Rotkohl anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Rotkohl anbauen: Februar-April (Voranzucht), Mai-Juni (Direktsaat); Abstand 40-50 cm; Ertrag 4-8 kg/m²; Familie 4 Pers.: 4 m² ≈ 20-30 kg.

Rotkohl – auch Rotkraut, Blaukraut oder Blaukohl genannt – ist ein robuster Lagerkohl mit einer der längsten Haltbarkeiten unter allen Gemüsesorten: bis zu 4 Monate im kühlen Keller. Die namensgebende Rotfärbung stammt aus Anthocyanen, die in saurer Umgebung rot, in basischer blau erscheinen – daher der Regionalname „Blaukraut”. Als Starkzehrer braucht er konsequente Düngung und 4 Jahre Anbaupause.
Rotkohl auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Rotkohl / Rotkraut (Brassica oleracea var. capitata f. rubra) |
| Nutzungsgruppe | Kohlgemüse / Kopfkohl |
| Lebensform | einjährig; winterhart bis -10 °C |
| Voranzucht | Februar–April |
| Direktsaat | Mai–Juni |
| Auspflanzen | April–Mai |
| Pflanzabstand | 40–50 cm |
| Reihenabstand | 50–60 cm |
| Pflanzen pro m² | 4–6 Pflanzen |
| Standort | lehmig, nährstoffreich, vollsonnig |
| Boden-pH | 6,0–7,0 |
| Temperatur Tag | 15–20 °C |
| Ertrag | ca. 4–8 kg/m², ca. 1–3 kg pro Kopf |
| Familienbedarf (4 Pers.) | ca. 4 m² mit 20 Pflanzen liefern etwa 20–30 kg |
| Herkunft | Mittelmeerraum |
| Botanisch | Brassica oleracea var. capitata f. rubra |
| Familie | Kreuzblütler (Brassicaceae) |
Standort und Pflege für Rotkohl
- Standort: vollsonnig; lehmiger, nährstoffreicher Boden; pH 6,0–7,0. Mulch hält Feuchtigkeit und unterdrückt Unkraut.
- Gießen: gleichmäßig feucht; Mulch reduziert den Gießaufwand erheblich. Trockenstress führt zu aufgeplatzten Köpfen.
- Düngung: Starkzehrer mit hohem Stickstoffbedarf; alle 3 Wochen Stickstoffdünger; Kompost und Algenkalk einarbeiten (Rotkohl mag es kalkhaltig).
- Anhäufeln: für Standfestigkeit; Rotkohl-Köpfe werden schwer.
- Fruchtfolge: mindestens 4 Jahre Anbaupause für alle Kreuzblütler (Kohlhernie-Prävention).
- Kohlhernie: der gefährlichste Schaderreger; durch Kalkung (pH anheben) und lange Fruchtfolge vorbeugen.
Wichtige Punkte beim Anbau von Rotkohl
- Algenkalk oder Kalkgaben einarbeiten – Rotkohl ist kalkliebend und profitiert von pH-Werten nahe 7.
- Kulturschutznetze von Anfang an aufspannen: Kohlfliege und Kohlweißling sind die häufigsten Schädlinge.
- Köpfe ernten, wenn sie fest auf Druck sind und 10–20 cm Durchmesser erreicht haben; mit ganzem Strunk ausstechen.
- Zum Einfrieren: in Streifen schneiden, 2–3 Minuten blanchieren, abkühlen, einfrieren.
- Im Kühlschrank bei 0–2 °C bis zu 3–4 Monate lagerfähig – einer der besten Lagerkohle.
- Der Farbwechsel von Rot zu Blau beim Kochen ist kein Fehler, sondern Chemie: Essig oder Äpfel beim Garen zugeben hält die rote Farbe.
Rotkohl in der Mischkultur
- Gut: Sellerie, Dill, Zwiebeln, Salat.
- Schlecht bzw. ungünstig: Kartoffeln; andere Kreuzblütler (gleiche Krankheiten und Schädlinge).
- Sellerie gilt als klassischer Rotkohl-Begleiter – er soll Erdflöhe und Kohlweißling abhalten.
Rotkohl Sorten und Nutzung
- Früh: Lasso, Red Acre – kompakter, früher Ernte.
- Herbst/Lager: Roxy F1 (bis 4 Monate lagerfähig), Superellède.
- Großköpfig regional: Filderkraut.
- Küche: Rotkrautsalat, geschmorter Rotkohl, Blaukraut mit Äpfeln, Sauerkraut.
- Hinweis: Säure (Essig, Äpfel) beim Kochen zugeben – hält die rote Farbe und verbessert den Geschmack.
Nährwerte (pro 100 g roher Rotkohl)
- Energie: ca. 31 kcal.
- Wasser: ca. 90 g.
- Kohlenhydrate: ca. 5,1 g.
- Eiweiß: ca. 1,5 g.
- Fett: ca. 0,1 g.
- Ballaststoffe: ca. 2,0 g.
- Vitamine: Vitamin C ca. 62 mg (sehr vitaminreich!), Vitamin K ca. 76 µg, B6 und Folat vorhanden.
- Mineralstoffe: Kalium ca. 290 mg, Calcium ca. 45 mg, Magnesium ca. 15 mg.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Anthocyane (stark antioxidativ; pH-abhängige Färbung – rot in Säure, blau in Base), Glucosinolate (krebsvorbeugend, typisch für Brassicaceae).
Ertrag von Rotkohl im Hausgarten
Für eine vierköpfige Familie reichen etwa 4 m² mit rund 20 Pflanzen, was ca. 20–30 kg Ernte ergibt. Dank der langen Lagerfähigkeit von bis zu 4 Monaten versorgt eine Ernte die Familie vom Herbst bis in den Winter hinein.
Häufige Fehler beim Anbau von Rotkohl
- Zu wenig Kalk – Rotkohl braucht einen pH nahe 7; saurer Boden fördert Kohlhernie
- Keine Kulturschutznetze – Kohlfliege und Kohlweißling befallen Rotkohl besonders stark
- Unregelmäßig gießen – Trockenphasen gefolgt von starkem Regen lassen Köpfe aufplatzen
- Keine 4-Jahres-Pause – Kohlhernie bleibt im Boden; lange Fruchtfolge ist unverzichtbar
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- Gemüsegarten im Februar – Voranzucht für Rotkohl startet im Februar.
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- Gemüsegarten im Oktober – Ernte und Einlagerung des Rotkohls.
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