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Frostspanner — die Katzenbuckel-Raupe an Obst- und Ziergehölzen

Frostspanner — die Katzenbuckel-Raupe an Obst- und Ziergehölzen

Im Frühjahr treibt dein Apfelbaum aus, doch statt prall gefüllter Knospen findest du angefressene, durchlöcherte Blätter und zerstörte Blütenbüschel — manche Blattbüschel sehen aus, als hätte jemand sie zusammengesponnen. Wenn du genauer hinschaust und ein Blatt auseinanderziehst, kriecht dir eine kleine grüne Raupe entgegen, die sich beim Laufen merkwürdig krümmt: Sie zieht das Hinterende nach vorn, wölbt den Rücken zum Katzenbuckel und streckt sich dann wieder. Genau dieser eigenwillige Gang ist das untrügliche Erkennungszeichen des Frostspanners — eines der häufigsten und schädlichsten Raupenschädlinge an Obstbäumen und Laubgehölzen.

Bevor du zur Spritze greifst, lohnt es sich, diesen Schädling zu verstehen — denn er hat eine ungewöhnliche Schwachstelle, die du gezielt ausnutzen kannst. Die Weibchen des Frostspanners sind nämlich flugunfähig: Sie müssen im Spätherbst und Winter zu Fuß den Stamm hinaufklettern, um ihre Eier in der Krone abzulegen. Genau dort lässt sich die ganze nächste Raupengeneration mit einem einfachen Leimring abfangen. Auf dieser Seite erfährst du, wie du die Katzenbuckel-Raupe sicher erkennst, woher der Schaden kommt, warum der richtige Zeitpunkt im Herbst über den Erfolg entscheidet — und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich helfen.


Was ist der Frostspanner?

Der Frostspanner ist ein heimischer Nachtfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae) — einer der artenreichsten Schmetterlingsfamilien überhaupt. Im Garten ist vor allem der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) bedeutsam; ihm sehr ähnlich und oft am selben Baum vorkommend ist der Große Frostspanner (Erannis defoliaria). Der Name “Frostspanner” verrät schon das Besondere an ihm: Die Falter erscheinen erst spät im Jahr, wenn der erste Frost einsetzt — von Ende Oktober bis in den Dezember und milde Jännertage hinein. “Spanner” wiederum bezieht sich auf den charakteristischen Gang der Raupe, die ihren Körper beim Kriechen wie zum Messen zusammenzieht und streckt (“spannt”).

Den Schaden richtet nicht der Falter an, sondern allein die Raupe — und das in einem besonders empfindlichen Moment: im Frühjahr, genau wenn die Gehölze austreiben. Die kleinen Raupen schlüpfen zum Knospenaufbruch und fressen sich durch das, was den ganzen Jahresertrag begründet: schwellende Knospen, junge Blätter und vor allem die Blüten. Befallen werden zahlreiche Obstbäume (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume) sowie viele Laub- und Ziergehölze (Eiche, Hainbuche, Linde, Ahorn, Weißdorn, Rosen). Bei starkem Befall können ganze Bäume kahl gefressen werden — der “Frostspannerfraß” gehört zu den klassischen Schäden im Obstbau.

Die wohl wichtigste Eigenheit dieses Schädlings ist der Geschlechtsunterschied: Während das Männchen ein normaler, voll geflügelter Nachtfalter ist, hat das Weibchen nur Flügelstummel und kann nicht fliegen. Es ähnelt eher einer langbeinigen Spinne als einem Schmetterling. Um zur Eiablage in die Krone zu gelangen, muss das Weibchen den Stamm hinaufklettern — zu Fuß, im Spätherbst und Winter. Genau diese Schwäche macht den Frostspanner so gut beherrschbar: Wer den Stamm versperrt, fängt die Weibchen ab, bevor sie ihre Eier legen können.

