Florfliege: Larven erkennen und Nützlinge fördern
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An einem Sommerabend flattert ein zartgrünes Insekt an deiner Terrassenlampe: große, durchsichtige Flügel, lange Fühler und goldschimmernde Augen. Das kann eine Florfliege sein. Sie gehört zu den Netzflüglern und wird leicht für einen kleinen Falter gehalten. Ihre Larve sieht ganz anders aus: Der „Blattlauslöwe“ läuft mit sechs Beinen über Blätter und saugt mit gebogenen Mundwerkzeugen kleine Beutetiere aus.
Dieser Steckbrief behandelt vor allem die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea) und die äußerlich sehr ähnliche Chrysoperla-carnea-Artengruppe. Florfliegen insgesamt bilden die Familie Chrysopidae. Nahrung, Färbung und Überwinterung sind nicht bei allen Arten gleich. Die genaue Art lässt sich innerhalb der carnea-Gruppe anhand eines Gartenfundes oder Fotos oft nicht sicher bestimmen.
Was ist die Florfliege?
Florfliegen gehören zur Ordnung der Netzflügler (Neuroptera). Ihre vier häutigen Flügel tragen ein dichtes Adernetz. Schmetterlinge gehören dagegen zur Ordnung Lepidoptera und haben beschuppte Flügel. „Goldauge“ ist ein gebräuchlicher Name für Florfliegen, keine zusätzliche Tierart.
Im Garten sind insbesondere ihre räuberischen Larven als Nützlinge interessant. Sie erbeuten Blattläuse und weitere kleine Tiere. Erwachsene Gemeine Florfliegen nehmen Pollen, Nektar und Honigtau auf. Bei anderen Florfliegenarten können auch die erwachsenen Tiere räuberisch leben.
Gemeine Florfliege auf einen Blick
Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Gemeine Florfliege; sie sind keine gemeinsamen Grenzwerte für die gesamte Familie.
| Merkmal | Orientierung |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name / Familie | Chrysoperla carnea, Familie Chrysopidae; ähnliche Arten bilden die carnea-Gruppe |
| Größe des erwachsenen Tieres | etwa 10–15 mm Körperlänge, 20–30 mm Flügelspannweite |
| Lebensdauer | erwachsene Tiere außerhalb der Winterruhe bis etwa zwei Monate; mit Überwinterung mehrere Monate möglich |
| Generationen | in Mitteleuropa meist zwei; Entwicklung abhängig von Temperatur und Bedingungen |
| Nahrung der Erwachsenen | Pollen, Nektar und Honigtau |
| Nahrung der Larven | kleine Beutetiere, darunter Blattläuse, Thripse, Milben und Insekteneier |
| Aktivität | vor allem vom Frühjahr bis Herbst, erwachsene Tiere häufig in der Dämmerung |
| Überwinterung | als erwachsenes Tier in trockenen, geschützten Verstecken, auch in Gebäuden |
Die Größen- und Entwicklungsangaben folgen dem Steckbrief des Julius Kühn-Instituts.
Florfliegen, Larven und Eier erkennen
Das erwachsene Tier der Gemeinen Florfliege hat einen schlanken, im Sommer meist hellgrünen Körper, lange Fühler und goldglänzende Augen. Seine vier durchsichtigen Flügel liegen in Ruhe dachförmig über dem Hinterleib. Das feine Geäder hilft bei der Unterscheidung von Faltern.
Im Herbst kann sich die Gemeine Florfliege gelblich bis bräunlich verfärben. Ein braunes Tier kann also ein überwinternder Gartenhelfer sein. Die Farbe allein beweist jedoch weder die Art noch eine Winterverfärbung. Auch andere Netzflügler, etwa die braunen Taghafte (Hemerobiidae), kommen als Verwechslung infrage.
