Ohrwurm im Garten: erkennen und gezielt fördern

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Du hebst einen Blumentopf an oder rollst eine Plane im Beet zusammen – und mehrere braune, längliche Tiere mit einer Zange am Hinterende huschen ins Dunkle. Oft sind es Gemeine Ohrwürmer (Forficula auricularia). Sie sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs und verstecken sich tagsüber unter Holz, Rinde, Laub oder in engen Spalten.

Im Garten können Ohrwürmer nützlich sein: Sie fressen unter anderem Blattläuse, Insekteneier und kleine Larven. Als Allesfresser nehmen sie aber auch pflanzliche Nahrung auf. Ob ihre Anwesenheit willkommen ist oder Probleme bereitet, hängt deshalb von der Kultur und den tatsächlichen Schäden ab. Dieser Steckbrief erklärt, wie du sie erkennst, ihre Brutpflege schonst und geeignete Quartiere anbietest.

Was ist der Ohrwurm?

Ohrwürmer bilden die Insektenordnung Dermaptera. Dieser Steckbrief behandelt vor allem den Gemeinen Ohrwurm, eine häufige Art in unseren Gärten. Andere Ohrwurmarten können sich in Aussehen, Flügelausbildung und Lebensweise unterscheiden.

Der Gemeine Ohrwurm ist ein Allesfresser. Zu seiner Nahrung gehören kleine Beutetiere, aber auch zarte Pflanzenteile, Pollen, Pilze und abgestorbenes Material. Als natürlicher Gegenspieler kann er zur Regulierung von Schädlingen beitragen. Seine Anwesenheit garantiert jedoch keinen ausreichenden Pflanzenschutz; bei zunehmenden Schäden bleiben Beobachtung und die Bewertung der Schadschwelle wichtig.

Der Gemeine Ohrwurm auf einen Blick

MerkmalEinordnung
Wissenschaftlicher NameForficula auricularia, Ordnung Dermaptera
GrößeKörper etwa 10–16 mm; die Länge der Zangen variiert
Erkennungsmerkmalelänglicher, abgeflachter, bräunlicher Körper; sechs Beine, lange Fühler und Hinterleibszange
Aktivitätvor allem dämmerungs- und nachtaktiv; außerhalb der Winterruhe leichter zu beobachten
Nahrungkleine Insekten, Milben, Insekteneier und Larven; außerdem pflanzliches und abgestorbenes Material
Generationenin Mitteleuropa meist eine Generation pro Jahr
Gelegemanche Weibchen legen ein zweites Gelege; das ist keine zusätzliche Generation
Überwinterungvor allem erwachsene Tiere in geschützten Quartieren, häufig im Boden; je nach Population werden auch Gelege über den Winter betreut
Rolle im Gartenhäufig ein Nützling, an empfindlichen Kulturen auch Verursacher von Fraßschäden

Ohrwürmer und Jungtiere erkennen

Illustration der Hinterleibszange eines Ohrwurms neben einem durchgestrichenen Ohr-Symbol
Ohrwürmer suchen Menschenohren nicht gezielt auf. Ihre Zange dient unter anderem der Verteidigung.

Das auffälligste Merkmal erwachsener Ohrwürmer ist die paarige Zange am Hinterende. Diese umgebildeten Hinterleibsanhänge heißen Cerci. Beim erwachsenen Gemeinen Ohrwurm sind sie beim Männchen meist kräftiger und stärker gebogen, beim Weibchen schlanker und nahezu gerade. Die Form hilft bei der Geschlechtsbestimmung; für die genaue Artbestimmung können weitere Merkmale nötig sein.

Die Zange wird unter anderem zur Abwehr, beim Beutefang und bei der Paarung eingesetzt. Sie ist kein Giftstachel. Ein festgehaltenes oder bedrängtes Tier kann zwicken; für Menschen sind Ohrwürmer normalerweise ungefährlich. Am besten lässt du sie auf ein Blatt oder in ein Gefäß laufen, statt sie zwischen den Fingern zu greifen.

Unter den kurzen Deckflügeln des Gemeinen Ohrwurms liegen stark gefaltete Hinterflügel. Er kann fliegen, nutzt diese Fähigkeit aber selten. Jungtiere, auch Nymphen genannt, ähneln den Erwachsenen: Sie haben sechs Beine, Fühler und Hinterleibsanhänge, sind zunächst kleiner und heller und besitzen noch keine voll entwickelten Flügel. Die kräftige Zangenform entwickelt sich mit den Häutungen.

