Blattwespen: Afterraupen an Rosen und Beerensträuchern

Inhalt10Abschnitte

Ein Stachelbeerstrauch mit plötzlich fehlenden Blättern oder eine Rose mit Lochfraß kann von Blattwespenlarven befallen sein. Die raupenähnlichen Tiere heißen Afterraupen. Doch allein aus der Pflanze oder dem Fraßbild lässt sich der Verursacher nicht sicher bestimmen: Auch Schmetterlingsraupen können dort fressen.

Für die passende Maßnahme kommt es darauf an, welche Art und welches Schadbild vorliegen. Frei sitzende Larven, eingerollte Rosenblätter und Larven im Trieb brauchen unterschiedliche Antworten. Kleine Schäden lassen sich oft tolerieren; bei jungen Pflanzen oder rasch zunehmendem Blattverlust lohnt es sich, früh einzugreifen.

Was sind Blattwespen?

Illustration eines entlaubten Stachelbeerstrauchs und eines Rosenblatts mit Skelettfraß
Schematische Schadbilder: Entlaubung an Stachelbeere und Skelettfraß an Rose. Für die Bestimmung müssen auch die Larven geprüft werden.

Blattwespen sind Insekten, nicht die Bezeichnung für deren Larven. Sie gehören zu den Pflanzenwespen (Symphyta) innerhalb der Hautflügler (Hymenoptera). Erwachsene Pflanzenwespen haben einen breit mit der Brust verbundenen Hinterleib, ohne die ausgeprägte Wespentaille vieler anderer Hautflügler.

Zu den Echten Blattwespen (Tenthredinidae) gehören unter anderem Stachelbeerblattwespen, die Rosenblattrollwespe und die Apfelsägewespe. Rosenblattwespen der Gattung Arge gehören dagegen zu den Bürstenhornblattwespen (Argidae). „Rosenblattwespen“ bezeichnet hier mehrere Arten mit unterschiedlichen Lebensweisen, keine einzelne Art.

Den Blattfraß verursachen die Larven. Erwachsene Weibchen können aber bereits bei der Eiablage Schäden auslösen: Bei der Rosenblattrollwespe bewirken ausgeschiedene Stoffe das Einrollen der Blätter; bei Arge-Arten entstehen Verletzungen an jungen Trieben.

Wichtige Arten an Beerensträuchern und Rosen

Art / GruppeWirt und ErkennungsmerkmaleGenerationen und Besonderheiten
Gemeine Stachelbeerblattwespe (Euura ribesii, auch als Nematus ribesii bekannt)Stachelbeere sowie rote und weiße Johannisbeere; Larve hellgrün mit schwarzen Punkten und dunklem Kopf, bis etwa 20 mm; erwachsene Weibchen etwa 5–7 mmbis zu drei Generationen; geselliger Blattfraß, häufig zunächst tief im Strauchinneren
Weitere Stachelbeerblattwespenan Beerensträuchern kommen auch Euura leucotrochus und Pristiphora appendiculata vor; Kopfzeichnung und Punktierung unterscheiden sichE. leucotrochus hat eine Generation, P. appendiculata kann bis zu vier bilden
Rosenblattwespen der Gattung Arge (Arge pagana, A. ochropus)Rosen; grünliche, schwarz gepunktete Larven mit gelblichen Partien, bis etwa 25 mm; Eiablagespuren an jungen TriebenA. pagana meist zwei, gelegentlich drei Generationen; A. ochropus meist eine, gelegentlich zwei
Rosenblattrollwespe (Blennocampa phyllocolpa, auch als B. pusilla bezeichnet)längs eingerollte Rosenfiederblätter; grünliche Larven bis etwa 10 mm; erwachsene Wespe etwa 3–4 mmeine Generation; Larven fressen geschützt im Blattinneren
RosentriebbohrerLarven bestimmter Blattwespenarten fressen im Mark junger Rosentriebe; die Triebspitzen können welkendie Larve sitzt im Trieb und ist durch Absammeln am Blatt nicht erreichbar

Diese Angaben sind Orientierungswerte. Flug- und Fraßzeiten verschieben sich mit Standort und Witterung. Größe oder Färbung allein reichen für eine sichere Artbestimmung nicht aus. Die artspezifischen Angaben sind bei der RHS zu Stachelbeerblattwespen, Arge-Arten und der Rosenblattrollwespe beschrieben.

Afterraupen erkennen & Schadbilder unterscheiden

Bei frei am Blatt fressenden Larven hilft eine Lupe beim Unterscheiden von Afterraupen und Schmetterlingsraupen:

Die Beinzahl ist ein hilfreiches Merkmal, aber keine universelle Bestimmungsregel für alle Pflanzenwespenlarven. Bei kleinen, eingerollten oder im Trieb lebenden Larven ist sie oft schwer zu erkennen. Wirtspflanze, Körpermerkmale, Fraßort und Jahreszeit zusammen prüfen; bei unklarer Bestimmung zunächst auf eine Behandlung verzichten. Die Unterscheidung frei fressender Larven erläutert UC IPM.