Die Larve ist länglich bis spindelförmig, bräunlich oder grau gezeichnet und besitzt sechs Beine am Vorderkörper. Besonders auffällig sind die zwei nach innen gebogenen Saugzangen. Manche Florfliegenarten tragen Pflanzenreste und Beutehüllen als Tarnung auf dem Rücken. Die Larven sind räuberische Helfer und verursachen keine typischen Fraßschäden an Blättern.
Die Eier sitzen einzeln oder, je nach Art, in Gruppen auf dünnen Stielen an Pflanzen. Bei der Gemeinen Florfliege sind die Stiele ungefähr 5 mm lang. Die erhöhte Ablage kann die Eier vor Räubern und kannibalischen Geschwistern schützen. Eier und später auch die kleinen Seidenkokons solltest du beim Kontrollieren oder Reinigen der Pflanzen schonen.
Ähnliche Larven an Blattlauskolonien
| Tier / Stadium | Erkennungsmerkmale | Einordnung |
|---|---|---|
| Florfliegenlarve | länglich, sechs Beine, deutlich gebogene Saugzangen; gelegentlich Tarnmaterial auf dem Rücken | erbeutet Blattläuse und weitere kleine Tiere |
| Larve blattlausfressender Schwebfliegen | beinlose, oft grünliche oder durchscheinende Made | manche Schwebfliegenarten sind Blattlausjäger; andere Larven haben eine andere Lebensweise |
| Larve blattlausfressender Marienkäfer | häufig dunkel und länglich, sechs Beine, bei manchen Arten orange Flecken; ohne lange Saugzangen | nicht jede Marienkäferart lebt von Blattläusen |
| Schmetterlingsraupe | meist drei Brustbeinpaare und zusätzliche Bauchfüße | viele Arten fressen Pflanzen; Aussehen und Nahrung unterscheiden sich je nach Art |
Ein einzelnes Merkmal genügt nicht für jede Bestimmung. Schau auf Körperform, Beine, Mundwerkzeuge und Verhalten zusammen. Verschone erkennbare räuberische Larven an Lauskolonien.
Lebensweise und Entwicklung
Die Entwicklung führt vom Ei über drei Larvenstadien zur Puppe und zum erwachsenen Tier. Die Larve spinnt vor der Verpuppung einen kleinen, weißlichen Seidenkokon an einer geschützten Stelle. Gestielt ist das Ei; die Puppe befindet sich im Kokon.
Bei der Gemeinen Florfliege hängt die Entwicklungszeit stark von der Temperatur ab. Eine feste Zahl von Wochen passt deshalb nicht für jede Jahreszeit. Die letzte Generation kann als erwachsenes Tier in Winterruhe gehen. Andere Florfliegenarten überwintern beispielsweise als Vorpuppe im Kokon; die Überwinterung als adultes Tier gilt nicht für die gesamte Familie.
Entwicklung der Gemeinen Florfliege
| Stadium | Zeitliche Orientierung | Merkmal |
|---|---|---|
| Ei | etwa 3–10 Tage, temperaturabhängig | zunächst grünlich, später weißlich-bräunlich, auf dünnem Stiel |
| Larve, drei Stadien | etwa 8–18 Tage, temperaturabhängig | räuberisch, ausgewachsen ungefähr 5–10 mm lang |
| Vorpuppe und Puppe im Kokon | Dauer abhängig von den Bedingungen | kleiner, weißlicher Seidenkokon an geschützten Pflanzenteilen |
| Ei bis erwachsenes Tier insgesamt | etwa 22–60 Tage | keine feste Entwicklungsdauer für alle Temperaturen |
Quelle der Zeitspannen: JKI-Steckbrief. Die Unterschiede zwischen Überwinterungsstadien erläutert Virginia Tech.
