Monat für Monat wissen, was im Gemüsegarten sinnvoll ist

Rußtau — der schwarze, abwischbare Belag über dem Honigtau

Rußtau — der schwarze, abwischbare Belag über dem Honigtau

Du gehst an deinem Zitronenbäumchen, der Linde überm Sitzplatz oder einem alten Kirschlorbeer vorbei und stutzt: Die Blätter sind wie mit Ruß übergossen, schwarz und stumpf, manche Triebe und sogar die Früchte tragen denselben dunklen Film. Es sieht aus, als hätte ein Schornstein darübergehustet. Du fährst mit dem Finger über ein Blatt — und der schwarze Belag lässt sich abwischen, deine Fingerkuppe wird grau-schwarz, das Blatt darunter ist grün und unversehrt. Genau das ist der Rußtau, und schon dieser eine Handgriff verrät das Entscheidende: Hier frisst nichts an der Pflanze, hier liegt nur etwas obenauf.

Denn der Rußtau ist gar keine echte Pflanzenkrankheit im eigentlichen Sinn, sondern ein Folgesymptom — ein verräterischer Hinweis darauf, dass etwas anderes im Gange ist. Der schwarze Belag sind harmlose Schwärzepilze, die sich vom klebrigen, zuckrigen Honigtau ernähren, den saugende Insekten über der Pflanze ausscheiden. Wer nur den Belag bekämpft, wischt am Symptom herum. Wer den Rußtau dagegen richtig liest, erkennt sofort, wo das eigentliche Problem sitzt — und kann es gezielt lösen. Diese Seite zeigt dir, woran du Rußtau sicher erkennst, warum er auftritt, wie du ihn von echten Blattkrankheiten abgrenzt und wie du ihn an der Wurzel — nämlich bei den Saugschädlingen — packst.


Was ist der Rußtau? Definition und Einordnung

Der Rußtau (auch Schwärzepilz- oder Rußtaubelag genannt) ist ein schwarzer, rußartiger Überzug auf Blattoberseiten, Trieben und Früchten, der von verschiedenen Schwärzepilzen gebildet wird. Diese gehören mehreren Gattungen an — bekannt sind etwa Cladosporium, Capnodium, Aureobasidium und weitere. Entscheidend ist ihre Lebensweise: Sie leben saprophytisch, das heißt, sie ernähren sich von toter organischer Substanz — hier konkret vom Zucker des Honigtaus, der über der Pflanze ausgeschieden wird. Sie sind keine echten Pflanzenparasiten: Ihr Pilzgeflecht dringt nicht in das lebende Pflanzengewebe ein, sondern überzieht es nur außen wie ein Film.

Das ist der Kern, an dem alles hängt: Rußtau ist kein eigenständiger Erreger der Pflanze, sondern ein Folgesymptom. Der Belag setzt voraus, dass es etwas Süßes zum Besiedeln gibt — und diesen Honigtau liefern fast immer saugende Insekten: Blattläuse, Schild- und Wollläuse, die Weiße Fliege oder Zikaden. Wo du Rußtau findest, sitzt also (oder saß) ein Saugschädling darüber, oder es tropft Honigtau von einem überstehenden, stark befallenen Baum herab. Deshalb ist der Schaden durch den Pilz selbst auch nur indirekt: Der schwarze Belag beschattet die Blattfläche, bremst die Photosynthese, mindert Optik und Marktwert von Obst und Zierpflanzen und schwächt die Pflanze auf Dauer — aber er frisst sie nicht an. Und weil er nur aufliegt, lässt er sich abwischen oder abwaschen.

