Sommerwicke anbauen – Gründüngung, Zwischenfrucht und Bienenweide
Sommerwicke anbauen: Direktsaat Februar–März (Hauptfrucht) oder Juli–August (Zwischenfrucht), kein Dünger nötig – bis 150 kg N/ha, 1–2 kg Biomasse/m².
Die Sommerwicke ist eine der leistungsstärksten Gründüngungspflanzen für den Hausgarten: Sie bindet Luftstickstoff über Knöllchenbakterien, unterdrückt Unkraut durch raschen Wuchs, verbessert die Bodenstruktur und bietet Bienen, Hummeln und Faltern reichlich Nektar. Im Gemenge mit Hafer oder Roggen gibt sie ein stabiles, selbststehendes Gründüngungsgemisch. Wer sie vor der Blüte einarbeitet, hinterlässt das Beet stickstoffreich und gut belüftet für die nächste Kultur.
Sommerwicke auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Botanisch | Vicia sativa |
| Familie | Hülsenfrüchtler (Fabaceae) |
| Herkunft | Mittelmeerraum und Westasien; seit Hallstattzeit kultiviert |
| Typ | einjährig, krautig, rankend |
| Wuchshöhe | 30–80 cm |
| Aussaat (Hauptfrucht) | Februar–März |
| Aussaat (Zwischenfrucht) | Juli–August |
| Saattiefe | 3–5 cm |
| Saatmenge | 12–20 g/m² |
| Reihenabstand | 20–30 cm |
| Standort | sonnig |
| Boden-pH | 6,0–7,5 |
| Vegetationsdauer | 8–12 Wochen |
| Stickstoffbindung | bis 150 kg N/ha |
| Biomasse (Gründüngung) | 1–2 kg/m² |
| Einarbeiten als Gründüngung | vor der Blüte / vor Verholzung |
Temperaturen
| Wert | |
|---|---|
| Keimtemperatur (Minimum) | 2–5 °C |
| Frostempfindlichkeit | frostempfindlich (Jungpflanzen) |
Sommerwicken keimen bereits bei 2–5 °C und lassen sich deshalb sehr früh im Jahr aussäen. Jungpflanzen vertragen leichten Frost besser als ausgewachsene blühende Pflanzen.
Anbauplan
- Februar–März: Direktsaat als Hauptfrucht oder frühe Gründüngung; Boden muss nicht frostfrei sein
- Juli–August: Direktsaat als Zwischenfrucht nach der Ernte von Frühgemüse
- 8–12 Wochen nach Aussaat: Einarbeitung als Gründüngung (vor Blüte / Verholzung) oder stehen lassen bis zur Körnerreife (Tierfutter)
Standort und Boden
- Standort: sonnig; verträgt auch halbschattige Lagen im Gemenge
- Boden: lehmig bis sandig, kalkhaltig, locker; verträgt mittlere bis schwere Böden gut
- Boden-pH: 6,0–7,5
- Staunässe vermeiden – die Wurzeln faulen in nassem, verdichtetem Boden
- Tiefgehende Wurzeln mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) – lockern den Boden und binden Stickstoff
Aussaat
- Saattiefe 3–5 cm; gut eindrücken für guten Bodenkontakt
- Saatmenge: 12–20 g/m² (entspricht 140 kg/ha in der Reinsaat)
- Reihenabstand 20–30 cm für Reinsaat; im Gemenge breitwürfig
- Gemenge mit Stützpflanzen empfohlen: Im Gemenge mit Hafer oder Roggen (50:50 Anteil) bessere Standfestigkeit – die Wicke klettert an den Getreidehalmen hoch und liegt nicht am Boden
Düngung
- Kein Stickstoff nötig – Sommerwicken versorgen sich über Knöllchenbakterien selbst
- Auf sehr mageren, armen Böden: geringe Kompostgabe als Starthilfe
- Nach dem Einarbeiten der Biomasse steht der gebundene Stickstoff der Folgekultur zur Verfügung
Pflege
- Gießen: mäßig; Niederschlag meist ausreichend; bei längerem Trockenstress gießen
- Unkraut: Sommerwicke wächst schnell und unterdrückt Unkraut von selbst – kaum Pflegebedarf
- Einarbeiten: vor der Verholzung mulchen oder flach eingraben; spätestens vor der Samenreife wenn keine Ausbreitung gewünscht
Nutzung als Gründüngung – so funktioniert es
Sommerwicke vor der Blüte abmähen oder mit dem Spaten flach einarbeiten. Das Pflanzenmaterial:
- liefert 1–2 kg Biomasse/m²
- bringt den gebundenen Stickstoff in den Boden (bis 150 kg N/ha)
- verbessert die Bodenstruktur durch Humusbildung
Überlässt man die Wicke der Blüte, profitieren Bienen und Schmetterlinge – danach vor der Samenreife einarbeiten, um Selbstaussaat zu begrenzen.