Nutzen gegen Blattläuse und andere Schädlinge
Florfliegenlarven können einen Blattlausbefall begrenzen. Angaben von mehreren hundert erbeuteten Läusen je Larve sind möglich, stammen aber häufig aus Fütterungsversuchen. „Bis zu 500 Blattläuse“ ist keine zugesicherte Leistung an deiner Pflanze. Beuteart, Larvenstadium, Temperatur, Beuteangebot und andere Bedingungen beeinflussen die Wirkung. Der JKI-Steckbrief nennt unterschiedliche Fraßmengen je nach Beute.
| Beute | Möglicher Beitrag | Grenze |
|---|---|---|
| Blattläuse | wichtige Beute vieler Florfliegenlarven | vorhandene Larven garantieren keinen ausreichenden Befallsrückgang |
| Thripse | kleine erreichbare Stadien können erbeutet werden | versteckte Stadien und ein starker Befall können die Wirkung begrenzen |
| Spinnmilben | Eier und bewegliche Stadien können als Beute dienen | nicht jede Milbenart oder Befallssituation ist gleichermaßen geeignet |
| kleine Raupen und Insekteneier | ergänzendes Beutespektrum | kein allgemeiner Ersatz für eine passende Schädlingsmaßnahme |
Abwarten heißt regelmäßig kontrollieren. Bei kleinem Befall an gut wachsenden Pflanzen kannst du beobachten, ob Gegenspieler zunehmen und die Läuse weniger werden. Prüfe die Triebspitzen und den Zustand der Pflanze. Bei zunehmenden Schäden, starkem Befall oder gefährdeten Jungpflanzen solltest du zeitnah geeignete Maßnahmen wählen. Orientierung bieten Blattläuse, Schadschwelle und Pflanzenschutz vorbeugen.
Florfliegen fördern
Ein vielfältiger Garten mit Blüten, kleinen Beutetieren und ungestörten Verstecken bietet Florfliegen günstige Bedingungen. Eine Ansiedlung lässt sich damit unterstützen, aber nicht garantieren.
Blühende Kräuter anbieten: Lass zum Beispiel Dill, Fenchel oder Koriander blühen und erhalte geeignete Wildkräuter. Ein über die Saison wechselndes Blütenangebot liefert erwachsenen Gemeinen Florfliegen Pollen und Nektar. Honigtau kann ebenfalls Nahrung sein. Kleine Blattlauskolonien kannst du an robusten Pflanzen dulden, solange keine erheblichen Schäden entstehen. Die erwachsenen Tiere benötigen geeignete Nahrung für die Eiproduktion; lebende Blattläuse sind keine zwingende Voraussetzung jeder Eiablage. Für den Nachwuchs ist dagegen ausreichend erreichbare Beute wichtig. Hinweise dazu gibt Cornell University.
Rückzugsräume erhalten: Trockenes Laub in Teilbereichen, Hecken, geschützte Ritzen und ungestörte Schuppen bieten Verstecke. Gemeine Florfliegen können draußen in geeigneten Quartieren überwintern. Wärme, Austrocknung und ungeschützte starke Kälte können problematisch sein.
Florfliegenkästen als mögliche Ergänzung: Geeignete, mit Stroh oder Holzwolle gefüllte Überwinterungskästen können angenommen werden. Ihre Besiedlung hängt von Bauweise, Standort und vorhandenen Tieren ab. Die Nutzung bestimmter Kästen wurde im Hopfenanbau untersucht; daraus folgt keine Wirksamkeitsgarantie für jedes kleine Insektenhotel im Hausgarten. Natürliche Verstecke bleiben wichtig. Quelle: LfL-Versuchsbericht, S. 68.
Nützlinge bei Pflanzenschutzmaßnahmen schonen: Breitwirksame Insektizide können auch Gegenspieler schädigen. Wirkung und Verträglichkeit hängen vom konkreten Mittel, Stadium und Einsatz ab. Auch Mittel natürlichen Ursprungs und Kontaktmittel sind nicht automatisch nützlingsschonend. Behandle erkennbare Eier und Larven nicht direkt und prüfe die Verträglichkeit vor einer Kombination mit gekauften Nützlingen. Weitere Maßnahmen findest du unter Nützlinge fördern.
