g/m² reine Aussaat, 0,5 g/m² in Rasen-Mischung
- Tiefe: Lichtkeimer — nur andrücken, nicht einarbeiten
- Keimung: 7–14 Tage bei 10–15 °C
Rotklee — der Bienen-Magnet und Schnittspender
Botanisch: Trifolium pratense (Rotklee, Wiesenklee)
Was er kann: Rotklee ist die ergiebigste Klee-Art bezogen auf Biomasse pro m². 2–4 Schnitte pro Saison liefern reichlich Material für Mulch oder Kompost. Die Blüten sind ein zentraler Hummel-Magnet (lange Blütenröhren erreichen Honigbienen oft gar nicht — Rotklee ist primär Hummel-Pflanze). Die Pfahlwurzel geht 60–80 cm tief und lockert verdichteten Boden.
Was er nicht kann:
- Bodendecker sein — zu hochwüchsig (30–60 cm), zu lückig am Boden
- Mehr als 2–3 Jahre durchhalten (kurzlebige Staude)
- Trockenheit gut vertragen
- Auf saurem oder armem Boden (will neutral und nährstoffreich)
Gilden-Rollen, die er übernimmt:
- N-Sammler (Haupt-Rolle, hohe Leistung)
- Bestäuber-Anlocker (Haupt-Rolle, Hummeln)
- Schnittgut-Lieferant (Mulch zwischen Obstbäumen)
- Boden-Aufschließer (Pfahlwurzel)
Praxis-Tipp Schnittnutzung:
-
- Schnitt: Anfang Blüte (Mai/Juni) — höchster N-Gehalt im Mulchgut
-
- Schnitt: 6–8 Wochen später
-
- Schnitt: Anfang September — danach stehen lassen, dass die Pflanze einwintern kann
- Nicht alles wegmähen: 20–30 % der Blüten stehen lassen für die Bestäuber
Sorten:
- Standard-Rotklee — Diploid, ~2 Jahre Lebensdauer, früh blühend
- Tetraploide Sorten (‘Lemmon’, ‘Titus’, ‘Tempus’) — größere Blätter, längere Lebensdauer (3–4 Jahre), höherer Ertrag, aber teurer
- Mattenklee (Schweizer Auslese) — niederliegender Wuchs, dichter, geeignet für intensive Schnittnutzung
Aussaat:
- Zeit: April–Mai (vor Trockenperioden), oder August (mildes Klima)
- Menge: 1,5–2,5 g/m²
- Tiefe: 0,5–1 cm (Dunkelkeimer)
- Keimung: 5–10 Tage
Inkarnatklee — der einjährige Zwischen-Gärtner
Botanisch: Trifolium incarnatum (Inkarnatklee, Blutklee)
Was er kann: Inkarnatklee ist die klassische Winter-Gründüngung — vor allem für Beete, die im Spätsommer abgeerntet werden und im Frühjahr neu bepflanzt werden sollen. Aussaat August/September, üppige Bodendeckung im Herbst, Frostgrünpflanze (verträgt –15 °C bis –20 °C in milden Wintern), spektakuläre rote Blüten Mai–Juni, dann Einarbeiten in den Boden. Eine Saison — fertig.
In der Gilde hat er deshalb eine spezielle Nische: als Zwischenfrucht in Anwachs-Lücken zwischen jungen Stauden, die noch nicht die ganze Fläche bedecken. Oder als “Cover Crop” auf einem zukünftigen Gilden-Standort, der nächste Saison angelegt wird.
Was er nicht kann:
- Mehrjährig sein (das ist sein Designziel)
- Trockenheit (Aussaat im Spätsommer braucht zwingend Wässerung)
- Mit etablierten Stauden konkurrieren
Gilden-Rollen:
- Zwischenfrucht / Cover Crop (Hauptzweck)
- N-Sammler (Saison-N für die Nachfolgekultur)
- Bestäuber-Anlocker (einmaliger, kräftiger Blühpeak Mai–Juni)
Anwendungsbeispiel: “Ich plane eine Apfelbaum-Gilde für nächstes Jahr im Mai. Den jetzigen Rasen will ich loswerden. Im August fräse ich, säe Inkarnatklee dicht ein (3 g/m²), er deckt den Boden bis April, ich mähe vor der Samenreife, lasse das Schnittgut als Mulch liegen, dann pflanze ich die Gilde. Stickstoff für das erste Jahr ist eingearbeitet, der Quecken-Druck deutlich gesenkt.”