Ähnliche Funde richtig einordnen

Tier oder StadiumHinweise zur ErkennungBedeutung im Garten
Gemeiner Ohrwurm, erwachsenlänglicher brauner Körper, sechs Beine, deutliche HinterleibszangeAllesfresser; kann Schädlinge erbeuten und Pflanzen schädigen
Ohrwurm-Nympheähnliche Körperform, kleiner und heller, sechs Beine und Hinterleibsanhängepflanzliche und tierische Nahrung; kein Puppenstadium
Engerlingmeist weißlich, C-förmig gekrümmt, brauner Kopf und drei kurze Beinpaareje nach Art Wurzelfresser oder nützlicher Zersetzer
Dickmaulrüsslerlarveweißlich, gekrümmt, brauner Kopf, beinloskann Wurzeln schädigen; genaue Bestimmung nötig
Schwebfliegenlarve an einer Blattlauskoloniemeist beinlose, oft durchscheinende Larve, ohne Hinterleibszangebei vielen Arten Blattlausjäger
Marienkäferlarvelänglicher, oft dunkel gefärbter Körper mit sechs Beinen, ohne Hinterleibszangebei vielen Arten Blattlausjäger

Helle Farbe allein beweist weder die Tiergruppe noch einen Schaden. Auch Käferlarven können nützlich sein: Larven von Rosenkäfern und Nashornkäfern zersetzen abgestorbenes Material. Einen Larvenfund deshalb zuerst bestimmen und mit dem tatsächlichen Pflanzenschaden abgleichen.

Lebensweise, Entwicklung und Brutpflege

Illustration eines Ohrwurm-Weibchens mit schlanken, nahezu geraden Zangen bei seinem Gelege in einer Erdkammer
Das Weibchen bewacht und reinigt seine Eier und betreut die frisch geschlüpften Jungtiere.

Ohrwürmer entwickeln sich über eine unvollständige Verwandlung: Aus dem Ei schlüpft ein Jungtier, das sich über mehrere Häutungen zum erwachsenen Tier entwickelt. Eine Puppenruhe wie bei Käfern oder Schmetterlingen gibt es nicht.

Das Weibchen legt mehrere Dutzend Eier in einer geschützten Bodenkammer ab, häufig etwa 30–60; die Gelegegröße kann variieren. Die Eiablage ist nicht auf das Frühjahr beschränkt. Je nach Population und Bedingungen können Gelege bereits im Herbst oder Winter angelegt werden. In untersuchten pfälzischen Rebanlagen fand die Eiablage beispielsweise im November statt.

Die Brutpflege ist bemerkenswert: Das Weibchen bewacht das Gelege, dreht und reinigt die Eier mit den Mundwerkzeugen. Das trägt zum Schutz vor Verpilzung bei. Nach dem Schlupf betreut und versorgt es die Jungtiere zunächst weiter. Später verlassen diese das Nest und suchen selbstständig Nahrung. Erwachsene Tiere können bereits im Frühsommer auftreten; Jungtiere aus einem späteren Gelege entwickeln sich entsprechend später.

Jahresverlauf als Orientierung

Die Zeiträume verschieben sich mit Region, Population und Temperatur. Die Phasen können sich überschneiden.

PhaseUngefährer ZeitraumWas passiert
Paarung und Suche nach BodenquartierenSommer bis Herbsterwachsene Tiere pflanzen sich fort und suchen geschützte Rückzugsorte
Nestbau, Eiablage und Brutpflegeje nach Population Herbst/Winter bis FrühjahrWeibchen legt und pflegt Eier in einer Bodenkammer
Überwinterungkalte Jahreszeiterwachsene Tiere bleiben in geschützten Quartieren; manche Weibchen betreuen bereits Gelege
Schlupf und Jungtierentwicklungvor allem Frühjahr bis Sommerzunächst Betreuung im Nest, später selbstständige Nahrungssuche und weitere Häutungen
Erwachsene Tiere und mögliche weitere Gelegeab Frühsommer bis Herbsterwachsene Tiere an Gehölzen und anderen Pflanzen; manche Weibchen legen erneut Eier

Ein zweites Gelege desselben Weibchens gehört zur gleichen Generation. Bodenquartiere sind zugleich Brutplätze: Ungestörte Teilbereiche unter Hecken, Laub oder Holz können deshalb mehr helfen als ein zusätzliches aufgehängtes Tagesquartier.