Florfliege im Haus gefunden: Was tun?
Eine ruhende Florfliege in einem geeigneten ungeheizten Raum kannst du dort lassen. Findest du im Herbst oder Winter ein Tier in der warmen Wohnung, kannst du es vorsichtig mit einem Glas und einem Stück Papier aufnehmen und in einen kühlen, frostfreien, ungeheizten Raum umsetzen. Drücke es nicht mit den Fingern und fasse die Flügel nicht an.
Das Quartier sollte eine geschützte Ruhezone bieten und im Frühjahr einen Ausflug ermöglichen. Setze ein Tier aus der warmen Wohnung nicht unmittelbar auf eine offen frostige Fläche. „Draußen erfriert jede Florfliege“ wäre dennoch falsch: Geschützte Außenquartiere gehören zu ihren natürlichen Überwinterungsorten. Der NABU-Insektentrainer beschreibt geeignete Verstecke und das Problem dauerhaft warmer Wohnräume.
Florfliegenlarven kaufen und ausbringen
Florfliegen werden für den gezielten Nützlingseinsatz angeboten, etwa als Larven oder Eier. Besonders im geschützten Anbau ist ihr Einsatz gegen geeignete Schädlinge etabliert; auch Anwendungen im Freiland sind möglich. Erwachsene Tiere können nach dem Schlupf abwandern. Eine Freilassung garantiert deshalb keine dauerhafte Ansiedlung. Cornell University erläutert die Ausbringungsformen und die Bedeutung der Abwanderung.
- Schädling bestimmen: Wähle Art und Produkt passend zum Befall. Ein breites Beutespektrum ersetzt keine Prüfung der Eignung für den konkreten Schädling.
- Früh handeln: Warte mit einer vorgesehenen Ausbringung nicht, bis die Pflanzen stark geschädigt sind. Bei starkem Befall kann eine passende Vorbehandlung nötig sein.
- Anleitung beachten: Lagerung, Temperaturbereich, Ausbringungsmenge und mögliche Wiederholungen richten sich nach dem Produkt. Verteile Larven nach Anleitung möglichst nahe an den Befallsstellen.
- Vorherige Behandlungen prüfen: Auch Rückstände und systemische Mittel können Nützlinge beeinträchtigen. Kläre die Verträglichkeit und den nötigen Abstand mit dem Anbieter oder einer aktuellen Nebenwirkungstabelle.
- Wirkung kontrollieren: Vergleiche Befall und Pflanzenschäden im Verlauf. Bleibt der Befall hoch, prüfe Diagnose, Bedingungen und weitere geeignete Maßnahmen.
Ausführliche Hinweise zu Auswahl, Verträglichkeit und Erfolgskontrolle findest du unter Nützlinge kaufen und ausbringen.
Häufige Fragen und Missverständnisse
- Ist eine Florfliege eine Motte? Nein. Florfliegen sind Netzflügler mit häutigen, fein geäderten Flügeln. Sie besitzen keine beschuppten Falterflügel.
- Ist der Blattlauslöwe ein Pflanzenschädling? Die Florfliegenlarve ist ein räuberischer Helfer. Ihre gebogenen Mundwerkzeuge dienen zum Fangen und Aussaugen kleiner Beutetiere.
- Ist eine braune Florfliege immer ein überwinterndes grünes Tier? Nein. Die Gemeine Florfliege kann ihre Farbe im Herbst verändern, aber Färbung allein reicht zur Bestimmung nicht aus.
- Brauchen erwachsene Florfliegen Blattläuse als Futter? Gemeine Florfliegen nehmen Pollen, Nektar und Honigtau auf. Die Larven brauchen kleine Beutetiere. Bei anderen Florfliegenarten können auch die Erwachsenen räuberisch leben.
- Reicht eine Florfliege gegen den ganzen Lausbefall? Das ist nicht sicher. Larven können helfen; kontrolliere trotzdem die Pflanze und den Befallsverlauf.
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