EigenschaftRußtau in Kürze
Erregerverschiedene Schwärzepilze (Rußtaupilze), z. B. Cladosporium, Capnodium, Aureobasidium
Erregertypechte Pilze, aber saprophytisch — leben auf Honigtau, kein Pflanzenparasit
Betroffene Pflanzensehr breit: Linde, Ahorn, Eiche, Zitrus, Kirschlorbeer, Rosen, Zimmer- und Kübelpflanzen, Obst u. v. m.
Hauptsymptomschwarzer, rußartiger, abwischbarer Belag auf Blattoberseiten, Trieben und Früchten
Begünstigende BedingungenBefall durch saugende Insekten (Honigtau), warm-feuchte Luft, windstiller, schattiger Stand
Entstehung / ÜbertragungPilzsporen besiedeln den klebrigen Honigtau saugender Insekten; ohne Honigtau kein Rußtau
Überdauerungals Pilzsporen und Geflecht auf Belägen und Pflanzenresten; allgegenwärtig in der Luft
VerwechslungEchter Mehltau (weiß), echte Blattfleckenpilze (nicht abwischbar), aufliegender Staub/Schmutz

Schadbild erkennen

Das Schadbild des Rußtaus ist auf den ersten Blick alarmierend, bei genauem Hinsehen aber gut zu deuten. Typisch ist ein schwarzer bis grau-schwarzer, rußartiger Belag, der die Blattoberseiten, jüngere Triebe und nicht selten auch die Früchte überzieht. Anfangs sind es nur einzelne dunkle Flecken oder ein zarter, schmutzig wirkender Schleier; mit der Zeit fließen sie zu einem geschlossenen, matt-schwarzen Film zusammen, der dem Laub das Glänzen nimmt. Die Pflanze wirkt dann wie eingestaubt oder verschmutzt — daher der Name “Rußtau”.

Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die Probe mit dem Finger: Der Belag lässt sich abwischen, und darunter kommt gesundes, grünes Blattgewebe zum Vorschein — keine Flecken, keine Löcher, kein abgestorbenes Gewebe. Genau das unterscheidet den Rußtau von einer echten Blattkrankheit, bei der der Pilz im Gewebe sitzt und sich nicht wegwischen lässt. Ein zweites verräterisches Zeichen ist die Klebrigkeit: Oft fühlen sich befallene Blätter, der Boden oder Gegenstände darunter (Autolack, Gartenmöbel, Terrassenplatten) klebrig an — das ist der Honigtau, die Lebensgrundlage des Pilzes. Suchst du zusätzlich die Blattunterseiten und Triebspitzen ab, findest du dort meist auch die Verursacher: Kolonien von Blattläusen, die weißen Wachsbeläge von Woll- und Schildläusen oder die aufstiebenden weißen Mücken der Weißen Fliege.

Wo der Rußtau lange liegt und dick wird, zeigt sich der indirekte Schaden: Die beschatteten Blätter betreiben weniger Photosynthese, können bei starkem Befall vorzeitig vergilben und abfallen, die Pflanze wächst schlechter und schwächt sich. An Obst und Zierpflanzen verdirbt der Belag zudem die Optik und den Marktwert. Die Pflanze selbst wird durch den Pilz aber nicht angefressen oder durchdrungen.

SymptomWo an der PflanzeVerlauf
schwarze, rußartige FleckenBlattoberseiten, Triebefrühes Stadium, fleckig und schmutzig wirkend
geschlossener matt-schwarzer FilmBlätter, Triebe, Früchtebreitet sich flächig aus, Laub glänzt nicht mehr
abwischbarer Belag, grün darunterüberall, wo der Belag sitztsicherstes Erkennungszeichen — Pilz liegt nur auf
klebriger HonigtauBlätter, Boden, Gegenstände darunterverrät den Saugschädling als Ursache
Vergilben, vorzeitiger Blattfallstark und lange beschattete Blätterspäter, indirekter Schaden durch Beschattung
Saugschädlinge an Trieb/UnterseiteTriebspitzen, Blattunterseitendie eigentliche Ursache des Befalls

Ursache & Biologie

Um den Rußtau zu verstehen, musst du die Kette dahinter kennen — denn der Pilz ist nur das letzte Glied. Am Anfang steht ein saugendes Insekt. Blattläuse, Schild- und Wollläuse, die Weiße Fliege und Zikaden stechen die Leitbahnen der Pflanze an und saugen den zuckerreichen Phloemsaft. Weil dieser Saft viel mehr Zucker enthält, als die Tiere verwerten können, scheiden sie den Überschuss als klebrigen, glänzenden Honigtau wieder aus. Dieser Honigtau regnet auf die darunterliegenden Blätter, Triebe und Früchte — und auf alles, was zufällig darunter steht. Genau hier setzt der Pilz an: Die Schwärzepilze ernähren sich vom Zucker des Honigtaus, nicht von der Pflanze. Ihre Sporen sind in der Luft allgegenwärtig; sie keimen auf der süßen, feuchten Schicht und überziehen sie mit ihrem schwarzen Geflecht.

