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Kohlfliege — die Made an Kohlwurzel und Strunk

Kohlfliege — die Made an Kohlwurzel und Strunk

Du hast deine Kohlrabi- oder Blumenkohljungpflanzen liebevoll ins Beet gesetzt, gut angegossen — und ein paar Wochen später hängen genau diese Pflänzchen in der Mittagssonne schlaff herunter, obwohl der Boden feucht ist. Am Abend richten sie sich kaum noch auf, der Wuchs stockt, und die Blätter bekommen einen seltsam matten, blaugrauen Schimmer. Ziehst du eine der kümmernden Pflanzen aus dem Boden, kommt nur ein zerfressener, brauner Wurzelstummel mit, und am Strunk wimmeln kleine weiße Maden. Genau dieses Bild ist die klassische Handschrift der Kohlfliege.

Das Tückische ist, dass der Schaden unter der Erde sitzt und du oberirdisch zunächst nur die Folgen siehst — Welke, Wuchsstockung, blaugraue Verfärbung — und sie leicht für Trockenheit oder einen Düngerfehler hältst. Bevor du also gießt und düngst, ohne dass es besser wird, lohnt es sich, diesen Gegner genau zu verstehen. Denn die Kohlfliege folgt einem berechenbaren Muster: Sie legt ihre Eier am Wurzelhals junger Kreuzblütler ab, und vieles steht und fällt mit den ersten Wochen nach dem Pflanzen. Auf dieser Seite erfährst du, wie du Fliege, Made und Schadbild sicher erkennst, warum gerade Jungpflanzen so gefährdet sind, wie der Lebenszyklus über die Bodenpuppe abläuft — und mit welchen Maßnahmen von Netz und Kohlkragen bis zu Nematoden du den Befall in der richtigen Reihenfolge in den Griff bekommst.


Was ist die Kohlfliege?

Die Kohlfliege (Delia radicum, oft als Kleine Kohlfliege bezeichnet) ist eine kleine, unscheinbar graue Fliege aus der Familie der Blumenfliegen (Anthomyiidae). Mit nur etwa fünf bis sieben Millimetern Körperlänge ähnelt sie einer kleinen, schlanken Stubenfliege und fällt im Beet kaum auf — das macht sie so unauffällig und ihre Larven so überraschend schädlich. Die eigentliche Schadwirkung geht nämlich nicht von der Fliege selbst aus, sondern von ihren weißen, beinlosen Maden, die unter der Erde an Wurzeln und Strunk fressen.

Die Kohlfliege ist auf Kreuzblütler spezialisiert. Hauptwirte sind die verschiedenen Kohlarten — Blumenkohl, Brokkoli, Weiß- und Rotkohl, Wirsing, Rosenkohl, Kohlrabi und Chinakohl. Daneben befällt sie auch andere Kreuzblütler-Gemüse wie Radieschen, Rettich und Rüben sowie verwandte Wildkräuter. Bei Radieschen und Rettich frisst die Made direkt in der verzehrten Knolle, die dadurch madig, korkig durchsetzt und ungenießbar wird; beim Kopf- und Blumenkohl trifft es die Wurzel und den Strunk, von dem die ganze Pflanze abhängt.

Besonders gefährdet sind junge Pflanzen in den ersten Wochen nach dem Pflanzen oder dem Auflaufen. Eine kräftige, gut durchwurzelte Pflanze kann einen mäßigen Wurzelfraß noch wegstecken und neue Faserwurzeln nachschieben; eine frisch gesetzte Jungpflanze mit kleinem Wurzelballen dagegen verliert durch den Madenfraß ihre Wasser- und Nährstoffversorgung und bricht zusammen. Genau deshalb entscheidet sich der Befallserfolg fast immer in der empfindlichen Anfangsphase.