MerkmalAngabe
Wissenschaftlicher NameOperophtera brumata (Kleiner Frostspanner, Familie Spanner, Geometridae)
EinordnungHeimischer Nachtfalter; Falterflug bei Frost im Spätherbst/Winter
GrößeMännchen ca. 2–2,5 cm Flügelspannweite; Weibchen ca. 5–8 mm, flugunfähig; Raupe bis ca. 2,5 cm
WirtspflanzenApfel, Birne, Kirsche, Pflaume; Eiche, Hainbuche, Linde, Ahorn, Weißdorn, Rosen u. a. Laubgehölze
SchadenFrühjahrsfraß an Knospen, jungen Blättern und Blüten; Loch-, Skelettier- und “Fensterfraß”
Generationen/Jahreine (univoltin)
Überwinterungals Ei am Holz (an Knospen, in Rindenritzen der Krone)
HauptgegenspielerMeisen und andere Vögel, Schlupf- und Brackwespen, Raubinsekten, Laufkäfer

Erkennen & Schadbild

Die Raupe ist das Stadium, an dem du den Befall festmachst — und sie ist mit etwas Übung unverwechselbar. Ausgewachsen wird die Raupe des Kleinen Frostspanners bis zu zweieinhalb Zentimeter lang und ist gelblich- bis frischgrün gefärbt, mit einer dunkleren Rückenlinie und mehreren hellen, weißlichen Längsstreifen an den Seiten. Das eigentliche Erkennungszeichen ist jedoch der Gang: Spannerraupen besitzen nur am Vorderkörper und am Hinterende Beinpaare, in der Mitte fehlen die Bauchfüße. Deshalb krümmen sie beim Kriechen den Rücken zum auffälligen Katzenbuckel, ziehen das Hinterende nach vorn und strecken sich dann wieder — eine “schreitende”, schleifenförmige Fortbewegung, die der Familie ihren Namen gab. Bei Störung lassen sich die Raupen oft an einem Spinnfaden fallen und hängen frei in der Luft.

Die Raupe des Großen Frostspanners ist dem zum Verwechseln ähnlich, aber meist kräftiger gefärbt — rotbraun bis gelbbraun auf dem Rücken, mit einem gelben Seitenstreifen. Den Falter des Kleinen Frostspanners bekommst du nur im Spätherbst und Winter zu Gesicht: Das Männchen ist ein unscheinbarer, gräulich- bis gelbbrauner Nachtfalter mit fein gewellten Querlinien, der nachts ums Licht schwirrt. Das Weibchen dagegen ist mit fünf bis acht Millimetern winzig, graubraun, hat nur kümmerliche Flügelstummel und sitzt mit langen Beinen am Stamm — wer es nicht kennt, hält es kaum für einen Schmetterling. Die Eier überwintern einzeln oder in kleinen Gruppen an Knospen und in Rindenritzen der Krone und verfärben sich vor dem Schlupf orangerot.

Das Schadbild ist eng an den Austrieb gekoppelt und beginnt früh. Sobald die Knospen schwellen, bohren sich die jungen Räupchen hinein und höhlen sie aus (Knospenfraß) — diese Knospen treiben gar nicht erst aus. Entfalten sich die Blätter, fressen die Raupen unregelmäßige Löcher (Lochfraß), schaben die Blattfläche einseitig ab und lassen nur ein hauchdünnes Häutchen oder das Adergerüst stehen (Fenster- und Skelettierfraß). Besonders schmerzhaft ist der Blütenfraß: Werden die Blütenanlagen zerstört, fehlt im Herbst der Ertrag. Typisch ist außerdem, dass die Raupen junge Blattbüschel und Blüten mit Spinnfäden locker zusammenspinnen und sich darin geschützt verstecken.

SchadbildWie es entstehtWoran du es erkennst
Knospenfraßjunge Raupen bohren sich in schwellende Knospen und höhlen sie ausKnospen treiben nicht aus oder nur verkrüppelt; ausgehöhlte, vertrocknende Knospen im Frühjahr
Lochfraß an Blätterngrößere Raupen fressen unregelmäßige Löcher in junge BlätterDurchlöcherte, ausgefranste Blätter; bei starkem Befall nur noch Blattrippen übrig
Fenster- und SkelettierfraßRaupen schaben die Blattfläche einseitig ab, lassen Häutchen oder Adern stehenDurchscheinende, “fensterartige” Stellen; freigelegtes Blattskelett
BlütenfraßRaupen fressen Blütenanlagen und geöffnete BlütenZerstörte, angefressene Blütenbüschel; ausbleibender Fruchtansatz im selben Jahr
Versponnene BlattbüschelRaupen ziehen junge Blätter und Triebspitzen mit Spinnfäden zusammenLose zusammengesponnene Blatt- und Blütenbüschel mit versteckter Raupe im Inneren