Sorten:
- Standard ‘Carnino’ — die häufigste Sorte
- ‘Contea’ — winterfester
- Tetraploide Sorten — höherer Ertrag, weniger Verfügbarkeit im Hobby-Handel
Aussaat:
- Zeit: August–Mitte September für Winterbedeckung; April–Mai für Sommer-Gründüngung
- Menge: 2,5–3,5 g/m²
- Tiefe: 1–2 cm
- Keimung: 5–10 Tage
Hornklee — der Trocken-Spezialist
Botanisch: Lotus corniculatus (Gewöhnlicher Hornklee, Schotenklee)
Was er kann: Hornklee ist die Klee-Wahl für magere, trockene, gerne kalkhaltige Standorte. Auf Lehmböden mit guter Wasserversorgung wird er von Weiß- und Rotklee überrannt — auf Sandstandort, Trockenrasen oder mediterran beeinflussten Gärten ist er aber der Champion. Die Blütezeit ist außergewöhnlich lang (Mai–September), Bestäuber-Wert exzellent, vor allem für Wildbienen (Hummeln, Sandbienen).
Außerdem: Hornklee enthält kondensierte Tannine in geringem Maße — interessante Allelopathie-Komponente, die unter Forschung steht. Im Gegensatz zu Wiesenklee verursacht er bei Weidetieren kein “Bloat” (Blähung) — historisch ein wichtiger Grund für seinen Anbau.
Was er nicht kann:
- Dominanten Bodendecker spielen (er ist eher locker)
- Auf fettem, nassem Lehmboden konkurrieren
- Hohe Mahd-Frequenz vertragen
Gilden-Rollen:
- N-Sammler auf Trockenstandort (wo Weiß/Rotklee scheitern)
- Bestäuber-Anlocker, Wildbienen-Spezialist (Haupt-Rolle)
- Bodendecker (Neben-Rolle, locker)
Beispiel-Einsatz: In der Mediterranen Trocken-Gilde (Lavendel, Salbei, Thymian, Mandel) ist Hornklee die optimale N-Quelle: trocken-vertragend, alkalisch-tolerant, langblühend, ergänzt das Bestäuber-Spektrum (Lavendel zieht v. a. Honigbienen, Hornklee zusätzlich Wildbienen). Siehe Gilden für besondere Standorte.
Sorten:
- ‘Leo’ — verbreitete Futtersorte
- ‘San Gabriele’ — südliche Sorte, sehr trockenheitsfest
- Wildform aus Regio-Saatgut — für naturnahen Garten
Aussaat:
- Zeit: April–Mai (Hauptzeit), September möglich
- Menge: 1,5–2,5 g/m²
- Tiefe: 0,5–1 cm
- Keimung: 14–21 Tage (langsamer als Weiß/Rotklee!) — Geduld beim Anwachsen
- Hartschalige Samen: Bei Aussaat im Frühjahr ggf. Skarifizieren (mechanisch anrauen) oder im Herbst säen mit Frosteinwirkung
Esparsette — die Tiefwurzel-Strategin
Botanisch: Onobrychis viciifolia (Saat-Esparsette, Süßklee)
Streng genommen ist die Esparsette kein Klee im engeren Sinn (Gattung Trifolium), sondern eine eigene Gattung in derselben Familie (Fabaceae / Schmetterlingsblütler). Sie wird hier mit aufgeführt, weil sie funktional eine ähnliche Rolle spielt — und das deutsche Wort “Süßklee” ist gebräuchlich.
Was sie kann: Esparsette ist die Königin der Tiefwurzler unter den Leguminosen. Pfahlwurzeln gehen 1,5 m, in Bestfall 3 m tief — sie holen Calcium, Magnesium und Spurenelemente aus Tiefen, die für die meisten Stauden unerreichbar sind. Sie blüht spektakulär kerzenförmig in rosa-pink, Bienenwert exzellent (vor allem Honigbienen — Esparsetten-Honig ist eine gesuchte Sortenware). Auf kalkreichem, trockenem Boden ein perfektes Mitglied einer Gilde.
Was sie nicht kann:
- Auf sauren oder nassen Böden überleben (pH unter 6 → Ausfall)
- Schnellen Bestand bilden (anwachsschwach, 2 Jahre Geduld!)
- Mit Quecken konkurrieren
- Häufige Mahd vertragen — sie ist primär eine Standpflanze, kein Schnittgewächs
Gilden-Rollen:
- Tiefwurzler / Mineraliensammler (Haupt-Rolle, herausragend)
- N-Sammler (Neben-Rolle, gute Leistung)
- Bestäuber-Anlocker (Haupt-Rolle bei Trockenstandort)
Beispiel-Einsatz: Unter einem alten Apfelbaum auf kalkhaltigem Lehmboden, der jahrelang Rasen war: Esparsette an 3 Stellen kreisförmig im Halbschatten-Bereich der Krone (~1,5 m vom Stamm). Erstes Jahr unauffällig. Zweites Jahr Blüte. Drittes Jahr volle Wirkung — Mineralien fließen aus 1,5 m Tiefe nach oben, Bienen besuchen.