MerkmalAngabe
Wissenschaftlicher NameDelia radicum (Kleine Kohlfliege), Blumenfliege (Anthomyiidae)
Einordnungechte Fliege (Zweiflügler, Diptera); Blumenfliege, keine Frucht-/Stubenfliege
Größe (Fliege)etwa 5–7 mm; unscheinbar grau, ähnlich einer kleinen Stubenfliege
Wirts-/BefallspflanzenKohlarten (Blumenkohl, Kohlrabi, Weiß-/Rotkohl, Rosenkohl u. a.), Radieschen, Rettich, Rüben, weitere Kreuzblütler
Schadenweiße Maden fressen an Wurzel und Strunk → Welke, Wuchsstockung, blaugraue Verfärbung, Umfallen; Radieschen/Rettich werden madig
Generationen/Jahrmeist 2–3 Generationen ab April/Mai
Überwinterungals Puppe (braunes Tönnchen) im Boden
HauptgegenspielerKurzflügelkäfer und Laufkäfer (fressen Eier/Larven), parasitische Schlupfwespen

Erkennen & Schadbild

Die erwachsene Fliege bekommst du nur selten bewusst zu Gesicht, weil sie klein, grau und unscheinbar ist und sich leicht mit allerlei anderen kleinen Fliegen verwechseln lässt. Wenn du sie entdeckst, erinnert sie an eine kleine, schlanke Stubenfliege von etwa fünf bis sieben Millimetern — graue Grundfärbung, dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild, oft mit feinen Borsten. Eine sichere Bestimmung allein an der Fliege ist im Garten schwer; den Schädling identifizierst du in der Praxis fast immer über das Schadbild und über die typische Made.

Die eigentliche Schadensverursacherin ist die Made. Sie ist eine typische Fliegenlarve: beinlos, glänzend weiß bis cremefarben, vorn zugespitzt und hinten stumpf abgeschnitten, ausgewachsen etwa sieben bis acht Millimeter lang. Du findest sie nicht an Blättern, sondern unter der Erde am Wurzelhals, an den Wurzeln und im unteren Strunk. Gräbst du eine kümmernde Pflanze vorsichtig aus, siehst du angefressene, braun verfärbte Wurzeln, oberflächliche Fraßgänge am Strunk und oft mehrere Maden, die direkt im zerstörten Gewebe sitzen.

Oberirdisch zeigt sich der Schaden in einer sehr charakteristischen Abfolge: Die Pflanzen welken bei Sonnenschein und richten sich abends nur noch teilweise auf, weil die zerfressene Wurzel nicht mehr genug Wasser nachliefert. Sie bleiben im Wuchs zurück, kümmern sichtbar gegenüber den Nachbarn, und die Blätter verfärben sich oft stumpf bläulich bis blaugrau, später gelblich — ein Stressbild, das durch die gestörte Wasser- und Nährstoffaufnahme entsteht. Bei starkem Befall fallen Jungpflanzen um oder lassen sich mühelos aus dem Boden ziehen, weil die Wurzel praktisch fehlt. Bei Radieschen und Rettich erkennst du den Befall erst beim Ernten an den madigen, von Fraßgängen durchzogenen Knollen.

SchadbildWie es entstehtWoran du es erkennst
Maden an Wurzel und Strunkaus den Eiern am Wurzelhals geschlüpfte Larven fressen am Wurzelgewebebeim Ausgraben weiße, beinlose Maden, braun zerfressene Wurzeln und Strunk
Welke bei Sonnezerstörte Wurzel kann kein Wasser mehr nachliefernPflanze hängt mittags schlaff, erholt sich abends nur teilweise
Wuchsstockung & Kümmerngestörte Wasser- und Nährstoffaufnahme bremst das WachstumPflanze bleibt klein und zurück gegenüber den gesunden Nachbarn
Blaugraue VerfärbungStressreaktion der unterversorgten PflanzeBlätter wirken stumpf bläulich bis blaugrau, später gelblich
Umfallen / lockerer SitzWurzel weitgehend zerstört, Halt im Boden verlorenJungpflanze kippt um oder lässt sich leicht herausziehen
Madige KnollenMade frisst direkt im verzehrten SpeicherorganRadieschen/Rettich mit braunen Fraßgängen, korkig und ungenießbar

Entscheidend ist auch hier das Timing: Der unsichtbare Teil — Eiablage und beginnender Wurzelfraß — fällt in die ersten Wochen nach dem Pflanzen oder Auflaufen. Bis die Welke oberirdisch auffällt, sitzen die Maden längst an der Wurzel, und die Schäden lassen sich kaum noch rückgängig machen. Deshalb nützt dir das Erkennen der welkenden Pflanze allein wenig zur Abwehr — die Musik spielt bei der Eiablage am Wurzelhals der jungen Pflanze. Wer das versteht, richtet seine Aufmerksamkeit weg vom umkippenden Kohl hin zum Schutz der Pflanze von Anfang an.