Eine häufige Verwechslung: Den unregelmäßigen Lochfraß schreibt man im Frühjahr gern Schnecken oder dem Apfelblattsauger zu. Der entscheidende Hinweis ist die Raupe selbst mit ihrem Katzenbuckel-Gang und die typische Kombination aus zerstörten Knospen, Blüten und versponnenen Blattbüscheln. Wer im April einen befallenen Zweig kräftig schüttelt, sieht die Raupen an Fäden herabhängen — der schnellste Test überhaupt.


Lebensweise & Vermehrung

Der Frostspanner bildet nur eine Generation pro Jahr (univoltin), und sein gesamter Lebenslauf ist auf einen einzigen Punkt zugeschnitten: Die Raupen müssen genau dann fressbereit sein, wenn die Gehölze austreiben. Diese enge Kopplung an den Austrieb macht ihn einerseits gefährlich — er trifft die Pflanze im verletzlichsten Moment —, andererseits gut berechenbar, weil sein Kalender Jahr für Jahr gleich abläuft.

Den Zyklus solltest du kennen, denn er bestimmt, wann deine Maßnahmen wirken. Im Spätherbst, mit den ersten Frösten ab Oktober, schlüpfen die Falter aus im Boden ruhenden Puppen. Die Männchen fliegen nachts auf der Suche nach Weibchen, die flugunfähigen Weibchen klettern den Stamm hinauf in die Krone. Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier einzeln an Knospen und in Rindenritzen ab. Diese Eier überwintern am Holz und überstehen den Frost. Im Frühjahr, pünktlich zum Knospenaufbruch (etwa April), schlüpfen die Räupchen und beginnen sofort mit dem Fraß. Nach einigen Wochen sind sie ausgewachsen, lassen sich zu Boden ab, verpuppen sich im Erdreich — und ruhen dort den ganzen Sommer über bis zum nächsten Spätherbst.

Zeitraum (Richtwert)StadiumWas passiert
Oktober–DezemberFalterSchlupf bei Frost; Männchen fliegen nachts, flugunfähige Weibchen klettern den Stamm hinauf; Paarung
Spätherbst–WinterEiEiablage an Knospen und in Rindenritzen der Krone; die Eier überwintern frostsicher am Holz
April (Knospenaufbruch)JungraupeRäupchen schlüpfen synchron zum Austrieb und beginnen den Fraß an Knospen und Blättern
April–Mai/JuniRaupeFraß an Blättern und Blüten, mehrere Häutungen; ausgewachsene Raupen seilen sich zu Boden ab
Sommer (ab Juni)PuppeVerpuppung im Erdreich; lange Sommerruhe (Diapause) bis zum nächsten Spätherbst

Aus diesem Kalender ergeben sich zwei praktische Schlüsse. Erstens: Die flugunfähigen Weibchen sind die offene Flanke des Frostspanners — sie müssen über den Stamm laufen, und genau dort kannst du sie ab Herbst mit einem Leimring abfangen, bevor sie überhaupt Eier legen. Zweitens: Weil die Raupen synchron zum Knospenaufbruch schlüpfen und nur wenige Wochen fressen, gibt es ein klar umrissenes Behandlungsfenster im Frühjahr — junge Raupen lassen sich biologisch deutlich leichter treffen als ältere. Wer beide Zeitfenster (Herbst am Stamm, Frühjahr im jungen Raupenstadium) nutzt, hält den Frostspanner zuverlässig in Schach.


Natürliche Gegenspieler

Anders als der eingeschleppte Buchsbaumzünsler ist der Frostspanner ein heimischer Schädling, der seit jeher in ein dichtes Netz natürlicher Gegenspieler eingebunden ist. Das ist die gute Nachricht: In einem strukturreichen, naturnahen Garten halten Vögel und nützliche Insekten den Befall oft schon weitgehend in Grenzen, sodass du seltener selbst eingreifen musst. Einen Überblick, wie tierische Helfer im Garten zusammenwirken, findest du unter Nützlinge.