Daraus folgt die wichtigste Erkenntnis dieser Seite: Rußtau ist fast immer das Zeichen eines Saugschädlings-Befalls darüber — entweder direkt auf der betroffenen Pflanze oder durch herabtropfenden Honigtau von einem überstehenden, stark befallenen Baum. Klassiker dafür sind Linden, Ahorne und Eichen: Steht ein Auto, ein Tisch oder ein empfindlicher Strauch unter einer honigtauenden Linde, überzieht sich alles darunter mit der klebrigen Schicht und später mit Rußtau, obwohl an diesen Gegenständen und Pflanzen selbst gar kein Schädling sitzt. Eine besondere Rolle spielen Ameisen: Sie “melken” die Läuse, ernten ihren Honigtau und verteidigen die Kolonien sogar gegen Fressfeinde. Wo Ameisenstraßen einen Baum oder Strauch hinauflaufen, hält sich der Lausbefall — und damit der Honigtau und der Rußtau — besonders hartnäckig.

Begünstigt wird der Belag durch alles, was den Honigtau lange feucht und unverdünnt lässt: warm-feuchte, windstille Witterung, ein schattiger, schlecht durchlüfteter Stand, an dem Regen die Blätter selten reinwäscht und das Laub langsam abtrocknet. Im Zimmer und im Gewächshaus, wo es keinen reinigenden Regen gibt, setzt sich der Rußtau auf befallenen Pflanzen deshalb besonders gern fest. Wichtig zur Einordnung: Weil der Pilz nicht ins Gewebe eindringt und die Pflanze nicht infiziert, ist der Rußtau nicht ansteckend im Sinne einer von Pflanze zu Pflanze springenden Krankheit. Verschwinden die Saugschädlinge und damit der Honigtau, fehlt dem Pilz die Nahrung — neuer Belag bildet sich nicht mehr, und der alte verwittert oder lässt sich abwaschen.

FaktorWarum er den Rußtau fördert
Saugschädlinge (Honigtau)Blatt-, Schild-, Wollläuse, Weiße Fliege, Zikaden — ohne ihren Honigtau kein Rußtau
Überstehende honigtauende BäumeLinde, Ahorn, Eiche tropfen Honigtau auf alles darunter
Ameisen”melken” und schützen Läuse — Befall und Honigtau bleiben hartnäckig
Warm-feuchte, windstille LuftHonigtau bleibt klebrig und feucht, Sporen keimen leicht
Schattiger, schlecht durchlüfteter StandLaub trocknet langsam ab, Regen wäscht selten rein
Zimmer- und Gewächshauskulturkein reinigender Regen, Belag setzt sich dauerhaft fest

Vorbeugen

Beim Rußtau gilt eine einfache, aber wichtige Regel: Du beugst nicht dem Pilz vor, sondern dem Honigtau — und damit den Saugschädlingen, die ihn liefern. Solange keine Läuse, Schild- oder Wollläuse und keine Weiße Fliege deine Pflanze besaugen und solange kein Honigtau von oben herabtropft, hat der Schwärzepilz schlicht nichts zu fressen. Die ganze Vorbeugung dreht sich deshalb darum, den Saugschädlingen das Leben schwer zu machen und ihre natürlichen Gegenspieler zu fördern.

