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Gertrudentag (17. März) – traditioneller Saatbeginn im Freiland

Im bäuerlichen Jahr gilt der 17. März als Auftakt der Aussaatsaison im Freiland. Sankt Gertrud ist die Patronin der Gärtner – ihr Namenstag markiert den symbolischen Übergang vom Winter in die aktive Gartenarbeit. „Sankt Gertrud führt die Kuh zum Gras” lautet die wohl bekannteste Bauernregel zu diesem Tag.

Schneeglöckchen, Forsythie und Krokus blühen – die typischen März-Frühblüher, die parallel zum Gertrudentag den Frühlingsbeginn anzeigen
Schneeglöckchen, Forsythie und Krokus blühen

Wer war Gertrud?

Gertrud von Nivelles (um 626–659) war Äbtissin eines Klosters in Nivelles im heutigen Belgien. Sie gilt als Schutzpatronin der Reisenden, der Armen, der Gärtner und – etwas ungewöhnlich – auch der Mäuse. In bildlichen Darstellungen wird sie oft mit einem Spaten und einer Maus an ihrem Stab gezeigt.

Ihr Namenstag fällt mit dem Beginn des astronomischen Frühlings zusammen: die Tagundnachtgleiche am 20. März steht unmittelbar bevor, der Boden hat sich in mittleren Lagen oft so weit erwärmt, dass die ersten Direktsaaten möglich werden.

Die Tradition: „Sankt Gertrud führt die Kuh zum Gras”

Der Spruch verweist auf einen sehr praktischen Sachverhalt: Ab Mitte März wuchs in der Wiese genug nach, um die Tiere wieder ins Freie zu lassen. Für die Bauern war das eine ökonomische Erleichterung – der Wintervorrat an Heu wurde geschont, und die Tiere konnten draußen weiden.

Im Garten hieß das parallel: Boden vorbereiten, Beete aufharken, erste Aussaaten wagen.

Spaten im Beet mit kleiner Maus und Frühlingsblumen – die ikonische Darstellung der heiligen Gertrud, Patronin der Gärtner und (kurios genug) auch der Mäuse
Spaten im Beet mit kleiner Maus und Frühlingsblumen

Welche Aussaaten ab Mitte März möglich sind

In milden Regionen und auf geschützten Standorten lassen sich ab Gertrud die ersten Direktsaaten machen. Wichtig ist nicht das Datum, sondern der Bodenzustand: Die Erde muss trocken genug sein, dass sie sich krümelig anfühlt und nicht klebt. Faustregel: Eine Handvoll Erde lässt sich locker zerbröseln, ohne zu kleben.

KulturAussaatzeitpunkt ab GertrudHinweis
Erbsen (Schal-, Mark-, Zuckererbsen)ab Mitte MärzFrosttolerant, mögen kühlen Boden
Spinatab Mitte MärzLange Saatfenster, schießt bei Wärme
Radieschenab Mitte MärzSchnellkultur, mehrfach nachsäen
Möhren (frühe Sorten)ab Mitte MärzBrauchen lockeren, steinfreien Boden
Pastinakenab Mitte MärzBrauchen lange Vegetationszeit
Schwarzwurzelnab Mitte MärzTiefgrund, lockerer Boden
Rettich (Frühsorten)ab Mitte MärzKühl, sonnig
Petersilieab Mitte MärzSehr langsamer Auflauf
Dicke Bohnenab Mitte MärzFrosttolerant bis −5 °C
Kopfsalat (Frühsorten)ab Ende MärzNotfalls Vlies auflegen
Erbsen-, Spinat- und Radieschen-Samen in einer Beetreihe – die klassischen Direktsaaten zum Gertrudentag
Erbsen-, Spinat- und Radieschen-Samen in einer Beetreihe – die klassischen Direktsaaten zum Gertrudentag

Wichtig: Erst säen, wenn der Boden trocken genug ist. Nasse, schwere Böden verbacken bei der Bearbeitung und verlieren ihre Struktur.

Frühlingstauglichkeitscheck für den Boden

Drei einfache Tests, ob der Boden im März bereit ist:

1. Krümeltest: Eine Handvoll Erde nehmen und zur Kugel formen. Wenn die Kugel beim leichten Druck zerfällt, ist die Erde reif. Klebt sie zusammen, lieber noch warten.

2. Bodentemperatur: Mit einem einfachen Thermometer in 5 cm Tiefe messen. Für die meisten frühen Aussaaten reichen 5–6 °C, für Möhren oder Pastinaken 8 °C.

3. Auflauftest: Wenn die ersten Wildkräuter (Vogelmiere, Hirtentäschel, Taubnessel) sichtbar aktiv wachsen, ist die Erde aktiv. Dann läuft auch das Saatgut.

Phänologie statt Kalender

Heute ist der Gertrudentag eher ein symbolischer Termin als eine harte Regel. Mit dem Klimawandel beginnt die Vegetationsperiode in vielen Regionen schon Anfang März – manchmal sogar Ende Februar. Wer phänologisch arbeitet, beobachtet:

In kühleren Lagen, höheren Höhen oder bei nassem Frühjahr kann es aber auch Anfang April werden, bis der Boden wirklich bereit ist. Der Gertrudentag ist ein guter Orientierungspunkt – aber nicht mehr als das.

Tradition und Brauchtum

In einigen Regionen wurde der Gertrudentag mit kleinen Bräuchen begangen: Saatgutsegnung, das erste Pflanzen von Erbsen, das Auseinanderwerfen alter Asche auf den Beeten. Die Verbindung zu Gertrud als Patronin der Mäuse ist eine kuriose Note – möglicherweise stammt sie daher, dass die Heilige in einer Legende Mäusen zu Hilfe kam, oder weil zu ihrem Namenstag die Feldmäuse aus den Winterquartieren kamen.

Bauernregeln zum Gertrudentag

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