Maulwurf im Garten: erkennen, schützen und mit Hügeln umgehen

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Frische Erdhaufen im Rasen fallen sofort auf. Bevor du zu einem Mittel gegen die vermeintlichen Verursacher greifst, lohnt sich ein genauer Blick: Ein Maulwurf (Talpa europaea) ist ein Säugetier, das Bodentiere jagt und keine Wurzeln annagt. Er ist in Deutschland besonders geschützt.

Seine Grabtätigkeit kann beim Mähen stören oder frisch gesetzte Pflanzen unterhöhlen. Trotzdem lässt sich im Garten meist mit ihm leben. Hier erfährst du, welche Spuren für einen Maulwurf sprechen, wie sich diese von denen einer Wühlmaus unterscheiden und wie du Hügel beseitigst, ohne das Tier oder seine Lebensstätten zu schädigen.


Was ist der Maulwurf?

Europäischer Maulwurf im Erdgang mit Regenwürmern und Käferlarven als Beute
Der Maulwurf frisst tierische Nahrung, darunter Regenwürmer und Insektenlarven.

Der Europäische Maulwurf gehört zur Familie der Maulwürfe (Talpidae) und zur Säugetierordnung Eulipotyphla, zu der auch Igel und Spitzmäuse zählen. Er ist kein Insekt und kein Nagetier. Die kräftigen, nach außen gedrehten Vorderhände mit Krallen helfen ihm beim Graben. Sein dichtes Fell lässt sich in verschiedene Richtungen biegen, sodass er sich in engen Gängen vorwärts und rückwärts bewegen kann.

Die kleinen Augen sind oft im Fell verborgen; äußere Ohrmuscheln fehlen. Maulwürfe sind aber nicht blind: Sie können unter anderem Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Beim Finden von Beute helfen ihnen besonders Tast-, Geruchs- und Gehörsinn.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem Regenwürmer, außerdem Insekten und ihre Larven, etwa Engerlinge und Drahtwürmer, sowie Schnecken und andere Kleintiere. Wurzelfraß gehört nicht zu seinem Schadbild.

MerkmalAngabe
ArtEuropäischer Maulwurf (Talpa europaea), Familie Talpidae
EinordnungSäugetier; kein Insekt und kein Nagetier
Größe und GewichtKopf-Rumpf-Länge ungefähr 12–17 cm, Gewicht ungefähr 60–120 g; Orientierungswerte, einzelne Tiere können abweichen
LebensweiseÜberwiegend einzeln in einem unterirdischen Gangsystem
NahrungTierisch, besonders Regenwürmer und Insektenlarven
AktivitätGanzjährig, in mehreren Aktivitäts- und Ruhephasen über Tag und Nacht; kein Winterschlaf
Schutzstatus in DeutschlandBesonders geschützt

Die Größen- und Gewichtsspannen folgen dem Grünlandheft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Seite 128. Solche Spannen unterscheiden sich je nach Quelle und untersuchten Tieren; sie sind keine sicheren Bestimmungsmerkmale.


Maulwurf oder Wühlmaus? Spuren unterscheiden

Schematischer Vergleich eines hohen Maulwurfshaufens mit zentralem Auswurfgang und eines flacheren Schermaushaufens
Haufenform und Lage des Auswurfgangs liefern Hinweise; sie allein beweisen den Verursacher nicht.

Maulwürfe schieben beim Graben Erde nach oben. Typisch sind hohe, eher kuppel- oder kegelförmige Haufen mit einem Auswurfgang ungefähr unter der Mitte. Bei der im Garten schädigenden Schermaus sind die Haufen häufiger flacher, unregelmäßiger und seitlich zur Gangöffnung angeordnet; Pflanzenreste können darin liegen.

Ein wichtiger Unterschied ist der Gangquerschnitt: Schermausgänge sind eher hochoval bis rundlich, Maulwurfsgänge eher rund bis flachoval. Die Beschreibungen beziehen sich auf den Querschnitt der Röhre, nicht auf die Höhe oder Tiefe ihres Verlaufs. Bodenart, Feuchtigkeit und Zustand der Haufen beeinflussen das Erscheinungsbild.