Der wirksamste Hebel ist ein gesunder, robuster Pflanzenbestand mit vielen Nützlingen. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen halten Blattläuse und Weiße Fliege in Schach — fördere sie mit Blühflächen, Verstecken und dem Verzicht auf breit wirkende Insektizide (mehr dazu unter Nützlinge). Vermeide eine zu stickstoffbetonte Düngung: Sie treibt weiches, saftiges Gewebe, das Läuse besonders anlockt — maßvolle, ausgewogene Düngung macht die Pflanze für Saugschädlinge weniger attraktiv. Sorge für Luft und Licht: Ein luftiger, nicht zu schattiger Stand und regelmäßiges Auslichten lassen das Laub abtrocknen und erschweren dem Pilz die Ansiedlung. Unterbrich Ameisenstraßen an Stamm und Trieben (etwa mit Leimringen), denn Ameisen päppeln die Läuse und verteidigen sie gegen Nützlinge. Und ganz praktisch: Wähle den Standort empfindlicher Pflanzen, Sitzplätze und Gegenstände nicht direkt unter stark honigtauenden Bäumen wie Linde oder Ahorn — was unter einem solchen Baum steht, fängt sich den Honigtau-Regen und damit zwangsläufig den Rußtau ein. Kontrolliere deine Pflanzen regelmäßig auf der Blattunterseite und an den Triebspitzen, damit du einen beginnenden Lausbefall früh bemerkst und stoppst, bevor überhaupt Honigtau in Mengen anfällt.

MaßnahmeSo beugst du vor
Nützlinge fördernMarienkäfer, Florfliegen, Schlupfwespen halten Saugschädlinge klein — siehe Nützlinge
Maßvoll, nicht stickstoffbetont düngenfesteres Gewebe lockt weniger Blattläuse an
Ameisenstraßen unterbrechenLeimringe am Stamm — Ameisen schützen sonst die Läuse
Luftiger, heller Stand & AuslichtenLaub trocknet ab, Honigtau wird seltener besiedelt
Standort klug wählenempfindliche Pflanzen/Sitzplätze nicht unter honigtauende Linden/Ahorne stellen
Regelmäßige KontrolleBlattunterseiten und Triebspitzen prüfen, Befall früh stoppen

Bekämpfen

Beim Rußtau lautet die wichtigste Regel: Bekämpfe die Ursache, nicht den Belag. Der schwarze Film selbst ist nur das Folgesymptom — wischst du ihn weg, ohne den Honigtau zu stoppen, ist er nach kurzer Zeit wieder da. Die eigentliche Arbeit gilt deshalb den Saugschädlingen darüber. Gut zu wissen: Den vorhandenen Belag selbst wirst du leicht los, weil er ja nur aufliegt — der harte Teil ist, die Honigtau-Quelle dauerhaft abzustellen.

Erstens: die Saugschädlinge regulieren. Finde heraus, wer den Honigtau liefert, und gehe gezielt dagegen vor — bei Blattläusen, Schildläusen und der Weißen Fliege findest du die jeweils passenden Maßnahmen auf den eigenen Seiten. Kleinere Läusekolonien spritzt du mit einem kräftigen Wasserstrahl ab oder streifst sie von Hand ab; bei stärkerem Befall helfen Schmierseifen- oder Kaliseifenlösungen und vor allem die Förderung der Nützlinge (Marienkäfer, Florfliegen, Schlupfwespen), die die Schädlinge auf natürlichem Weg dezimieren. Schild- und Wollläuse an Kübel- und Zimmerpflanzen tupfst du mit einem in Spiritus getränkten Wattestäbchen ab oder bekämpfst sie ebenfalls mit Seifenlösung. Zweitens: Ameisenstraßen unterbrechen (Leimringe), damit die Läuse ihren Beschützer und Pfleger verlieren und die Nützlinge wieder zum Zug kommen.

Drittens: den vorhandenen Rußtau entfernen. Weil der Pilz nur aufliegt, kannst du ihn schlicht abwischen oder abwaschen — mit Wasser und etwas Schmierseife, einem weichen Tuch oder Schwamm. Bei Zimmer- und Kübelpflanzen wischst du die Blätter einzeln ab; im Freien hilft ein kräftiges Abbrausen. Das verbessert sofort die Optik und die Photosynthese. Entscheidend bleibt aber: Solange die Saugschädlinge weitersaugen und neuen Honigtau liefern, kehrt der Belag zurück — das Abwaschen ist Kosmetik, die Schädlingsregulierung ist die Lösung. Ein Fungizid gegen den Rußtaupilz ist weder nötig noch sinnvoll: Der Pilz schädigt die Pflanze nicht direkt und verschwindet von selbst, sobald ihm der Honigtau fehlt. Bei herabtropfendem Honigtau von einem großen Baum (Linde, Ahorn) lässt sich der Baum selbst meist nicht praktikabel behandeln — hier hilft vor allem, empfindliche Pflanzen und Gegenstände aus dem Tropfbereich zu nehmen und das Laub darunter gelegentlich abzuspülen.