Die wichtigsten Gegenspieler sind die Meisen: Kohl- und Blaumeisen verfüttern im Frühjahr enorme Mengen kleiner Raupen — gerade Frostspannerraupen — an ihre Brut. Ein einziges Meisenpaar trägt während der Aufzucht Tausende Raupen ein. Wer im Garten Nistkästen aufhängt, fördert damit gezielt den wirksamsten natürlichen Feind des Frostspanners. Hinzu kommen weitere Vögel sowie Schlupf- und Brackwespen, die ihre Eier in Raupen oder Eier des Spanners legen, räuberische Wanzen und Käfer im Blattwerk und nicht zuletzt die bodenlebenden Räuber, die Puppen und herabgelassene Raupen erbeuten.

GegenspielerWirkprinzipBesonderheit
Meisen (Kohl-, Blaumeise)RäuberWichtigster Gegenspieler; verfüttern im Frühjahr Tausende Raupen an die Brut — mit Nistkästen gezielt förderbar
Weitere VögelRäuberLesen Raupen und Puppen ab; profitieren von Hecken und Strukturvielfalt
Schlupf- & BrackwespenParasitoidLegen Eier in Frostspanner-Eier oder -Raupen; die Larven töten den Wirt von innen
Raubwanzen, Florfliegen, MarienkäferRäuberErbeuten Eier und junge Räupchen im Blattwerk
Laufkäfer & BodenräuberRäuberFressen verpuppungsbereite, herabgelassene Raupen und Puppen im Boden

Die praktische Erkenntnis: Beim Frostspanner kannst du dir die Natur stark zunutze machen. Bevor du zu Bekämpfungsmitteln greifst, lohnt es sich fast immer, zuerst die Gegenspieler zu fördern — Nistkästen für Meisen, blühende Säume und Hecken für Parasitoide und Räuber, ein nicht zu “aufgeräumter” Boden für die Bodenräuber. In vielen Gärten reicht das in Kombination mit einem Leimring schon aus, um unter der Schadschwelle zu bleiben.


Vorbeugen & Regulieren

Wie bei jedem Schädling steht auch beim Frostspanner zuerst das Abwägen: Nicht jeder angefressene Trieb verlangt nach einer Behandlung. Ein gesunder, etablierter Baum verträgt einen gewissen Fraß problemlos und gleicht ihn aus. Frag dich also zunächst, ob der Befall die Schadschwelle überhaupt überschreitet — also den Punkt, ab dem der zu erwartende Ertrags- oder Wuchsverlust den Aufwand und mögliche Nebenwirkungen einer Bekämpfung rechtfertigt. Erst wenn du regelmäßig starken Befall, kahl gefressene Triebe und spürbare Ertragseinbußen hast, ist konsequentes Eingreifen sinnvoll — und dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten.

  1. Vorbeugen & fördern — Gegenspieler unterstützen (Meisen-Nistkästen), Befall im Blick behalten.
  2. Mechanisch — Leimringe ab Oktober gegen die hochkletternden Weibchen, Raupen absammeln.
  3. BiologischBacillus thuringiensis gezielt im jungen Raupenstadium ausbringen.
  4. Letztes Mittel — punktuelle Insektizide nur bei massivem, anders nicht beherrschbarem Befall.
MaßnahmeStufeWann / wie
Meisen-Nistkästen aufhängenVorbeugenIm Winter/Frühjahr anbringen; fördert den wichtigsten Gegenspieler für die Brutsaison
Strukturvielfalt fördernVorbeugenHecken, Blühsäume, ungestörter Boden stärken Vögel, Parasitoide und Bodenräuber
Befall kontrollierenVorbeugenIm April Triebe und Blütenbüschel prüfen, Zweige schütteln (Raupen seilen sich ab)
Leimring am StammMechanischAb Oktober anlegen, bis ins Frühjahr belassen; fängt die hochkletternden flugunfähigen Weibchen
Stützpfähle mitleimenMechanischAuch Baumpfähle und Nachbarstämme beleimen, sonst klettern Weibchen über Umwege hinauf
Raupen absammeln / abschüttelnMechanischBei geringem Befall einzelne Raupen entfernen oder über einem Tuch abschütteln
Bacillus thuringiensis (Bt)BiologischBakterienpräparat (B. t. ssp. kurstaki) auf junge Raupen sprühen; sie stellen den Fraß ein und sterben
Punktuelles InsektizidLetztes MittelNur bei massivem Befall und gezielt; trifft auch Nützlinge — sparsam und überlegt einsetzen