Lebensweise & Vermehrung

Die Kohlfliege durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie): vom Ei über die Made zur Puppe und schließlich zur Fliege. Anders als die einbrütige Kirschfruchtfliege bildet sie aber mehrere Generationen pro Jahr — meist zwei bis drei, je nach Witterung und Region — und kann dadurch über die gesamte Gartensaison hinweg immer wieder zuschlagen. Gerade die erste Generation im Frühjahr trifft die frisch gepflanzten Kulturen besonders hart.

Im Frühjahr, etwa ab April bis Mai, schlüpfen die ersten Fliegen aus den Puppen im Boden. Nach der Paarung suchen die Weibchen gezielt junge Kreuzblütler auf und legen ihre weißen, länglichen Eier direkt am Wurzelhals bzw. auf dem Boden unmittelbar an der Pflanze ab. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Maden, kriechen ins Erdreich und beginnen sofort, sich in die Wurzeln und den Strunk zu fressen. Nach etwa zwei bis drei Wochen Fraß ist die Made ausgewachsen, zieht sich in den Boden zurück und verpuppt sich zum braunen Tönnchen. Aus dieser Puppe schlüpft je nach Jahreszeit nach kurzer Zeit die nächste Fliegengeneration — oder, bei der letzten Generation im Spätsommer/Herbst, überwintert die Puppe im Boden.

StadiumZeitraumWas passiert
ÜberwinterungHerbst bis FrühjahrPuppe (braunes Tönnchen) im Boden, frostgeschützt
Schlupf & Flugab April/Mai (1. Generation), dann mehrfachFliegen graben sich aus, Paarung, Suche nach jungen Kreuzblütlern
Eiablagenach dem Pflanzen/Auflaufen der WirtspflanzenWeibchen legt Eier am Wurzelhals bzw. auf dem Boden direkt an der Pflanze
Madeim Wurzel-/Strunkgewebe, ca. 2–3 WochenLarve frisst an Wurzeln und Strunk, danach Rückzug in den Boden
Verpuppungnach Abschluss des LarvenfraßesLarve verpuppt sich im Boden; schnelle Folgegeneration oder Überwinterung

Aus diesem Zyklus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Weil mehrere Generationen aufeinanderfolgen, ist der Befallsdruck nicht auf einen einzigen Termin beschränkt — auch später gesetzte oder nachgepflanzte Kulturen sind gefährdet, und der Schutz muss über die Saison gehalten werden. Zweitens: Weil die Fliege als Puppe direkt im Boden überwintert und ihre Eier gezielt am Wurzelhals junger Pflanzen ablegt, liegen die wirksamsten Hebel genau dort — beim Verhindern der Eiablage am Wurzelhals und beim Unterbrechen des Zyklus im Boden (Fruchtfolge, Hygiene). Wer den engen Zusammenhang zwischen Eiablagestelle und Schaden kennt, kann gezielt eingreifen, statt machtlos zuzusehen.


Natürliche Gegenspieler

Wie bei vielen verborgen im Boden lebenden Schädlingen sind die natürlichen Gegenspieler der Kohlfliege wirksam, aber begrenzt — Eier und junge Maden sitzen am Wurzelhals und im Boden, die Puppe ruht tief im Erdreich. Eine verlässliche biologische Selbstregulierung allein durch Nützlinge gibt es bei der Kohlfliege daher nicht; ein lebendiger Boden mit vielen Räubern kann den Befall aber spürbar dämpfen und deine eigenen Maßnahmen sinnvoll ergänzen.

Die wichtigsten Helfer leben am und im Boden. Kurzflügelkäfer und ihre Larven sowie räuberische Laufkäfer machen sich über die am Wurzelhals abgelegten Eier und jungen Maden her und können bei hoher Dichte einen erheblichen Teil des Nachwuchses abräumen. Spezialisierte Schlupfwespen (parasitische Wespen) legen ihre Eier in Larven oder Puppen der Kohlfliege und reduzieren so die nächste Generation. Auch räuberische Milben und insektenfressende Vögel greifen bodennahe Stadien ab. Diese Bodenräuber sind der Grund, warum ein ungestörter, humoser Boden mit Bodendeckung und Rückzugsräumen weniger Kohlfliegenschäden zeigt als ein ständig blank gehacktes, lebloses Beet.