Pflege:
- Im Anwachs-Jahr ggf. wässern (sonst geht sie nicht in die Tiefe!)
- Erst nach Samenreife schneiden (Aug/Sept), nicht öfter
- Nicht düngen — N-Düngung schwächt Knöllchen-Symbiose
Sorten:
- Standard Saat-Esparsette — die häufigste Form
- ‘Visnovsky’ — österreichische Sorte, robust
- Wildform — regional, wenig verfügbar
Aussaat:
- Zeit: April–Mai (Hauptzeit), nicht zu spät — braucht warme Phase zum Anwachsen
- Menge: 4–6 g/m² (große Samen, weniger Pflanzen pro m² möglich)
- Tiefe: 2–3 cm (Dunkelkeimer, deutlich tiefer als andere Klee-Arten)
- Keimung: 10–20 Tage
- Sehr empfehlenswert: Saatgut-Impfung mit Rhizobium-Stamm — die Esparsette braucht einen anderen Rhizobium-Stamm als die Trifolium-Klees, der auf “normalen” Böden oft fehlt. Vorgeimpftes Saatgut anfordern.
Was kein “echter” Klee ist
Im Sprachgebrauch werden mehrere Pflanzen “Klee” genannt, die botanisch keine Trifolium-Arten sind. Das ist relevant, weil sie andere Eigenschaften haben:
| Bezeichnung | Botanisch | Verwandtschaft | Eignung für Gilde |
|---|---|---|---|
| Steinklee (Gelber/Weißer Steinklee) | Melilotus officinalis / albus | Fabaceae, aber andere Gattung | Sehr tiefe Pfahlwurzel (2 m+), zweijährig, kräftige N-Leistung, hochwüchsig (1–2 m). Gut für Brachen, große Flächen. In kompakter Gilde meist zu groß. |
| Hopfenklee (Gelbklee) | Medicago lupulina | Fabaceae (Luzerne-Gattung) | Niedrig, einjährig bis kurzlebig, anspruchslos. Kann Weißklee-Funktion auf kargem Boden übernehmen. |
| Sauerklee | Oxalis spp. | Oxalidaceae — komplett andere Familie | Nicht stickstofffixierend! Trotz Name. In Gilde irrelevant (außer als Begleitkraut). |
| Glücksklee (4-blättrig) | meist Oxalis tetraphylla | Oxalidaceae | siehe Sauerklee — botanisch kein Klee, kein N-Sammler |
| Bockshornklee | Trigonula foenum-graecum | Fabaceae | N-Sammler, einjährig, eher Kräutergarten-Kultur. |
Wichtig: Wer “Klee” im Saatguthandel kauft und sich auf den Stickstoff-Effekt verlässt, sollte den botanischen Namen prüfen. Trifolium, Lotus, Onobrychis, Medicago, Melilotus, Trigonella = alle N-fixierend (Fabaceae). Oxalis = nein.
Klee-Auswahl in 30 Sekunden — Entscheidungsbaum
Was brauche ich?
│
├── Permanenten Bodendecker unter Obstbaum/Staude?
│ ├── Boden normal feucht, neutral? → WEIẞKLEE
│ ├── Boden trocken, kalkhaltig, mager? → HORNKLEE
│ └── Boden sehr trocken, kalkig? → ESPARSETTE (locker, nicht dicht)
│
├── Schnittgut & Hummeln & N-Schub?
│ └── Boden gut, mehrjährig → ROTKLEE
│
├── Winter-Cover-Crop / Vor-Anlage?
│ └── Aussaat August → INKARNATKLEE
│
├── Mineralien aus 1–2 m Tiefe holen?
│ └── Kalk-/Lehmboden → ESPARSETTE
│
└── Bienenweide mit langer Blütezeit?
├── feucht → ROTKLEE oder WEIẞKLEE
└── trocken → HORNKLEE oder ESPARSETTE
Typische Fehler
1. “Klee” pauschal eingeplant
Symptom: Im Gilden-Plan steht “Bodendecker: Klee”. Welche Art? Auf welchem Standort? Mehrjährig oder einjährig? Lösung: Immer Art + Sorte + Funktion notieren.