Krankheiten und Schädlinge
| Problem | Maßnahmen |
|---|---|
| Mehltau | Gute Luftzirkulation; Gemenge statt Reinsaat; nicht zu dicht säen |
| Spinnmilben | Bei Trockenheit; Feuchtigkeit erhöhen; Nützlinge |
| Erbsenlaus (Acyrthosiphon pisum) | Nützlinge fördern; starken Befall abspritzen |
| Herbst-Heerwurm (Spodoptera) | Regional; befallene Pflanzen entfernen |
⚠️ Toxizität – Hinweis für Nutzung als Tierfutter
Sommerwicken-Samen enthalten Vicin, Convicin und geringe Mengen Blausäure (ca. 0,05 % in Lufttrockenkörnern). Roh in größeren Mengen gesundheitsschädlich. Für Menschen: Samen nur nach Aufkochen in Salzwasser (Entbitterung) verwenden. Tierfutter: Schweine mit Vorsicht; Milchkühe bis 3 kg/Tag nach Entbitterung unbedenklich.
Sommerwicke in der Mischkultur
- Gemenge (klassisch): Hafer, Roggen (Stützfrucht), Futtererbsen, Ackerbohnen
- Gute Folgekulturen nach Sommerwicke: Kohl, Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben – profitieren vom hinterlassenen Stickstoff
- Fruchtfolge: neutral in fast allen Fruchtfolgen; nicht nach anderen Leguminosen (Hülsenfrüchte) säen
Sorten
| Sorte | Nutzung |
|---|---|
| EBENA | Futterbau, Reinsaat und Gemenge |
| SUSAN | Futterbau, hohe Biomasse |
| (Standard-Saatgut) | Gründüngung im Hausgarten |
Im Hausgarten genügt handelsübliches Sommerwicken-Saatgut ohne spezifische Sortenwahl.
Ertrag für den Hausgarten
| Fläche | Biomasse | Bodeneffekt |
|---|---|---|
| 2 m² | ca. 2–4 kg Frischmasse | Stickstoffanreicherung, Bodenlockerung, Unkrautunterdrückung |
Kein Ernte-Ertrag für den Verzehr; Nutzen liegt im Bodeneffekt und als Bienenweide.
Ökologische Bedeutung
Sommerwicken bilden extraflorale Nektarien an den Nebenblättern – diese locken Ameisen an, die als natürlicher Schutz gegen andere Schädlinge wirken. Die Blüten werden von Bienen, Hummeln und Faltern besucht und sind eine wertvolle Bienenweide – besonders als Zwischenfrucht in der blütenarmen Zeit nach dem Frühsommer.
Häufige Fehler beim Sommerwicke-Anbau
- Zu spät einarbeiten – nach der Verholzung verrotte das Material schlecht und bindet Stickstoff im Boden statt ihn freizusetzen
- Reinsaat ohne Stützpflanzen – Wicke legt sich flach, fault am Boden und wird von Schnecken befallen; Gemenge mit Hafer oder Roggen wählen
- Stickstoffdüngung – hemmt die Knöllchenbakterien; unnötig und kontraproduktiv
- Zu späte Zwischenfrucht-Aussaat – nach Ende August bleibt zu wenig Vegetationszeit vor dem Frost
- Samenreife abwarten – führt zu starker Selbstaussaat; vor der Reife einarbeiten oder abmähen