GegenspielerWirkprinzipBesonderheit
KurzflügelkäferRäuber (Käfer + Larve)fressen Eier und junge Maden am Wurzelhals; wichtigster Bodenräuber
LaufkäferRäuber (Käfer + Larve)erbeuten Eier und Larven im Boden und an der Bodenoberfläche
Schlupfwespen (parasitische Wespen)Parasitoidelegen Eier in Larven/Puppen der Fliege; dämpfen die Folgegeneration
Insektenfressende Vögel & MilbenRäubernehmen bodennahe Eier und Maden zusätzlich auf

Die praktische Konsequenz: Beim Schutz junger Kohlpflanzen kannst du dich nicht allein auf die Nützlinge verlassen — die Hauptarbeit liegt bei dir, vor allem beim Abwehren der Eiablage und beim Unterbrechen des Zyklus. Trotzdem lohnt sich Nützlingsförderung doppelt: Bodendeckung, Mischkultur und ein lebendiger, ungestörter Boden bieten Kurzflügel- und Laufkäfern Lebensraum, und je mehr Räuber im Beet patrouillieren, desto mehr Eier und Maden der Kohlfliege werden gefressen, bevor sie Schaden anrichten.


Vorbeugen & Regulieren

Bevor du loslegst, steht auch hier die Abwägung: Wie stark ist der Befall, und lohnt der Aufwand? Ein paar madige Radieschen oder eine vereinzelt kümmernde Kohlpflanze sind kein Drama. Wenn aber Jahr für Jahr ein Großteil der frisch gesetzten Kohljungpflanzen umkippt oder die Radieschenernte madig ist, ist die Schadschwelle klar überschritten und konsequentes Eingreifen lohnt sich sehr. Weil sich der Schaden in der empfindlichen Anfangsphase entscheidet und nachträglich kaum zu reparieren ist, liegt der Schwerpunkt bei der Kohlfliege ganz besonders auf dem Vorbeugen — gehe dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten vor.

  1. Vorbeugen über Fruchtfolge, kräftige Jungpflanzen und Mischkultur.
  2. Mechanisch/kulturell mit Kulturschutznetz und Kohlkragen.
  3. Biologisch mit Nematoden gegen die Maden im Boden.
  4. Letztes Mittel nur bei massivem, wiederkehrendem Befall.
MaßnahmeStufeWann / wie
Weite FruchtfolgeVorbeugenKreuzblütler nicht jedes Jahr aufs gleiche Beet; Anbaupause, um den Bodenvorrat an Puppen zu senken
Kräftige JungpflanzenVorbeugengut durchwurzelte, abgehärtete Pflanzen setzen, die Wurzelfraß besser verkraften und nachwurzeln
Mischkultur mit DuftpartnernVorbeugenduftstarke Partner wie Sellerie, Tomate und Kräuter zwischen den Kohl pflanzen, um die Eiablage zu stören
KulturschutznetzMechanischdirekt ab dem Pflanzen engmaschiges Netz dicht über die Kultur spannen und ringsum schließen
Kohlkragen / ManschetteMechanischScheibe aus Pappe, Filz oder Teichfolie eng um den Stiel auf den Boden legen, damit kein Ei am Wurzelhals abgelegt wird
Anbauzeit anpassenKulturellAussaat/Pflanzung so legen, dass die empfindliche Phase nicht mit dem Hauptflug der ersten Generation zusammenfällt
Hygiene & ErnterückständeKulturellbefallene Pflanzen und Wurzelstrünke entfernen und entsorgen, nicht im Beet liegen lassen
Nematoden gegen MadenBiologischinsektenpathogene Nematoden in den feuchten Boden an der Pflanze ausbringen, um die Larven zu befallen
Stärkere MittelLetztes Mittelnur bei massivem, ertragsbedrohendem Befall und ausgeschöpften Alternativen