VerursacherTypische HinweiseGrenzen der Zuordnung
Maulwurf (Talpa europaea)Hohe Haufen, zentraler Auswurfgang, rund bis flachovale Röhren; keine Nagespuren durch den MaulwurfGrabtätigkeit kann Pflanzen unterhöhlen; Haufenform allein reicht nicht
Schermaus / Große Wühlmaus (Arvicola spp.)Häufig flachere, seitliche Haufen, hochovale bis rundliche Röhren; Nagespuren an Wurzeln, Knollen oder ZwiebelnKann vorhandene Maulwurfsgänge mitnutzen; Fraßspuren schließen einen gleichzeitig anwesenden Maulwurf nicht aus
Feldmaus (Microtus arvalis)Offene Laufwege an der Grasnarbe, kleine Eingänge und Fraß an Gras oder anderen PflanzenteilenMeist keine großen Maulwurfshaufen
Andere WurzelfresserJe nach Art Fraßstellen und Larven im Boden, etwa Engerlinge oder DrahtwürmerWurzelfraß bedeutet nicht automatisch Wühlmausbefall

Diese Unterscheidung und die mögliche Doppelnutzung von Gängen erläutert das Pflanzenschutzamt Berlin im Merkblatt zu Schermäusen und Maulwürfen, Seite 2.

Einzelne Spuren sind kein sicherer Artnachweis. Auch welkende Pflanzen ohne erkennbare Nagespuren beweisen keine Wühlmaus: Unterhöhlung, Trockenheit oder Wurzelkrankheiten können ähnliche Folgen haben. Grabe nicht gezielt Maulwurfsbaue auf, um die Art festzustellen. Bei Unsicherheit verzichte auf Fallen und andere Eingriffe und hole fachkundigen Rat ein. Weitere Hinweise zur Schermaus findest du unter Wühlmaus.


Lebensweise und Nahrung

Ein Maulwurf nutzt ein verzweigtes Gangsystem mit Jagdgängen, Ruhe- und Nestkammern. Er kontrolliert die Röhren auf eingedrungene Bodentiere. Die oberirdischen Haufen bestehen aus dem Aushub beim Anlegen und Erweitern des Baus; viele Haufen bedeuten deshalb nicht automatisch viele Maulwürfe.

Das Graben kostet viel Energie. Der Maulwurf braucht regelmäßig Nahrung und wechselt zwischen Beutezügen und Ruhephasen. Angaben zum Tagesbedarf reichen bis ungefähr zu seinem eigenen Körpergewicht. Eine feste Hungergrenze lässt sich daraus für ein einzelnes Tier nicht ableiten. Überschüssige Regenwürmer kann er durch einen Biss bewegungsunfähig machen und lebend als Vorrat lagern.

Maulwürfe leben überwiegend einzeln. Zur Fortpflanzung im Frühjahr suchen Männchen die Weibchen auf; die Mutter zieht die Jungen im Nest groß. Später verlassen die Jungtiere das mütterliche Revier und können dabei an der Oberfläche auftauchen. Ein oberirdisch gesehenes Tier ist deshalb nicht automatisch krank oder hilfsbedürftig. Bei einem verletzten Tier wende dich an eine Tierarztpraxis oder eine fachkundige Wildtierhilfe.

Der Maulwurf hält keinen Winterschlaf. Bei Frost und starker Trockenheit kann er der Beute in tiefere Bodenschichten folgen. Mehr zur Ernährung und Lebensweise bietet der Artensteckbrief der Deutschen Wildtier Stiftung.


Nutzen und mögliche Schäden im Garten

Maulwurfshaufen über Pflanzenwurzeln mit einem Symbol für fehlenden Pflanzenfraß
Der Maulwurf nagt keine Wurzeln an; seine Grabtätigkeit kann Pflanzen dennoch beeinträchtigen.

