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Blattwespen — die Afterraupen hinter dem Kahlfraß an Beerensträuchern und Rosen

Blattwespen — die Afterraupen hinter dem Kahlfraß an Beerensträuchern und Rosen

Du gehst an einem warmen Frühsommertag durch den Garten und freust dich auf die Stachelbeerernte — und stehst plötzlich vor einem Strauch, der binnen weniger Tage von innen heraus kahl gefressen ist. Übrig bleiben nur noch die nackten Triebe und ein Gerippe aus stehengebliebenen Blattadern. Auf den ersten Blick sitzen dort lauter kleine grüne “Raupen”, schwarz gepunktet, dicht an dicht an den Blattunterseiten. Doch das sind keine Schmetterlingsraupen, sondern die Larven von Blattwespen — die berüchtigten Afterraupen, die sich nur als Raupen verkleiden.

Genau diese Verwechslung ist der Grund, warum so viele Bekämpfungsversuche ins Leere laufen: Das gegen Schmetterlingsraupen bewährte Bakterienpräparat Bacillus thuringiensis (Bt) wirkt gegen Blattwespen schlicht nicht, weil sie keine Schmetterlinge sind. Wer die Afterraupen aber früh erkennt und das eine entscheidende Unterscheidungsmerkmal kennt, hält sie im Hausgarten meist ohne jede Spritze in Schach. Auf dieser Seite erfährst du, wie du Afterraupen an ihren Beinen sicher von echten Raupen unterscheidest, wie sich Stachelbeer- und Rosenblattwespen über mehrere Generationen vermehren, wo sie überwintern — und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich greifen.


Was sind Blattwespen?

Blattwespen sind die Larven der Pflanzenwespen (Symphyta), einer ursprünglichen Gruppe innerhalb der Hautflügler (Hymenoptera) — also derselben großen Insektenordnung, zu der auch Bienen, echte Wespen und Ameisen gehören. Anders als ihre stechenden Verwandten besitzen die erwachsenen Pflanzenwespen keine eingeschnürte “Wespentaille”: Brust und Hinterleib gehen breit ineinander über. Im Garten am wichtigsten ist die Familie der echten Blattwespen (Tenthredinidae), mit der Gemeinen Stachelbeerblattwespe (Nematus ribesii) als bekanntestem Vertreter, sowie verschiedene Rosenblattwespen (unter anderem Arge-Arten und die Rosenblattrollwespe).

Der gesamte Schaden geht von den Larven aus, den sogenannten Afterraupen. Sie sehen Schmetterlingsraupen täuschend ähnlich, gehören aber zu einer völlig anderen Insektengruppe — und genau diese Verwechslung führt im Garten regelmäßig zu falschen Maßnahmen. Botanisch sind die wichtigsten Arten eng an bestimmte Wirtspflanzen gebunden: Die Stachelbeerblattwespe lebt an Stachelbeere und Johannisbeere, die Rosenblattwespen an Rosen. Die erwachsene Wespe selbst frisst keine Blätter; sie legt nur die Eier ab. Den Fraßschaden richten allein die Afterraupen an, und das oft erschreckend schnell.

Das eigentlich Bemerkenswerte an Blattwespen ist die Geschwindigkeit ihres geselligen Fraßes. Weil die Afterraupen oft in großer Zahl aus einem Gelege schlüpfen und gemeinsam fressen, können sie einen Stachelbeerstrauch innerhalb weniger Tage vollständig entlauben — von innen heraus, sodass der Befall lange unbemerkt bleibt, bis fast nur noch die Blattadern stehen. Ein einmal kahl gefressener Strauch verkraftet das zwar meist, treibt aber geschwächt nach, und die nächste Generation steht oft schon in den Startlöchern. Deshalb lohnt es sich, den Lebenszyklus und das richtige Erkennen genau zu verstehen.