Die wirksamste Strategie im Hausgarten setzt vom ersten Tag an an der Pflanze an. Die sicherste mechanische Barriere ist ein Kulturschutznetz: Spanne es direkt ab dem Pflanzen engmaschig und dicht schließend über die Kultur, sodass die Fliege gar nicht erst an den Wurzelhals zum Eierlegen gelangt — wichtig ist, dass die Ränder lückenlos am Boden anliegen, denn schon ein kleiner Spalt genügt. Wo kein Netz möglich ist, ist der Kohlkragen der klassische Trick: Eine Scheibe aus Pappe, dickem Filz oder Teichfolie wird mit einem Schlitz eng um den Stiel auf den Boden gelegt und deckt den Wurzelhals ab. Die Fliege findet dort keine offene Bodenstelle zum Ablegen — die Eier vertrocknen auf der Manschette, statt zur Wurzel zu gelangen.

Flankierend zählt die Vorbeugung über die Kultur: Eine weite Fruchtfolge senkt den im Boden überwinternden Puppenvorrat, kräftige, gut abgehärtete Jungpflanzen stecken einen mäßigen Wurzelfraß eher weg und schieben neue Wurzeln nach, und eine Mischkultur mit duftstarken Partnern wie Sellerie, Tomate oder Kräutern erschwert es der Fliege, ihre Wirtspflanze zu finden. Räume befallene Strünke und Ernterückstände konsequent ab, damit keine Maden in den Boden gelangen und sich verpuppen. Reicht das nicht, kannst du gegen die Maden im Boden insektenpathogene Nematoden in das feuchte Erdreich an der Pflanze ausbringen; sie befallen die Larven biologisch. Breit wirkende chemische Mittel sind im Hausgarten das absolute letzte Mittel — sie treffen auch Nützlinge und Bestäuber und sind dem akuten, ertragsbedrohenden Notfall vorbehalten. Am elegantesten ist und bleibt aber der lückenlose Schutz von Anfang an.


Häufige Fehler und Mythen

“Die welkenden Pflanzen brauchen einfach mehr Wasser.” Ein verständlicher, aber teurer Irrtum. Wenn Kohljungpflanzen trotz feuchtem Boden mittags schlaff hängen, liegt das fast nie an Trockenheit, sondern an der zerfressenen Wurzel, die kein Wasser mehr nachliefern kann. Mehr Gießen hilft dann nicht — du musst die Pflanze ausgraben und auf Maden am Wurzelhals prüfen.

“Erst wenn ich Maden finde, muss ich handeln.” Dann ist es meist zu spät. Sind die Maden sichtbar an der Wurzel, ist die Eiablage längst gelaufen und die Wurzel oft nicht mehr zu retten. Der richtige Hebel ist das Verhindern der Eiablage von Anfang an — mit Kulturschutznetz oder Kohlkragen direkt ab dem Pflanzen.

“Der Kohlkragen muss nur ungefähr um den Stiel liegen.” Gerade nicht. Seine ganze Wirkung beruht darauf, dass er den Wurzelhals lückenlos abdeckt und der Fliege keine offene Bodenstelle zum Ablegen lässt. Liegt er locker oder klafft ein Spalt, schlüpft das Weibchen durch und legt seine Eier trotzdem direkt an die Wurzel.

“Die Kohlfliege ist dasselbe wie die Made in der Kirsche oder im Apfel.” Nein. Die Kohlfliege ist eine Blumenfliege (Anthomyiidae), deren Maden an Wurzel und Strunk von Kreuzblütlern fressen — nicht in Früchten. Die Kirschfruchtfliege ist eine Bohrfliege im Fruchtfleisch, der Apfelwickler sogar ein Schmetterling mit einer beinigen Raupe. Verschiedene Tiere, verschiedene Gegenmaßnahmen.

“Knollenfraß am Radieschen kommt vom Drahtwurm.” Nicht zwangsläufig. Auch die Kohlfliege macht Radieschen und Rettich madig. Der Drahtwurm ist dagegen eine harte, gelbbraune, beinige Käferlarve, die schmale, glatte Bohrgänge frisst — die weiche, weiße, beinlose Kohlfliegenmade hinterlässt eher unregelmäßig zerfressenes, korkiges Gewebe.