Nutzen und mögliche Fraßschäden

Illustration eines Ohrwurms an einer Blattlauskolonie, daneben schematisch Milben und Insekteneier
Blattläuse, Milben und erreichbare Insekteneier können zum Beutespektrum gehören.

An Obstgehölzen ist der Ohrwurm häufig ein hilfreicher Gegenspieler. Er kann Blattläuse, auch Blutläuse, sowie erreichbare Insekteneier und kleine Larven erbeuten. Dazu können Eier und junge Raupen von Obstschädlingen wie dem Apfelwickler gehören. Bereits in Früchte eingebohrte Raupen sind für ihn jedoch kaum erreichbar. Seine nächtliche Tätigkeit bleibt oft unbemerkt.

Auch Milben können gefressen werden. Daraus folgt aber keine verlässliche Kontrolle eines Spinnmilbenbefalls. Wie stark Ohrwürmer zur Regulierung beitragen, hängt unter anderem von ihrer Anzahl, dem Beuteangebot und der Erreichbarkeit der Beute ab.

Wo Ohrwürmer auch schaden können

Pflanzliche Nahrung gehört zu ihrem normalen Speiseplan. An Jungpflanzen, zarten Blättern und Blüten, etwa von Dahlien, sowie an weichen Früchten können Fraßschäden auftreten. Diese sind nicht grundsätzlich an ein Massenauftreten gebunden. Bei hohen Tierzahlen können die Schäden allerdings stärker ausfallen.

An Äpfeln und Birnen werden häufig bereits verletzte Stellen genutzt oder vergrößert. Auch Traubenbeeren müssen in der Regel vorgeschädigt sein, etwa durch Risse oder Wespenfraß. Bei anderen weichschaligen Früchten lässt sich der Fraß nicht pauschal auf vorhandene Verletzungen beschränken. Deshalb Quartiere bevorzugt dort einsetzen, wo ihr Nutzen erwünscht ist, und empfindliche Kulturen beobachten.

SituationEinordnung und Vorgehen
Blattlausbefall am Obstgehölzvorhandene Ohrwürmer schonen; ein erreichbares Tagesquartier kann sie unterstützen
SpinnmilbenbefallOhrwürmer können Milben fressen, ersetzen aber keine gezielte Befallskontrolle
Fraßspuren an Jungpflanzen oder Blütennachts nach dem Verursacher suchen, bevor Maßnahmen ergriffen werden
Ohrwürmer in verletzten Früchtensie können vorhandene Schäden nutzen; der Fund beweist nicht, dass sie die ursprüngliche Verletzung verursacht haben
Wiederholt beobachteter Ohrwurmfraß an empfindlicher Kulturbesetzte Quartiere tagsüber an ein geeignetes Gehölz mit Blattlausbefall umsetzen und den weiteren Schaden beobachten

Fraßspuren prüfen

Gehe abends oder nachts mit einer Taschenlampe zu den betroffenen Pflanzen und beobachte, wer tatsächlich frisst. Auch Schnecken, Raupen oder andere Tiere können ähnliche Spuren hinterlassen. Schleimspuren, Kot oder Gespinste sind weitere Hinweise, aber ihr Fehlen sichert die Ursache nicht. Ein Ohrwurm unter einem Topf oder in einer Frucht ist allein kein Beweis für die Schadursache.

Ob zusätzliche Maßnahmen nötig sind, beurteilst du anhand der betroffenen Kultur und der Entwicklung des Schadens. Ein wenig Fraß an einer kräftigen Pflanze ist anders zu bewerten als wiederholter Verlust frischer Sämlinge.

Ohrwurmquartiere bauen und gezielt einsetzen

Illustration eines umgedrehten, mit Stroh gefüllten Tontopfs, dessen Rand den Baumstamm berührt; ein Quersteg hält das Füllmaterial
Ein Tagesquartier braucht einen gut erreichbaren Eingang; Kontakt zum Stamm oder Ast erleichtert den Zugang.

Ein umgedrehter Tontopf mit Holzwolle, Heu oder Stroh ist ein bewährtes Tagesquartier. Natürliche Spalten und Verstecke bleiben ebenso wichtig; ein zusätzlicher Topf ist besonders dort sinnvoll, wo geeignete Rückzugsorte fehlen.