MerkmalAngabe
Wissenschaftlicher NamePflanzenwespen (Symphyta), v. a. echte Blattwespen (Tenthredinidae); im Garten z. B. Nematus ribesii und Rosenblattwespen (Arge-Arten)
EinordnungHautflügler (Hymenoptera) — keine Schmetterlinge, daher kein Bt-Einsatz
Größeerwachsene Wespe ca. 6–10 mm; Afterraupe ausgewachsen etwa 15–20 mm
Wirts-/BefallspflanzenStachelbeere und Johannisbeere (Stachelbeerblattwespe); Rosen (Rosenblattwespen)
SchadenLoch-, Skelett- und Kahlfraß durch die Afterraupen; bei Rosen auch eingerollte Blätter und Triebbohren
Generationen/Jahrmeist mehrere (oft 2–3) Generationen pro Jahr
Überwinterungals Larve im Kokon im Boden, dort folgt im Frühjahr die Verpuppung
Hauptgegenspielerinsektenfressende Vögel, Schlupfwespen und andere Parasitoide

Erkennen & Schadbild

Den erwachsenen Blattwespen begegnest du selten bewusst: Sie sind nur etwa 6 bis 10 Millimeter groß, oft schwarz, gelb oder rötlich gefärbt, tragen vier durchsichtige Flügel und sitzen unauffällig auf Blättern und Blüten. Die Stachelbeerblattwespe ist gelblich mit dunklem Kopf, manche Rosenblattwespen sind kräftig schwarz-gelb gezeichnet. Verraten tut sich der Befall fast nie durch die Wespe selbst, sondern durch ihre Larven — und durch den rasanten Fraß, den sie anrichten.

Die eigentliche Schadensverursacherin ist die Afterraupe. Bei der Stachelbeerblattwespe ist sie hellgrün, dicht schwarz gepunktet und trägt einen dunklen Kopf; ausgewachsen wird sie rund 15 bis 20 Millimeter lang. Hier kommt das entscheidende Erkennungsmerkmal: Schau dir die Bauchbeine (die fleischigen Beinpaare hinter den drei echten Brustbeinpaaren) genau an. Eine Afterraupe trägt sechs oder mehr Paare Bauchbeine. Eine echte Schmetterlingsraupe hat dagegen höchstens vier bis fünf Paare. Wer einmal die Beine zählt, verwechselt beide nie wieder — und weiß sofort, dass Bt nicht helfen wird.

Achte beim Kontrollieren gezielt auf die Blattunterseiten und das Strauchinnere: Dort beginnen die Afterraupen gesellig zu fressen, oft dicht gedrängt, und arbeiten sich von innen nach außen vor. An Stachelbeere und Johannisbeere bleibt am Ende nur ein Geäst mit nackten Blattadern. An Rosen sieht das Schadbild anders aus: Dort verursachen die Larven Loch- und Skelettfraß, manche Arten rollen die Blätter längs ein (die Rosenblattrollwespe) oder bohren sich in junge Triebe, die dann welken und absterben.

SchadbildWie es entstehtWoran du es erkennst
Kahlfraß von innengesellig fressende Afterraupen entlauben den Strauch von innen nach außeninnen kahle Triebe, oft nur noch stehengebliebene Blattadern; binnen weniger Tage
Loch- und Skelettfraß (Rosen)einzeln oder in Gruppen fressende Larven nagen Blattgewebe abdurchlöcherte Blätter, später nur noch das Aderngerippe, vom Blattrand oder der Fläche her
Längs eingerollte Rosenblätterdie Rosenblattrollwespe lässt Blätter zur Larvenkammer einrollenröhrenförmig längs zusammengerollte Fiederblättchen, innen die Larve
Welkende, durchbohrte Triebelarvenbohrende Rosenblattwespen fressen im Triebeinzelne junge Triebe hängen schlaff, mit Bohrloch und Bohrmehl
Afterraupen an Blattunterseitefrisch geschlüpfte Larven sitzen geschützt unten am Blattgrüne, schwarz gepunktete “Raupen” mit ≥ 6 Bauchbeinpaaren, dicht gesellig