Abgrenzung zu Kohlhernie, Möhrenfliege und Bodenschädlingen

Welkende, kümmernde Kohlpflanzen mit Wurzelschäden können mehrere Ursachen haben, und die richtige Diagnose entscheidet über die Gegenmaßnahmen. Besonders leicht wird die Kohlfliege mit der Kohlhernie verwechselt, weil beide unterirdisch ansetzen und oberirdisch ähnliche Welkesymptome erzeugen — der Blick auf die ausgegrabene Wurzel klärt den Fall. Diese Übersicht hilft dir, den tatsächlichen Verursacher zu bestimmen, bevor du loslegst.

VerursacherBefälltSchadbild an der WurzelWie du ihn von der Kohlfliege unterscheidest
Kohlfliege (Delia radicum)Kohlarten, Radieschen, Rettich, weitere Kreuzblütlerzerfressene, braune Wurzeln und Strunk, weiße beinlose MadenMaden direkt im zerfressenen Gewebe; Fraßgänge, keine Wucherungen
Kohlhernie (Pilz)nur Kreuzblütlerknollige, geschwulstartige Wucherungen an den Wurzelnkeine Maden, sondern verdickte Wurzelknollen; pilzliche Erkrankung, kein Tier
Möhrenfliege (Psila rosae)Möhren, Sellerie, Petersilie (Doldenblütler)rostbraune Fraßgänge dicht unter der Wurzelhaut der Möhreandere Kultur (Doldenblütler statt Kohl); rostige Gänge an der Möhre
Drahtwurm (Schnellkäferlarve)viele Kulturen, u. a. Radieschen, Kartoffelschmale, glatte Bohrgänge in Wurzeln/Knollenharte, gelbbraune, beinige Larve statt weicher weißer Made
Erdraupen (Eulenraupen)viele Gemüse am Wurzelhalsabgefressener Wurzelhals, durchgebissene Stängel am Bodennachtaktive Raupen mit Beinen, kein madiger Wurzelfraß

Merke dir die wichtigste Unterscheidung: Die Kohlfliege hinterlässt weiße, beinlose Maden in zerfressenem Wurzel- und Strunkgewebe, während die Kohlhernie statt Fraßgängen knollige Wucherungen an der Wurzel bildet — ein Pilz, kein Tier. Die Möhrenfliege macht es ganz ähnlich wie die Kohlfliege, geht aber an Doldenblütler wie die Möhre statt an Kohl. Und wenn statt einer weichen weißen Made eine harte, beinige Larve im Gewebe steckt, hast du es mit dem Drahtwurm (einer Käferlarve) oder einer Erdraupe zu tun — nicht mit der Kohlfliege.


Mitnehmen

  1. Die Kohlfliege ist eine unscheinbare Blumenfliege. Delia radicum ist nur fünf bis sieben Millimeter groß und ähnelt einer kleinen, grauen Stubenfliege; du erkennst sie im Garten fast immer nicht an der Fliege selbst, sondern am Schadbild und an der typischen Made.

  2. Die Made macht den Schaden, nicht die Fliege. Die weißen, beinlosen Larven fressen an Wurzel und Strunk von Kohlarten und anderen Kreuzblütlern; bei Radieschen und Rettich fressen sie direkt in der Knolle und machen sie ungenießbar.

  3. Welke ohne Trockenheit ist das Warnsignal. Hängen Jungpflanzen trotz feuchtem Boden mittags schlaff, bleiben im Wuchs zurück und verfärben sich bläulich-blaugrau, steckt fast immer eine zerfressene Wurzel dahinter — ausgraben und auf Maden prüfen.

  4. Der Lebenszyklus läuft über den Boden, in mehreren Generationen. Die Fliege überwintert als Puppe im Boden und bildet meist zwei bis drei Generationen ab April/Mai; die Eier liegen am Wurzelhals direkt an der Pflanze.

  5. Vorbeugen schlägt Reparieren. Kulturschutznetz ab dem Pflanzen und ein eng anliegender Kohlkragen verhindern die Eiablage am Wurzelhals — wer erst die welkende Pflanze behandelt, reagiert zu spät.

  6. Halte die Stufenfolge ein. Erst Schadschwelle abwägen, dann vorbeugen (Fruchtfolge, kräftige Jungpflanzen, Mischkultur), dann mechanisch sperren (Netz, Kohlkragen), dann biologisch (Nematoden gegen die Maden) — chemische Mittel nur als letztes Mittel.


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