Der Maulwurf frisst auch Bodentiere, die an Kulturpflanzen schädigen können. Damit kann er zur natürlichen Regulierung einiger Bodenschädlinge beitragen. Er frisst jedoch ebenso Regenwürmer und andere nützliche Tiere. Seine Anwesenheit garantiert weder geringe Schädlingsbestände noch gesunde Pflanzen. Auch Engerlinge sind nicht pauschal Schädlinge: Ihre Rolle hängt von der Käferart ab.

Beim Graben lockert und durchmischt er Erde. Seine Anwesenheit kann auf verfügbare Beute und einen für ihn geeigneten Lebensraum hinweisen. Sie ist aber kein Gütesiegel für die gesamte Bodenqualität: Über Nährstoffversorgung, pH-Wert, Schadstoffbelastung oder die Struktur des ganzen Beets sagt ein Haufen nichts Verlässliches aus.

WirkungBedeutung für deinen Garten
BeutefangFrisst unter anderem Insektenlarven; kann zur Regulierung beitragen, ersetzt aber keine Diagnose eines Pflanzenproblems
GrabtätigkeitLockert und durchmischt Erde; kann zugleich Boden anheben und Wurzelkontakt unterbrechen
Erdhaufen im RasenStören beim Mähen und können Gras bedecken; lose Erde vorher abtragen oder dünn verteilen
Unterhöhlte JungpflanzenKönnen schlechter Wasser aufnehmen und vertrocknen; Wurzelkontakt wiederherstellen und passend wässern

Keine Fraßschäden bedeutet also nicht: keinerlei Schäden. Bei angenagten Wurzeln suche nach anderen Verursachern; bei angehobenen Pflanzen ohne Fraßspuren kann Grabtätigkeit eine Erklärung sein.


Maulwurfshügel im Rasen: Was tun?

Hand verteilt lose Hügelerde im Garten, daneben eine Jungpflanze und ein Schutzsymbol für den Maulwurf
Lose Hügelerde nutzen, betroffene Pflanzen versorgen und den Maulwurf mit seinen Lebensstätten schützen.

Für einen Garten mit gelegentlichen Erdhaufen ist Akzeptieren und gezielte Pflege meist der einfachste Umgang:

  1. Lose Hügelerde vor dem Mähen abtragen. Verteile kleine Mengen dünn, sodass Grasblätter frei bleiben, oder nutze die Erde im Beet. Stopfe sie nicht in die Gangöffnung und beschädige keine Nest- oder Ruhekammern.
  2. Kahle Stellen bei Bedarf nachsäen. Ob sich der Rasen von selbst schließt, hängt von Jahreszeit, Witterung und Ausmaß der Lücke ab. Neue Hügel können entstehen; das Einebnen vertreibt den Maulwurf nicht zuverlässig.
  3. Angehobene Pflanzen vorsichtig andrücken und wässern. Stelle den Kontakt zwischen Wurzeln und Erde wieder her und beobachte die Pflanzen. Bei wiederholter Unterhöhlung kann eine andere Pflanzstelle sinnvoll sein.
  4. Hügelerde passend verwenden. Für das Auffüllen kleiner Beetstellen ist sie oft brauchbar. Für Töpfe oder Aussaaten musst du ihre Eigenschaften prüfen.

Ist Maulwurfserde als Anzuchterde geeignet?

Maulwurfserde ist Bodenaushub vom jeweiligen Standort. Sie kann sandig, lehmig oder tonreich sein und nach dem Gießen stark verdichten. Sie ist weder automatisch nährstoffarm noch frei von Unkrautsamen oder Krankheitserregern. Der Maulwurf bereitet kein fertiges, keimfreies Substrat auf.

Geeignete Erde kann nach dem Sieben ein Bestandteil einer selbst gemischten Topf- oder Aussaaterde sein. Struktur, Salzgehalt und Wasserhaltung müssen zur Kultur passen; für empfindliche Aussaaten ist ein dafür geeignetes Substrat oft die verlässlichere Wahl. Die RHS beschreibt Gartenerde als Bestandteil abgestimmter Substratmischungen. Hinweise zur Auswahl und zum Mischen findest du unter torffreie Aussaat- und Anzuchterde.