StufeMaßnahmeWas womit
1. Ursache: SaugschädlingeVerursacher bestimmen und regulierenabspritzen/abstreifen; Schmier-/Kaliseife; siehe Blattlaus, Schildlaus, Weiße Fliege
2. Nützlinge & Ameisennatürliche Gegenspieler fördern, Ameisen aussperrenMarienkäfer, Florfliegen, Schlupfwespen; Leimringe am Stamm
3. Belag entfernen (Kosmetik)vorhandenen Rußtau abwischen/abwaschenWasser + etwas Schmierseife, weiches Tuch; im Freien kräftig abbrausen
Kein Fungizidgegen den Pilz selbst nicht erforderlichverschwindet ohne Honigtau von allein

Eine ehrliche Einordnung zum Schluss: Ein leichter, später Rußtau auf robusten Gehölzen ist meist mehr ein Schönheitsmakel als ein ernstes Problem — ob sich der Aufwand lohnt, kannst du am Konzept der Schadschwelle abwägen. Kritischer wird es bei wertvollen Kübel- und Zimmerpflanzen, bei Obst und überall dort, wo der dauerhafte schwarze Film die Pflanze sichtbar schwächt — dann lohnt es sich, die Saugschädlinge konsequent in den Griff zu bekommen.


Häufige Fehler und Mythen

“Der schwarze Belag ist ein Pilz, der meine Pflanze auffrisst — ich brauche ein Fungizid.” Falsch verstanden. Der Schwärzepilz lebt vom Honigtau, nicht von der Pflanze, und dringt nicht ins Gewebe ein. Ein Fungizid gegen den Belag ist sinnlos — du musst die Saugschädlinge bekämpfen, die den Honigtau liefern, dann verschwindet der Rußtau von allein.

“Ich wische den Ruß einfach ab, dann ist das Problem gelöst.” Nur halb. Abwischen verbessert die Optik sofort, aber solange die Läuse oder die Weiße Fliege weiter Honigtau ausscheiden, ist der Belag in kurzer Zeit zurück. Das Abwaschen ist Kosmetik — die Schädlingsregulierung ist die eigentliche Lösung.

“An meinem Auto und meinem Gartentisch unter der Linde haben die Pflanzen den Rußtau verursacht.” Umgekehrt. Auf Auto, Tisch und Terrasse wächst gar nichts — dort liegt nur der Honigtau der Lindenläuse, der von oben herabtropft, und darauf siedelt sich der Pilz an. Die Ursache sitzt im Baum darüber, nicht in den Gegenständen darunter.

“Rußtau steckt meine anderen Pflanzen an.” Nein. Weil der Pilz die Pflanze nicht infiziert, sondern nur den Honigtau besiedelt, ist Rußtau keine ansteckende Pflanzenkrankheit. Was sich “ausbreitet”, sind in Wahrheit die wandernden Saugschädlinge — nicht der Pilz.

“Ameisen am Stamm sind harmlos, die haben mit dem Rußtau nichts zu tun.” Doch, sehr viel sogar. Ameisen “melken” die Läuse und verteidigen sie gegen Marienkäfer und andere Nützlinge. Wo Ameisenstraßen hochlaufen, hält sich der Lausbefall — und damit der Honigtau und der Rußtau — besonders hartnäckig.

“Mehr gießen und kräftig düngen, dann wächst sich der Rußtau aus.” Genau das Gegenteil hilft. Üppige, stickstoffbetonte Düngung treibt weiches Gewebe, das Saugschädlinge erst recht anlockt — mehr Läuse bedeuten mehr Honigtau und damit mehr Rußtau. Auch ständige Nässe und Schatten begünstigen den Belag. Hilfreich sind ein luftiger, heller Stand und maßvolle Düngung, nicht mehr davon.