SchadbildMöglicher ZusammenhangWas du prüfen solltest
Rascher Blattverlust an BeerensträuchernStachelbeerblattwespen können starken Kahlfraß verursachenBlattunterseiten und unteres Strauchinneres nach Larven absuchen
Loch-, Fenster- oder Skelettfraß an Rosenverschiedene frei fressende Blattwespenlarven, aber auch andere BlattfresserLarven suchen und ihre Merkmale prüfen; Löcher allein bestimmen den Verursacher nicht
Längs eingerollte Rosenfiederblättertypisch für die Rosenblattrollwespeeinzelne Blattrollen vorsichtig öffnen; nicht jede Rolle enthält eine Larve
Längliche Narben an jungen Rosentriebenmögliche Eiablagespuren von Arge-Artenzusätzlich nach frei fressenden Larven an den Blättern schauen; eine Eiablagenarbe ist kein Beweis für einen Triebbohrer
Welkende Rosentriebspitze mit Fraßgang im Markmöglicher Rosentriebbohrerbefallden betroffenen Trieb auf einen inneren Fraßgang prüfen; Welken allein hat auch andere mögliche Ursachen

Lebenszyklus: Beispiel Gemeine Stachelbeerblattwespe

Blattwespen entwickeln sich über Ei, Larve und Puppe zum erwachsenen Insekt. Ort der Eiablage, Überwinterung und Zahl der Generationen unterscheiden sich je nach Art. Der folgende Ablauf bezieht sich auf die Gemeine Stachelbeerblattwespe:

PhaseTypischer Ablauf
Überwinterungeine ausgereifte Larve überdauert im Kokon im Boden
Frühjahrnach der Verpuppung erscheinen erwachsene Wespen; Weibchen legen Eier an Blattunterseiten, häufig tief im Strauch
Larvenfraßjunge Afterraupen fressen zunächst im Inneren und können sich nach außen ausbreiten
Weitere Generationenausgereifte Larven wandern zur Kokonbildung in den Boden; im Jahresverlauf sind bis zu drei Generationen möglich

Deshalb kann nach einem entfernten Befall eine weitere Fraßwelle folgen. Bei der Rosenblattrollwespe gibt es dagegen eine Generation jährlich: Die Larven verlassen die Blattrollen im Frühsommer, überwintern im Boden und verpuppen sich im nächsten Frühjahr. Arge-Weibchen legen ihre Eier in weiche Rosentriebe; ihre Larven fressen später gemeinsam an Blättern. Eine einheitliche Regel „alle Blattwespen haben zwei bis drei Generationen“ wäre falsch.

Natürliche Gegenspieler fördern

Vögel, räuberische Käfer und andere Tiere können Blattwespenlarven erbeuten. Bestimmte Schlupfwespen und andere Parasitoide entwickeln sich an oder in geeigneten Blattwespenwirten. Welche Gegenspieler wirken, hängt von der Art und den Bedingungen im Garten ab.

Hecken, passende Nistmöglichkeiten, blühende Säume und strukturreiche Rückzugsorte unterstützen Nützlinge. Verzichte möglichst auf breit wirkende Insektizide, die auch diese Helfer treffen können. Konkrete Anregungen findest du unter Nützlinge fördern.

Natürliche Gegenspieler können den Befall begrenzen, garantieren aber keinen Schutz vor Kahlfraß. Ihre Förderung ist eine dauerhafte Begleitmaßnahme und beginnt nicht erst, wenn das Absammeln gescheitert ist.

Vorbeugen & passende Maßnahmen wählen

Illustration zum Absammeln und Abspülen frei sitzender Blattwespenlarven sowie zur Förderung von Vögeln
Frei sitzende Larven bei Bedarf entfernen und natürliche Gegenspieler fördern. Larven in Blattrollen oder Trieben brauchen andere Maßnahmen.

Beobachten oder eingreifen? Wenige Fraßstellen an einer kräftigen Rose lassen sich häufig tolerieren. Junge oder bereits geschwächte Pflanzen sowie rasch zunehmender Blattverlust brauchen mehr Aufmerksamkeit. Ein etablierter Beerenstrauch kann auch nach starkem Fraß wieder austreiben; der Ertrag kann dennoch sinken, auch im Folgejahr. Orientiere dich an Pflanzenzustand, Befallsentwicklung und Schadschwelle.

Frei sitzende Larven an Blättern

Ab dem Frühjahr regelmäßig unter die Blätter und ins Strauchinnere schauen, als Routine etwa wöchentlich. Sobald Larven oder frische Fraßstellen auftreten, in kürzeren Abständen nachkontrollieren. Auch nach dem Entfernen weiter prüfen, ob neue Larven schlüpfen.

Bei überschaubarem Befall Larven von Hand absammeln. Frei sitzende Tiere lassen sich auch vorsichtig mit Wasser abspülen und auf einem untergelegten Tuch auffangen. Den Strahl so wählen, dass junge Blätter und Triebe nicht beschädigt werden. Abspülen allein beseitigt nicht unbedingt den gesamten Befall; die Pflanze anschließend erneut kontrollieren.