Der klassische und wirksamste Hebel beim Frostspanner ist der Leimring. Weil die Weibchen nicht fliegen können, müssen sie zur Eiablage zwingend über den Stamm in die Krone klettern. Ein etwa zehn Zentimeter breiter, ringsum dicht anliegender Leimstreifen versperrt ihnen den Weg, sodass sie kleben bleiben, bevor sie Eier legen. Entscheidend sind dabei drei Dinge: Anlegen ab Oktober (vor Flugbeginn) und bis ins Frühjahr belassen; den Ring lückenlos anbringen, damit kein Spalt unter der Rinde frei bleibt; und alle Aufstiegswege mit beleimen — auch Baumpfähle, angelehnte Äste oder eng benachbarte Stämme, über die die Weibchen sonst einen Umweg nehmen.

Reicht der Leimring nicht oder ist der Befall schon im Frühjahr deutlich, kommt Bacillus thuringiensis ins Spiel — dasselbe Bodenbakterium, das auch gegen den Buchsbaumzünsler und die Apfelwickler-Raupe eingesetzt wird. Es bildet ein Eiweiß, das nur im Darm fressender Schmetterlingsraupen wirkt und für Mensch, Bienen und die meisten Nützlinge unbedenklich ist. Wirksam ist es vor allem auf die jungen, kleinen Raupen kurz nach dem Schlupf zum Knospenaufbruch — bei großen Raupen lässt die Wirkung nach. Ein chemisches Insektizid bleibt das allerletzte Mittel für massiven, anders nicht beherrschbaren Befall, denn es trifft auch die zahlreichen nützlichen Gegenspieler, auf die du beim Frostspanner sonst bauen kannst.


Häufige Fehler und Mythen

“Der Falter frisst die Blätter.” Falsch — der Falter nimmt im Spätherbst praktisch keine Nahrung auf und schadet dem Baum nicht. Den gesamten Fraß an Knospen, Blättern und Blüten verursacht allein die grüne Raupe im Frühjahr. Wer im Herbst etwas tut (Leimring), zielt auf das eierlegende Weibchen, nicht auf einen fressenden Falter.

“Den Leimring kann man jederzeit anbringen.” Nein. Der Ring muss vor dem Flugbeginn der Weibchen hängen — also ab Oktober. Wer erst im November oder gar im Frühjahr leimt, fängt nur noch einen Teil der Weibchen, die längst Eier in der Krone abgelegt haben. Und er muss bis ins Frühjahr belassen werden, weil sich der Falterflug über Wochen zieht.

“Ein Leimring genügt, egal wie er sitzt.” Auch das stimmt nicht. Bleibt der Ring undicht, klafft ein Spalt unter der Rinde, oder führt ein Baumpfahl, ein angelehnter Ast oder ein Nachbarstamm an ihm vorbei, klettern die Weibchen einfach über den Umweg hinauf. Der Ring muss lückenlos anliegen, und alle Aufstiegswege müssen mitbeleimt sein.

“Wenn ich Raupen sehe, ist es zu spät.” Nicht zwingend. Junge Raupen lassen sich mit Bacillus thuringiensis noch gut bekämpfen, und ein gesunder Baum steckt mäßigen Fraß weg. Erst bei starkem, wiederholtem Kahlfraß leidet der Ertrag dauerhaft. Vor jedem Eingriff lohnt der Blick auf die Schadschwelle.

“Frostspanner und Buchsbaumzünsler sind dasselbe.” Nein. Beides sind grüne Raupen, aber der Frostspanner hat den typischen Katzenbuckel-Gang (Spanner), frisst im Frühjahr an Laub- und Obstgehölzen und hat ein flugunfähiges Weibchen. Der Buchsbaumzünsler frisst ganzjährig in mehreren Generationen ausschließlich am Buchs und kriecht ohne Katzenbuckel.