  1. Fülle einen kleinen Tontopf locker mit unbehandeltem Material. Sichere die Füllung mit einem Quersteg oder einem grobmaschigen Netz gegen Herausfallen; der Zugang muss offen bleiben.
  2. Stelle das Quartier zunächst mit erreichbarer Öffnung nahe vorhandenen Verstecken auf, etwa am Heckenrand oder neben Holz und Laub. Kontrolliere tagsüber vorsichtig, ob es besiedelt ist. Ein leerer Topf zieht nicht sofort Ohrwürmer an.
  3. Hänge ein besetztes Quartier tagsüber mit der Öffnung nach unten an ein geeignetes Gehölz, zum Beispiel einen Apfelbaum mit Blattlausbefall. Lass den Topfrand einen Ast oder Stamm berühren, damit die Tiere entlang der Rinde hineinklettern können.
  4. Prüfe gelegentlich Besiedlung und Pflanzenzustand. Bei Fraßproblemen an einer empfindlichen Kultur kannst du die tagsüber im Quartier sitzenden Tiere an ein anderes geeignetes Gehölz umsetzen. Das bloße Umhängen eines leeren Topfs verlagert keine Tiere.

Leimringe können auch Ohrwürmer und andere kletternde Nützlinge abfangen. Ein Quartier lässt sich oberhalb einer solchen Barriere anbringen; vom Boden aus ist es dann möglicherweise nicht erreichbar. Verwende Leimringe nur gezielt und entferne sie nach ihrem vorgesehenen Einsatzzeitraum.

Natürliche Rückzugsorte erhalten

Laub, Totholz, Rindenstücke und Steine bieten geschützte Verstecke. Erhalte solche Strukturen in passenden Teilbereichen und störe Bodenquartiere möglichst wenig – auch im Frühjahr können dort noch Eier oder Jungtiere betreut werden. Bei empfindlichen Sämlingen oder Zierblüten ist eine gezielte Platzierung der Quartiere sinnvoller als zusätzliche Verstecke unmittelbar daneben.

Breitwirksame Insektizide können auch Ohrwürmer und andere Gegenspieler schädigen. Vermeide unnötige Anwendungen und beachte bei notwendigen Maßnahmen die Verträglichkeit für Nützlinge. Ein erneuter Schädlingsanstieg nach einer Behandlung ist möglich, aber keine zwangsläufige Folge. Weitere Anregungen findest du unter Nützlinge fördern.

Häufige Fragen und Missverständnisse

Kriechen Ohrwürmer Menschen ins Ohr?

Ohrwürmer suchen Menschenohren nicht gezielt auf. Die bekannte Vorstellung gehört zum Volksglauben. Als Erklärung für den Namen wird unter anderem die frühere Verwendung getrockneter Ohrwürmer gegen Ohrenleiden genannt; die Namensherkunft sollte nicht als sicher geklärt dargestellt werden.

Sind Ohrwürmer gefährlich?

Für Menschen sind sie normalerweise ungefährlich. Bedrängte Tiere können mit den Zangen zwicken. Die Zange ist kein Giftstachel; vermeide unnötiges Festhalten.

Sind sie ausschließlich Nützlinge?

Sie können Schädlinge erbeuten und zugleich pflanzliche Nahrung fressen. An Obstgehölzen sind sie häufig hilfreich, an empfindlichen Blüten, Jungpflanzen oder weichen Früchten können sie Probleme verursachen.

Muss ich weiße Larven im Boden bekämpfen?

Nein. Zuerst bestimmen und einen tatsächlichen Schaden prüfen. Junge Ohrwürmer haben Beine, Fühler und Hinterleibsanhänge; unter den Käferlarven gibt es sowohl Wurzelfresser als auch nützliche Zersetzer.

Hält ein vielfältiger Garten Ohrwürmer von Nutzpflanzen fern?

Vielfältige Strukturen unterstützen Gartentiere, garantieren aber keine schadfreien Nutzpflanzen. Bei Fraßproblemen helfen Beobachtung, eine passende Platzierung der Quartiere und gegebenenfalls das Umsetzen ihrer Bewohner.

Das kannst du im Garten umsetzen

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Einordnung

Fachlich geprüft am 1. Oktober 2026. Die Angaben beziehen sich vor allem auf den Gemeinen Ohrwurm; Entwicklungszeiten und Wirkung können je nach Standort und Population abweichen.