Eingerollte Rosenblätter

Sind nur wenige Blattrollen befallen, kannst du sie entfernen, bevor die Larven in den Boden abwandern. Bei zahlreichen eingerollten Blättern die Rose nicht großflächig entlauben: Der Verlust vieler Blätter kann mehr schaden als der Befall. Gesunde Rosen erholen sich häufig. Frei am Blatt angewandte Maßnahmen erreichen Larven innerhalb der Rollen nur schlecht.

Durchbohrte Rosentriebe

Bei bestätigtem Rosentriebbohrerbefall die betroffenen, welkenden Triebe bis ins gesunde Holz ausschneiden, solange die Larven noch darin sitzen. Schnittgut mit Larven aus dem unmittelbaren Pflanzenbestand entfernen. Abspritzen der Blätter hilft gegen die im Trieb geschützten Tiere nicht. Das Vorgehen beschreibt das Pflanzenschutzamt Berlin in seinem Rosen-Merkblatt.

Bodenpflege und Pflanzenzustand

Mulchen legt keine Kokons frei und ist hier keine belegte Bekämpfungsmaßnahme. Bodenbearbeitung kann überwinternde Larven exponieren, aber Wurzeln verletzen und bei Rosen Ausläuferbildung fördern. Deshalb nicht routinemäßig unter den Pflanzen graben, um Blattwespen zu bekämpfen.

Nach starkem Fraß den Wasserbedarf der Pflanze im Blick behalten und erneuten Blattverlust möglichst früh erkennen. Weitere Hinweise zur Pflege findest du bei Stachelbeere anbauen und Johannisbeere anbauen.

Pflanzenschutzmittel nur für eine zugelassene Anwendung

Bei starkem, fortschreitendem Befall kann nach sicherer Bestimmung geprüft werden, ob ein geeignetes Mittel für die konkrete Kultur und das Anwendungsgebiet zugelassen ist. Ein für Rosen geeignetes Präparat ist nicht automatisch an essbaren Beeren zulässig. Auch „biologisch“ bedeutet nicht, dass ein Mittel alle anderen Tiere schont.

Im Hausgarten nur Mittel verwenden, die für nichtberufliche Anwender und den vorgesehenen Haus- und Kleingarteneinsatz zugelassen sind. Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Anwendungsbestimmungen, Schutz von Bienen und anderen Nützlingen sowie Wartezeiten bis zur Ernte beachten. Die aktuelle Zulassung im BVL-Verzeichnis prüfen. Ein bevorstehender Erntetermin rechtfertigt keine Anwendung außerhalb dieser Vorgaben.

Häufige Irrtümer zu Blattwespen

„Bt hilft gegen jedes Tier, das wie eine Raupe aussieht.“ Raupenmittel auf Basis geeigneter Stämme von Bacillus thuringiensis, etwa B. thuringiensis subsp. kurstaki (Btk), helfen nicht gegen Blattwespenlarven. Die Wirkung hängt vom Stamm und vom Zielorganismus ab. Andere Bt-Unterarten wie Bti wirken etwa gegen Mückenlarven; „Bt wirkt nur gegen Schmetterlingsraupen“ wäre daher ebenfalls zu pauschal.

„Ein kahl gefressener Strauch ist verloren.“ Ein gesunder, eingewachsener Strauch kann sich erholen. Kahlfraß ist trotzdem nicht folgenlos: Wachstum und Ertrag können leiden. Bei Jungpflanzen, vorgeschädigten Pflanzen oder wiederholter Entlaubung ist früheres Eingreifen sinnvoll.

„Eingerollte Rosenblätter beweisen, dass überall Larven sitzen.“ Das Weibchen kann die Rollreaktion auch ohne abgelegtes Ei auslösen. Deshalb einzelne Blattrollen prüfen und nicht vorsorglich alle eingerollten Blätter entfernen.

Abgrenzung zu anderen Blattfressern

VerursacherHinweise zur Unterscheidung
Frei fressende Blattwespenlarvenhäufig zahlreiche Bauchfußpaare; je nach Art einzeln oder gesellig; Raupenmittel auf Bt-Basis helfen nicht
Frostspanner und andere Spannerraupenwenige Bauchfüße und Katzenbuckel-Gang; bei Frostspannern Fraß im Frühjahr an Obst- und Ziergehölzen; der Gang allein bestimmt keine Art
Weitere Schmetterlingsraupenkönnen ebenfalls an Rosen oder Beerensträuchern fressen; gewöhnlich höchstens fünf Bauchfußpaare einschließlich der Nachschieber; zusätzliche Merkmale prüfen

Die Apfelsägewespe ist dagegen ein Beispiel für eine andere Lebensweise innerhalb der Echten Blattwespen: Ihre Larven schädigen junge Apfelfrüchte. Nicht jede Blattwespenlarve lebt offen auf einem Blatt, und nicht jedes Loch in einer Frucht oder einem Blatt stammt von derselben Insektengruppe.

Verwandte Seiten

Einordnung

Die biologischen Angaben dienen zur Orientierung; regionale Entwicklungszeiten können abweichen. Für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind die aktuelle deutsche Zulassung und die jeweilige Gebrauchsanleitung maßgeblich.