Der zeitliche Ablauf ist tückisch: Weil die Afterraupen von innen heraus und an den Unterseiten beginnen, fällt der Befall oft erst auf, wenn der halbe Strauch schon kahl ist. Und weil meist mehrere Generationen pro Jahr aufeinander folgen, kann ein scheinbar überstandener Befall im Sommer eine zweite oder dritte Welle nach sich ziehen. Wer ab dem Austrieb regelmäßig ins Strauchinnere und unter die Blätter schaut, entdeckt die ersten kleinen Afterraupen, bevor der Kahlfraß einsetzt — das ist der ganze Schlüssel zur einfachen Regulierung.


Lebensweise & Vermehrung

Blattwespen durchlaufen eine vollständige Verwandlung (Holometabolie): vom Ei über die fressende Afterraupe und eine Puppe im Kokon bis zur erwachsenen Wespe. Der Schlüssel zu ihrer Hartnäckigkeit liegt in der hohen Zahl der Larven aus einem Gelege und in den mehreren Generationen pro Jahr, die den Befallsdruck über den Sommer immer wieder neu aufbauen.

Die Wespen überwintern als Larve in einem festen Kokon im Boden — direkt unter dem befallenen Strauch oder in der oberen Bodenschicht. Im Frühjahr verpuppen sie sich dort, und ab dem Austrieb schlüpfen die erwachsenen Wespen. Die Weibchen legen ihre Eier mit einem sägeartigen Legebohrer in oder an die Blätter — bei der Stachelbeerblattwespe meist in Reihen entlang der Blattadern auf der Unterseite tief im Strauchinneren. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Afterraupen, fressen gesellig, durchlaufen mehrere Larvenstadien und lassen sich nach Abschluss des Fraßes zur Verpuppung in den Boden fallen.

Weil dieser Zyklus von Ei über Larve bis zur neuen Wespe nur wenige Wochen dauert, folgen über das Jahr mehrere Generationen aufeinander — bei der Stachelbeerblattwespe oft zwei bis drei. Das erklärt, warum ein im Mai abgesammelter Strauch im Juni oder Juli erneut befallen sein kann. Die letzte Generation des Jahres geht dann nicht mehr in eine weitere Vermehrung über, sondern überwintert als Larve im Kokon im Boden und schließt so den Kreislauf.

StadiumZeitraum (typisch)Was passiert
ÜberwinterungHerbst bis FrühjahrLarve in festem Kokon im Boden unter dem Strauch
VerpuppungFrühjahrLarve verpuppt sich im Kokon im Boden
Schlupf der Wespenab Austrieb (Frühjahr)erwachsene Pflanzenwespen schlüpfen, paaren sich, legen Eier
EiablageFrühjahr bis Sommermit dem Legebohrer in/an Blätter, oft reihig an den Unterseiten
AfterraupenFrühjahr bis Spätsommergesellig fressende Larven, mehrere Stadien, rascher Kahlfraß
Folgegenerationenüber den Sommermeist 2–3 Generationen pro Jahr; letzte überwintert im Boden

Diese Biologie hat zwei praktische Folgen. Erstens: Weil die Larven im Boden überwintern und sich dort verpuppen, hilft im Herbst ein vorsichtiges Lockern oder Mulchen des Bodens unter dem Strauch, um Kokons freizulegen und den Vögeln zugänglich zu machen. Zweitens: Weil über den Sommer mehrere Generationen kommen, darf die Kontrolle nicht nach dem ersten Befall enden — wer regelmäßig weiter unter die Blätter schaut, fängt jede neue Welle früh ab, solange die Afterraupen noch klein und wenige sind.


Natürliche Gegenspieler

Blattwespen sind heimische Insekten und haben eine ganze Reihe natürlicher Gegenspieler, die den Befall dämpfen — vollständig im Griff halten sie ihn selten allein, vor allem weil die Afterraupen in Massen und in kurzer Zeit fressen. Ein artenreicher, naturnaher Garten mit vielen Nützlingen senkt den Befallsdruck aber spürbar und sorgt dafür, dass die ersten Wellen oft schon von selbst zusammenbrechen.