“Der Rußtau kommt aus dem Boden oder ist ‘Pilz im Saft’ der Pflanze.” Nein. Der Belag entsteht ausschließlich von außen auf dem Honigtau, der von oben auf Blätter und Triebe fällt. Mit der Bodengesundheit oder dem Pflanzensaft hat er nichts zu tun — deshalb sitzt er auch auf der Blattoberseite und auf Gegenständen, wohin der Honigtau herabregnet.


Abgrenzung zu verwechselbaren Schadbildern

Ein dunkler oder belegter Eindruck auf dem Blatt kann mehrere Ursachen haben — und nur die richtige Diagnose führt zur richtigen Maßnahme. Die schnellste Probe ist immer die mit dem Finger: Lässt sich der Belag abwischen und ist das Gewebe darunter grün und heil, ist es Rußtau (und du suchst den Saugschädling). Sitzt der Belag oder Fleck fest im Gewebe, hast du es mit einer echten Blattkrankheit zu tun. Diese Tabelle hilft beim Auseinanderhalten.

SchadbildTypisches MerkmalUnterschied zum Rußtau
Echter Mehltauweißer bis grauer, mehliger Belag, meist oben auf dem Blattweiß statt schwarz; Pilz parasitiert das Blatt (Saugorgane), nicht den Honigtau
Echte Blattfleckenpilzefeste, scharf begrenzte Flecken, oft mit Rand/Hofdringen ins Gewebe, nicht abwischbar; darunter ist das Blatt geschädigt
Sternrußtauschwarze, sternförmig ausfransende Flecken an Rosen, festsitzendechter Blattfleckenpilz im Gewebe — nicht abwischbar, anders als der Rußtau-Film
Falscher Mehltaugrau-violetter Pilzrasen auf der Blattunterseite, gelbe Flecken obenEipilz im Gewebe, nässeabhängig; kein aufliegender schwarzer Film
Aufliegender Staub / Schmutzgrau-schwarzer Schleier, ebenfalls abwischbarnicht klebrig, kein Honigtau, keine Saugschädlinge darüber

Der wichtigste Stolperstein steckt im Namen: Der Sternrußtau der Rosen heißt zwar ähnlich, ist aber etwas völlig anderes — ein echter Blattfleckenpilz, der im Blattgewebe sitzt, festsitzende sternförmige Flecken bildet und sich nicht abwischen lässt. Der hier beschriebene Rußtau dagegen liegt nur als abwischbarer Film auf dem Honigtau obenauf. Merke dir die Faustregel: abwischbar plus klebrig plus grünes Blatt darunter = Rußtau; festsitzend plus geschädigtes Gewebe = echte Blattkrankheit.


Mitnehmen

  1. Rußtau ist ein Folgesymptom, kein echter Pflanzenparasit. Die schwarzen Schwärzepilze leben saprophytisch vom Honigtau und dringen nicht ins Pflanzengewebe ein — der Schaden ist nur indirekt durch Beschattung.

  2. Das Schadbild ist eindeutig. Ein schwarzer, rußartiger, abwischbarer Belag auf Blattoberseiten, Trieben und Früchten, mit grünem, heilem Gewebe darunter — oft begleitet von klebrigem Honigtau auf Blättern, Boden und Gegenständen.

  3. Die Ursache sind saugende Insekten. Blattläuse, Schild- und Wollläuse, die Weiße Fliege und Zikaden scheiden den Honigtau aus, von dem der Pilz lebt — oder es tropft Honigtau von einem überstehenden Baum (Linde, Ahorn) herab.

  4. Ameisen verschärfen das Problem. Sie melken und beschützen die Läuse gegen Nützlinge, sodass sich Befall, Honigtau und Rußtau besonders hartnäckig halten — Leimringe am Stamm helfen.

  5. Bekämpfe die Ursache, nicht den Belag. Reguliere die Saugschädlinge (Blattlaus, Schildlaus, Weiße Fliege) und fördere ihre Nützlinge; den vorhandenen Rußtau wischst oder wäschst du mit Wasser und etwas Schmierseife ab. Ein Fungizid ist überflüssig.

  6. Standort schlägt Symptomkosmetik. Stelle empfindliche Pflanzen, Sitzplätze und Gegenstände nicht unter stark honigtauende Bäume — wo kein Honigtau hinfällt, bildet sich auch kein Rußtau.


Verwandte Seiten

Infografik