Taubnessel anbauen – Standort, Pflege und Nutzung
Taubnessel (Lamium album/maculatum) anbauen: Frühjahr oder Herbst; Abstand 30–40 cm; halbschattig bis schattig; mehrjährig; Blüte April–Oktober; Bienenweide, brennt nicht.

Die Taubnessel (Lamium) sieht der Brennnessel auf den ersten Blick ähnlich – brennt aber nicht (“taub” = ohne Wirkung). Vor allem die Weiße Taubnessel (Lamium album) ist ein wertvolles Wildkraut, das von April bis Oktober blüht und damit eine außergewöhnlich lange Bienen- und Hummelweide ist. Junge Blätter und Blüten sind essbar (mild-süßlich), traditionell auch als Tee genutzt. Die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) wird als Zier-Bodendecker im Schattenbeet kultiviert. Mehrjährig, winterhart und sehr pflegeleicht – wächst auch dort, wo wenig anderes gedeiht.
Taubnessel auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Taubnessel (Lamium album, L. maculatum) |
| Nutzungsgruppe | Wildkraut / Bodendecker / Bienenweide |
| Lebensform | mehrjährig |
| Voranzucht | März–April |
| Direktsaat | April–Mai oder August–September |
| Pflanzung | März–April oder September–Oktober |
| Pflanzabstand | 30–40 cm |
| Reihenabstand | 40 cm |
| Pflanzen pro m² | 6–9 |
| Saattiefe | 0,5–1 cm |
| Standort | halbschattig bis schattig; humos, frisch, nährstoffreich |
| Boden-pH | 6,0–7,5 |
| Düngung | gering; Kompost im Frühjahr |
| Blütezeit | April bis Oktober (sehr lang!) |
| Wuchshöhe | 20–50 cm |
| Familienbedarf (4 Pers.) | 3–5 Pflanzen als Wildkraut; 6–10 als Bodendecker |
| Herkunft | Europa, Westasien |
| Botanisch | Lamium album, L. maculatum, L. galeobdolon (Goldnessel) |
| Familie | Lippenblütler (Lamiaceae) |
Standort und Pflege für Taubnessel
- Standort: halbschattig bis schattig; auch sonnig, wenn der Boden feucht bleibt.
- Boden: frisch, humusreich, nährstoffreich; verträgt aber auch ärmere Böden.
- Düngung: Kompost im Frühjahr genügt.
- Gießen: bei Trockenheit gießen; sonst pflegeleicht.
- Rückschnitt: nach der Hauptblüte (Juni) kann man die Pflanze zurückschneiden, dann blüht sie erneut bis in den Oktober.
- Vermehrung: Teilung im Frühjahr oder Herbst; Stecklinge ab Juni; Selbstaussaat.
- Wuchsverhalten: breitet sich über Ausläufer aus – im Garten gut zur Begrünung von Problemzonen unter Bäumen oder am Beetrand.
Wichtige Punkte beim Anbau von Taubnessel
- Brennt nicht trotz Name und brennnesselähnlichem Blattbild – Familie ist Lamiaceae (Lippenblütler), nicht Urticaceae.
- Sehr lange Blütezeit April–Oktober – einer der wichtigsten Pollen- und Nektarlieferanten für Hummeln.
- Breitet sich über Wurzelausläufer aus – kann je nach Art (besonders Goldnessel Lamium galeobdolon) im Beet dominant werden.
- Junge Blätter & Blüten essbar – Blüten süß durch Nektar (Kindererinnerung: an der Blütenbasis saugen).
- Sehr robust – auch Trockenstandorte verträglich, allerdings dann mit weniger Blüten.
Taubnessel in der Mischkultur
- Gut: mit Schattenstauden wie Lungenkraut, Beinwell, Waldmeister, Hosta, Farnen, Frühlingsblühern – ergeben einen artenreichen Schattenbereich.
- Unter Sträuchern und Bäumen als Bodendecker ideal.
- Keine schlechten Nachbarn im klassischen Sinn; allerdings kann Taubnessel kleinwüchsige Stauden überwuchern – nicht in feine Steingärten setzen.
Taubnessel Sorten und Nutzung
- Lamium album (Weiße Taubnessel): wildkrautig, weiße Blüten, klassisches Heilkraut und Wildgemüse.
- Lamium maculatum (Gefleckte Taubnessel): rosa-violette Blüten, weiß gezeichnete Blätter; viele Zierformen (‘Beacon Silver’, ‘White Nancy’, ‘Pink Pewter’).
- Lamium galeobdolon (Goldnessel): gelbe Blüten; starkwüchsiger Bodendecker; kann invasiv werden.
- Küche: junge Blätter in Salaten, Spinatersatz, Smoothies; Blüten als Dekoration; Blütentee.
- Heilpflanze: traditionell gegen Erkältung, Entzündungen der Atemwege und Frauenleiden; mild reizlindernd.
- Imkerei: sehr wertvolle Trachtpflanze, besonders für Hummelköniginnen im Frühjahr.
Nährwerte (pro 100 g frische Taubnessel-Blätter, L. album)
- Energie: ca. 35 kcal.
- Wasser: ca. 86 g.
- Kohlenhydrate: ca. 5,5 g.
- Eiweiß: ca. 4,3 g.
- Fett: ca. 0,7 g.
- Vitamine: Vitamin C, Vitamin A, B-Vitamine.
- Mineralstoffe: Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide, Gerbstoffe, ätherische Öle.
Ertrag von Taubnessel im Hausgarten
Für eine vierköpfige Familie reichen 3–5 Pflanzen, um regelmäßig junge Blätter und Blüten zu ernten. Als Bodendecker brauchen 6–10 Pflanzen pro Quadratmeter für eine dichte Decke nach 1–2 Jahren. Wegen der langen Blütezeit und Mehrjährigkeit ist die Taubnessel eines der ertragreichsten Wildkräuter im Garten.
Häufige Fehler beim Anbau von Taubnessel
- Mit Brennnessel verwechseln – Taubnessel brennt nicht (quadratischer Stängel, gegenständige Blätter, Lippenblüten).
- In feines Staudenbeet pflanzen – breitet sich über Ausläufer aus und kann zarte Stauden überwuchern.
- Vollsonne ohne Wässerung – wird kümmerlich; lieber Halbschatten.
- Goldnessel im Naturgarten ohne Kontrolle – kann sich invasiv ausbreiten.
- Nicht zurückschneiden nach Hauptblüte – fördert kompakteren Wuchs und Nachblüte.
Infografik