Die wichtigsten Helfer sind insektenfressende Vögel: Meisen, Rotschwänze und viele andere picken die fetten, eiweißreichen Afterraupen direkt von den Sträuchern und füttern damit ihre Brut — gerade im Frühsommer, wenn die erste Blattwespengeneration und die Vogelbrut zeitlich zusammentreffen. Daneben spielen Schlupfwespen und andere parasitische Hautflügler eine große Rolle: Sie legen ihre Eier in die Afterraupen, und die heranwachsende Parasitoidenlarve tötet den Wirt von innen (siehe Schlupfwespe). Auch räuberische Insekten, Spinnen und Wanzen greifen sich einzelne Larven.

GegenspielerWirkprinzipBesonderheit
Insektenfressende VögelRäuberpicken Afterraupen vom Strauch, gerade zur Brutzeit; mit Nistkästen und Hecken fördern
SchlupfwespenParasitoidelegen Eier in die Afterraupen; die Larve tötet den Wirt von innen
Räuberische Wanzen & KäferRäubererbeuten einzelne, kleine Larven am Blatt
SpinnenRäuberfangen umherwandernde oder herabfallende Larven
Bodenlebewesen & bodenjagende KäferRäubergreifen sich verpuppungsbereite Larven und Kokons im Boden

Die praktische Konsequenz: Du kannst die Gegenspieler gezielt fördern, indem du Nistkästen und Hecken für Vögel anbietest, blühende Säume und Doldenblütler für Schlupfwespen und andere Nützlinge stehen lässt und auf breit wirkende Spritzmittel verzichtest, die die Helfer mittreffen. Sie ersetzen die regelmäßige Kontrolle und das Absammeln nicht — dafür frisst eine Blattwespengeneration zu schnell — aber sie sind ein verlässlicher Teil eines stabilen Gartens und nehmen den meisten Befallswellen die Spitze.


Vorbeugen & Regulieren

Bevor du loslegst, steht die Abwägung: Musst du überhaupt eingreifen — und wie stark? Ein paar angefressene Rosenblätter sind ein Schönheitsfehler, kein Notfall, und ein kräftiger Strauch verkraftet auch einen einmaligen Kahlfraß meist ohne bleibenden Schaden. Kritisch wird es bei jungen Pflanzen, bei wiederholtem Kahlfraß über mehrere Generationen oder kurz vor der Ernte. Frag dich also, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist, und greife dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten ein.

  1. Vorbeugen & überwachen mit regelmäßiger Kontrolle der Blattunterseiten und des Strauchinneren.
  2. Mechanisch/kulturell mit frühem Absammeln oder Abspritzen der Afterraupen und Bodenpflege im Herbst.
  3. Biologisch durch Förderung von Vögeln und Schlupfwespen.
  4. Letztes Mittel nur bei massivem Befall mit zugelassenen Präparaten.
MaßnahmeStufeWann / wie
Regelmäßig kontrollierenVorbeugenab Austrieb wöchentlich Blattunterseiten und Strauchinneres prüfen, gezielt nach kleinen Afterraupen suchen
Larven absammelnMechanischbeim ersten Auftreten die geselligen Afterraupen ablesen oder ins Seifenwasser abstreifen — im Hausgarten meist ausreichend
Larven abspritzenMechanischbei vielen Tieren mit scharfem Wasserstrahl von den Blattunterseiten spülen, am besten morgens
Boden im Herbst pflegenKulturellunter dem Strauch vorsichtig lockern/mulchen, um Kokons freizulegen und Vögeln zugänglich zu machen
Vögel fördernBiologischNistkästen, Hecken und Wasser anbieten; Vögel fressen Afterraupen zur Brutzeit in Mengen
Schlupfwespen fördernBiologischblühende Säume und Doldenblütler stehen lassen, auf Breitbandmittel verzichten
Zugelassene MittelLetztes Mittelnur bei massivem, wiederholtem Befall ein zugelassenes Präparat — kein Bt, da es bei Blattwespen nicht wirkt