2. Inkarnatklee als Bodendecker
Symptom: Inkarnatklee blüht prächtig, samt aus, und ist im 2. Jahr weg. Lücke entsteht. Lösung: Inkarnatklee ist Gründüngung, nicht Bodendecker. Wenn dauerhafte Bedeckung gewünscht: Weißklee verwenden.
3. Esparsette auf saurem Boden
Symptom: Aussaat, schlechte Keimung, kümmerliche Pflanzen, kein Anwachsen. Lösung: pH-Test vor Aussaat. Esparsette braucht pH 6,5–8. Bei pH unter 6: Hornklee statt Esparsette.
4. Hornklee auf Fettboden
Symptom: Hornklee keimt, aber Weißklee, Rotklee und Gras überwuchern ihn binnen 2 Jahren. Lösung: Hornklee gehört auf magere Standorte. Auf gutem Gartenboden Rotklee oder Weißklee verwenden.
5. Mähen direkt vor Blüte
Symptom: Schnittgut steht, aber Bestäuber-Wirkung der Gilde wird stark reduziert. Lösung: Beim Schnitt 20–30 % der Pflanzen stehen lassen (Mosaik-Mahd), Blütezeit absichern.
6. Zu früh aufgeben
Symptom: Esparsette im 1. Jahr unscheinbar, wirkt wie Fehlanlage. Lösung: Esparsette braucht 2–3 Jahre zur vollen Entfaltung. Geduld.
7. Saatgut ohne Impfung auf jungem Boden
Symptom: Klee keimt, wächst kümmerlich, Knöllchen fehlen, N-Wirkung gleich null. Lösung: Auf Neubau-Aushub, lange Brachen, sehr armen Böden → vorgeimpftes Saatgut.
Aussaat- und Pflegehinweise pro Art
| Art | Aussaatzeit | Tiefe | Menge | Keimdauer | Erstpflege |
|---|---|---|---|---|---|
| Weißklee | Apr–Mai / Aug–Sept | Lichtkeimer, andrücken | 1–2 g/m² | 7–14 d | Bei Trockenheit gießen, sonst pflegeleicht |
| Rotklee | Apr–Mai (besser) | 0,5–1 cm | 1,5–2,5 g/m² | 5–10 d | 1. Schnitt erst nach Blühbeginn |
| Inkarnatklee | Aug–Mitte Sept (Hauptzeit) | 1–2 cm | 2,5–3,5 g/m² | 5–10 d | Spätsommer-Wässerung kritisch |
| Hornklee | Apr–Mai | 0,5–1 cm | 1,5–2,5 g/m² | 14–21 d | Langsam keimend, Geduld |
| Esparsette | Apr–Mai | 2–3 cm | 4–6 g/m² | 10–20 d | Saatgut-Impfung empfehlenswert; 1. Jahr ggf. wässern |
Mischungen statt einer Art
Im fortgeschrittenen Gilden-Bau ist die Klee-Mischung oft besser als die Monosorte:
Beispiel “Obstbaum-Gilde Unterwuchs”, normaler Lehmboden:
- 60 % Weißklee (Hauptbodendecker)
- 25 % Rotklee (Hummeln, Schnittgut)
- 15 % Hornklee (Wildbienen-Ergänzung, Trockenphasen-Reserve)
- Aussaat 2,5 g/m²
Beispiel “Trockenrasen-Gilde”, magerer Sand-/Kalkboden:
- 50 % Hornklee
- 25 % Esparsette (langfristig)
- 25 % Weißklee (Mikrosorte, für Lücken)
- Aussaat 2,5 g/m²
Beispiel “Schnellgrünstart”, vorübergehend (vor Gilden-Anlage):
- 70 % Inkarnatklee (Spätsommer-Aussaat)
- 30 % Buchweizen oder Phacelia (Nicht-Leguminose, ergänzt Spektrum)
- Aussaat 4 g/m²
Quellen und weiterführende Literatur
- Howard, Albert (1940): An Agricultural Testament — Klassiker zur Leguminosen-Rotation
- Mollison, Bill / Slay, Reny Mia (1991): Introduction to Permaculture — Klee in der Gilden-Logik
- Whitefield, Patrick (2002): How to Make a Forest Garden — Bodendecker-Empfehlungen
- Crawford, Martin (2010): Creating a Forest Garden — Esparsette, Hornklee in Waldgärten
- DLG-Merkblatt 387 (2020): Klee- und Klee-Gras-Mischungen — Sorten- und Anbau-Daten
Siehe auch:
- Beinwell — Permakultur-Pflanze Nr. 1
- Mykorrhiza — die unterirdische Gilde
- Allelopathie-Wirkstoffe in Gilden
- Gilden für besondere Standorte
Infografik