Abgrenzung zu ähnlichen Raupen und Faltern

Nicht jede grüne Raupe an deinen Gehölzen ist ein Frostspanner — und der Kleine Frostspanner hat einen großen Verwandten, der ihm zum Verwechseln ähnelt. Diese Übersicht hilft dir, die Arten richtig zuzuordnen, denn der Zeitpunkt des Fraßes und die Lebensweise unterscheiden sich.

ArtErkennungszeichenWie du sie vom Kleinen Frostspanner unterscheidest
Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata)grüne Raupe mit hellen Längsstreifen, Katzenbuckel-Gang; Weibchen mit FlügelstummelnFrischgrün, schlank; Falterflug Okt.–Dez.; eine Generation; Frühjahrsfraß an vielen Gehölzen
Großer Frostspanner (Erannis defoliaria)rotbraun-gelbe Raupe mit gelbem Seitenstreifen, ebenfalls Katzenbuckel; Weibchen flügellosKräftiger gefärbte Raupe, größerer Falter; gleiche Lebensweise, oft am selben Baum
Andere Spannerraupen (Geometridae)sehr unterschiedlich, oft astähnlich getarnt, immer mit Katzenbuckel-GangSpannergang ja, aber andere Färbung/Wirtspflanze; viele sind harmlose Wildarten
Wickler (z. B. Apfelwickler)kleine Raupe ohne Katzenbuckel; frisst in der Frucht, nicht an KnospenNormaler Gang mit allen Bauchfüßen; Schaden im Apfel/Birne, nicht am Austrieb
Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis)grün-schwarz gestreifte Raupe, Gespinste, am BuchsKein Katzenbuckel; nur am Buchs; mehrere Generationen, flugfähiges Weibchen

Die wichtigste Faustregel: Der Katzenbuckel-Gang weist die Raupe als Spanner aus und schließt Wickler und Zünsler aus. Für die Unterscheidung von Kleinem und Großem Frostspanner zählt die Raupenfärbung — frischgrün und schlank beim Kleinen, rotbraun-gelb beim Großen. Praktisch ist das aber zweitrangig, denn beide Arten haben dieselbe Lebensweise mit flugunfähigem Weibchen und werden mit denselben Mitteln (Leimring, Bt, Förderung von Meisen) reguliert. Vom Frostspanner grundsätzlich abzugrenzen sind außerdem die unzähligen heimischen Schmetterling-Arten, deren Spannerraupen sich von wilden Pflanzen ernähren und im Garten erwünscht sind.


Mitnehmen

  1. Der Frostspanner ist ein heimischer Spanner mit Frühjahrsfraß. Der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) und sein großer Verwandter befallen Obst- und Laubgehölze; Schaden macht nur die Raupe im Frühjahr, nicht der Falter im Spätherbst.

  2. Erkenne ihn am Katzenbuckel-Gang. Die grüne Raupe mit hellen Längsstreifen zieht beim Kriechen den Rücken zum Katzenbuckel — dieses Merkmal unterscheidet sie eindeutig von Wicklern und vom Buchsbaumzünsler. Bei Störung seilt sie sich an einem Faden ab.

  3. Das Schadbild trifft den Austrieb. Knospenfraß, durchlöcherte und “fenstrige” Blätter, zerstörte Blüten und versponnene Blattbüschel im April sind typisch — Blütenfraß kostet direkt den Ertrag desselben Jahres.

  4. Die flugunfähigen Weibchen sind die Schwachstelle. Weil sie zur Eiablage zu Fuß den Stamm hinaufklettern müssen, fängst du sie ab Oktober mit einem lückenlosen Leimring ab — auch alle Pfähle und Nebenwege mitbeleimen.

  5. Nutze die natürlichen Gegenspieler. Als heimische Art hat der Frostspanner viele Feinde: Meisen verfüttern Tausende Raupen an ihre Brut — mit Nistkästen förderst du gezielt den wirksamsten Helfer. Dazu kommen Schlupfwespen und Bodenräuber.

  6. Halte die Stufenfolge ein. Erst abwägen (Schadschwelle) und Gegenspieler fördern, dann der Leimring im Herbst, dann Bacillus thuringiensis aufs junge Raupenstadium im Frühjahr — ein Insektizid bleibt das letzte Mittel für massiven Befall.


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