Der wichtigste Hebel ist und bleibt die frühe, regelmäßige Kontrolle: Wer ab dem Austrieb wöchentlich die Blattunterseiten und das Strauchinnere absucht, entdeckt die ersten kleinen Afterraupen, bevor der Kahlfraß einsetzt. In diesem Stadium reicht im Hausgarten fast immer das simple Absammeln oder Abspritzen der geselligen Larven — sie sitzen dicht beieinander und lassen sich gut von Hand oder mit einem scharfen Wasserstrahl entfernen. Weil über den Sommer mehrere Generationen kommen, wiederholst du diesen Blick einfach regelmäßig.

Ein häufiger und folgenschwerer Irrtum betrifft die Mittelwahl: Das gegen Schmetterlingsraupen so verlässliche Präparat Bacillus thuringiensis (Bt) wirkt gegen Afterraupen nicht, weil Blattwespen keine Schmetterlinge sind. Wer Bt gegen einen vermeintlichen “Raupenbefall” einsetzt, verschenkt also wertvolle Zeit, während der Strauch weiter kahl gefressen wird. Setzt du auf das Fördern der Vögel und Schlupfwespen und verzichtest auf Breitbandmittel, hält sich der Befall meist von selbst in Grenzen. Nur bei massivem, ertragsbedrohendem Befall — etwa an Jungpflanzen — kommt ein gegen Blattwespen zugelassenes Mittel als absolut letzte Stufe in Frage.


Häufige Fehler und Mythen

“Die grünen Tiere am Strauch sind Schmetterlingsraupen.” Meist nicht. Sehen sie aus wie Raupen, fressen aber an Stachelbeere, Johannisbeere oder Rose, sind es fast immer Afterraupen von Blattwespen. Das sichere Unterscheidungsmerkmal sind die Bauchbeine: Afterraupen haben sechs oder mehr Paare, echte Schmetterlingsraupen höchstens vier bis fünf. Einmal die Beine gezählt, und die Verwechslung ist ausgeschlossen.

“Bacillus thuringiensis (Bt) hilft gegen die Afterraupen.” Nein, und das ist der teuerste Irrtum. Bt wirkt nur gegen Schmetterlingsraupen, weil sein Eiweißgift im Darm von Schmetterlingslarven aktiv wird. Blattwespen sind aber Hautflügler, keine Schmetterlinge — Bt prallt an ihnen ab. Wer es einsetzt, verliert nur Zeit, während der Strauch weiter kahl gefressen wird.

“Ein kahl gefressener Strauch ist verloren.” In der Regel nicht. Ein gesunder, eingewachsener Stachelbeer- oder Johannisbeerstrauch verkraftet einen einmaligen Kahlfraß meist und treibt wieder aus — er ist nur geschwächt und braucht etwas Pflege. Kritisch wird es erst bei wiederholtem Kahlfraß in derselben Saison oder bei jungen, schwachen Pflanzen.

“Der Befall kommt nur einmal im Jahr.” Leider nein. Die Stachelbeerblattwespe bildet meist mehrere Generationen pro Jahr. Ein im Mai abgesammelter Strauch kann im Juni oder Juli erneut befallen sein. Deshalb endet die Kontrolle nicht nach dem ersten Erfolg, sondern läuft den Sommer über weiter.

“Die erwachsene Wespe frisst meine Blätter.” Nein. Die erwachsene Pflanzenwespe legt nur Eier ab und nascht höchstens etwas Nektar oder Pollen. Den gesamten Fraßschaden richten allein die Afterraupen an. Deshalb zielen alle wirksamen Maßnahmen auf die Larven und ihre Eier, nicht auf die fliegende Wespe.