Bei einer Neuanlage vorbeugen

Bei neuen Rasenflächen können fachgerecht eingebaute Maulwurfsgitter oder stabile Netze unter der Grasnarbe das Aufwerfen von Hügeln begrenzen. Das ist eine vorbeugende bauliche Maßnahme, keine Anleitung, einen bereits besiedelten Bau zu verschließen. Bereits vorhandene Tiere dürfen nicht eingeschlossen und ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten nicht beschädigt werden. Lass Aufbau und Eignung bei Bedarf fachlich prüfen; ein beliebiges Wühlmausgitter erfüllt nicht automatisch denselben Zweck.


Was bedeutet der Schutzstatus?

Der Europäische Maulwurf ist in Deutschland besonders geschützt, nicht „streng geschützt“ im rechtlichen Sinn. Die Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung erfasst ihn über die geschützten heimischen Säugetiere.

Nach § 44 Absatz 1 BNatSchG sind insbesondere Nachstellen, Fangen, Verletzen und Töten sowie das Entnehmen, Beschädigen oder Zerstören seiner Fortpflanzungs- und Ruhestätten grundsätzlich verboten. Auch eine Lebendfalle mit anschließendem Umsetzen ist damit keine frei erlaubte Alternative. Zusätzlich untersagt § 39 BNatSchG das mutwillige Beunruhigen wild lebender Tiere.

„Gewaltfrei“ bedeutet nicht automatisch „zulässig“. Behördeninformationen zum Vergrämen unterscheiden sich: Das Landratsamt Berchtesgadener Land nennt friedliche Methoden und betont den Schutz von Gängen und Behausungen; das Pflanzenschutzamt Berlin verweist auf Ausnahmegenehmigungen. Deshalb geben wir keine pauschale Empfehlung für Geruchsstoffe, Schallgeräte oder das Öffnen von Gängen. Ein verlässlicher Vertreibungserfolg lässt sich damit ebenfalls nicht zusichern.

Verzichte auf Fallen gegen Maulwürfe, Gift, Karbid, Begasung und das Fluten von Gängen. Wenn auf einer besonders empfindlichen Fläche, etwa einem Sportplatz, ein erheblicher Konflikt entsteht, kläre mögliche Maßnahmen vorab mit der zuständigen Naturschutzbehörde. Über eine Ausnahme entscheidet die Behörde im Einzelfall; § 45 Absatz 7 BNatSchG nennt dafür Voraussetzungen. Ein störender Hügel ist keine automatische Genehmigung.


Häufige Fragen zum Maulwurf

Frisst der Maulwurf meine Wurzeln?

Nein. Er frisst tierische Nahrung und nagt keine Wurzeln oder Knollen an. Sein Graben kann Pflanzen aber anheben oder unterhöhlen. Echte Fraßspuren können unter anderem von Schermäusen oder Insektenlarven stammen; bestimme den Verursacher, bevor du eingreifst.

Bedeutet ein Maulwurf, dass keine Wühlmäuse im Garten sind?

Nein. Maulwürfe verteidigen ihre Reviere, aber daraus folgt keine verlässliche Wühlmausabwehr. Beide Tiere können im selben Garten vorkommen und Gänge mitnutzen. Wühlmausfraß ist deshalb kein Beweis, dass ein Bau maulwurfsfrei ist.

Zeigen viele Hügel viele Maulwürfe an?

Nicht unbedingt. Ein Tier kann beim Ausbau seines Gangsystems viele Hügel aufwerfen. Ihre Anzahl erlaubt keine sichere Schätzung der Tierzahl.

Darf ich einen Maulwurf fangen und anderswo aussetzen?

Nicht eigenmächtig. Auch Lebendfang fällt grundsätzlich unter das Fangverbot. Bei einem verletzten Tier oder einem erheblichen Nutzungskonflikt hole fachkundigen Rat ein.

Verlässt er den Garten, wenn ich die Hügel einebne?

Darauf solltest du dich nicht verlassen. Du räumst damit den oberirdischen Aushub weg; der Maulwurf kann sein Gangsystem weiter nutzen und neue Hügel aufwerfen.

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