Abgrenzung zu ähnlichen Schäden

Nicht jeder “Raupenfraß” am Strauch kommt von Blattwespen — echte Schmetterlingsraupen und andere Sägewespen hinterlassen ähnliche Spuren, brauchen aber teils ganz andere Gegenmaßnahmen (vor allem beim Thema Bt). Diese Übersicht hilft dir, den Verursacher richtig zuzuordnen, bevor du behandelst.

VerursacherSchaden / ErscheinungGruppeWie du ihn von Blattwespen unterscheidest
Blattwespen (Symphyta, z. B. Nematus ribesii)Kahl-, Loch- und Skelettfraß an Stachelbeere, Johannisbeere, Rose; AfterraupenHautflügler (Pflanzenwespe)Larve mit ≥ 6 Bauchbeinpaaren; Bt wirkt nicht; geselliger Kahlfraß von innen
KohlweißlingsraupeLoch- und Kahlfraß an Kohl und Kreuzblütlern; gelb-grün, samtigSchmetterlingechte Raupe mit höchstens 4–5 Bauchbeinpaaren; Bt wirkt; andere Wirtspflanzen
Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea)madenähnliche Larve in der jungen Apfelfrucht, ringförmige Fraßgänge, früher FruchtfallHautflügler (Sägewespe)frisst in der Frucht, nicht an Blättern; befällt Apfel kurz nach der Blüte
Frostspanner-RaupeLoch- und Skelettfraß an Obstgehölzen; “Spannerraupe”, die sich krümmtSchmetterlingechte Raupe mit wenigen Bauchbeinen, charakteristischer Spannergang; Bt wirkt

Merke dir die einfachste Faustregel: Sieht es aus wie eine Raupe und frisst an Stachelbeere, Johannisbeere oder Rose, zähl die Bauchbeine. Sechs oder mehr Paare heißt Afterraupe einer Blattwespe — und Bt ist sinnlos. Vier bis fünf Paare heißt echte Schmetterlingsraupe wie die Kohlweißlingsraupe, gegen die Bt wirkt. Sitzt die Larve dagegen in einer jungen Apfelfrucht statt an Blättern, steckt die Apfelsägewespe dahinter — eine nahe Verwandte der Blattwespen, die aber die Frucht und nicht das Laub befällt.


Mitnehmen

  1. Blattwespen sind Hautflügler, keine Schmetterlinge — ihre Larven sind “Afterraupen”. Die Pflanzenwespen (Symphyta) wie die Gemeine Stachelbeerblattwespe (Nematus ribesii) und die Rosenblattwespen sehen als Larven Raupen täuschend ähnlich, gehören aber zu den Verwandten von Bienen und Wespen.

  2. Die Bauchbeine entlarven die Afterraupe. Sechs oder mehr Paare Bauchbeine bedeuten Blattwespe, höchstens vier bis fünf Paare eine echte Schmetterlingsraupe. Dieses eine Merkmal entscheidet über die richtige Maßnahme.

  3. Der Kahlfraß ist rasant und beginnt versteckt. An Stachelbeere und Johannisbeere fressen die grünen, schwarz gepunkteten Afterraupen den Strauch in wenigen Tagen von innen kahl, bis nur die Blattadern bleiben; an Rosen gibt es Loch-, Skelett- und Rollfraß.

  4. Bt wirkt nicht — das ist der teuerste Irrtum. Weil Blattwespen keine Schmetterlinge sind, prallt Bacillus thuringiensis an den Afterraupen ab. Wer es einsetzt, verliert nur Zeit. Im Hausgarten reicht meist das frühe Absammeln oder Abspritzen.

  5. Kontrolliere regelmäßig und fördere die Gegenspieler. Schau ab dem Austrieb wöchentlich an die Blattunterseiten und ins Strauchinnere; Vögel und Schlupfwespen drücken den Befall, weil über den Sommer mehrere Generationen kommen.

  6. Halte die Stufenfolge ein. Erst Schadschwelle abwägen, dann kontrollieren und früh absammeln oder abspritzen, dann Vögel und Schlupfwespen fördern — ein zugelassenes Mittel (nie Bt) nur als letztes Mittel bei massivem Befall.


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