Gallmücken und Gallmilben erkennen und richtig handeln
Inhalt12Abschnitte
- Gallen gefunden: die ersten Schritte
- Was unterscheidet Gallmücken und Gallmilben?
- Typische Schadbilder an Kohl, Birne und Beeren
- Lebensweise: Warum der Zeitpunkt entscheidend ist
- Maßnahmen bei Kohl, Birne und Beeren
- Natürliche Gegenspieler unterstützen
- Ähnliche Schäden unterscheiden
- Häufige Fehler bei Gallmücken und Gallmilben
- Das Wichtigste zu Gallmücken und Gallmilben
- Verwandte Seiten
- Infografik: Unterschiede und erste Maßnahmen
- Einordnung
Verdrehte Kohlherzen, Pocken auf Birnenblättern, kugelige Johannisbeerknospen oder rote Hörnchen am Ahorn: Hinter solchen Veränderungen können Gallmücken oder Gallmilben stecken. Die Verursacher sind klein, ihre Spuren dagegen auffällig. Nicht jede Wucherung stammt von diesen Tieren, und nicht jede verlangt eine Bekämpfung.
Entscheidend sind Wirtspflanze, Schadbild, Befallsentwicklung und Pflanzenzustand. Typische Blattgallen an kräftigen Gehölzen kannst du meist belassen. Schäden an Früchten oder am Vegetationspunkt und mögliche Virusübertragung brauchen eine genauere Prüfung. Diese Seite hilft dir, den Befall einzuordnen und passende Maßnahmen rechtzeitig zu wählen.
Gallen gefunden: die ersten Schritte
- Pflanze und betroffenen Teil bestimmen: Sitzt die Veränderung am Blatt, an einer Knospe, an der Frucht, am Kohlherz oder an der Wurzel?
- Mehrere Stellen vergleichen: Kontrolliere auch gesunde Pflanzenteile und Nachbarpflanzen. Ein einzelnes verformtes Blatt reicht für eine sichere Zuordnung meist nicht aus.
- Bei wichtigen Nutzpflanzen früh handeln: Auffällige Birnenfrüchtchen prüfen, Johannisbeerknospen vor dem Austrieb kontrollieren und gefährdete Kohlpflanzungen von Anfang an schützen.
- Harmloses belassen: Bei typischen Blattgallen ohne erkennbare Wachstumsprobleme ist meist keine Maßnahme nötig. Bei unklaren oder zunehmenden Schäden helfen der Pflanzen-Doktor und die Garten- oder Pflanzenschutzberatung.
Was unterscheidet Gallmücken und Gallmilben?
Eine Galle ist eine abnorme, örtlich begrenzte Veränderung aus pflanzlichem Gewebe. Durch die Aktivität eines Gallbildners können Zellen wachsen oder sich vermehren. Gallen können unter anderem durch Milben, Mücken, Gallwespen, Blattläuse, Nematoden und bestimmte Krankheitserreger entstehen. Die Form allein verrät deshalb nicht immer den Verursacher.
Gallmücken (Cecidomyiidae) gehören zu den Zweiflüglern. Erwachsene Tiere haben sechs Beine und ein Flügelpaar; die Larven sind beinlose Maden. Viele pflanzenfressende Arten leben in Gallen, andere schädigen beispielsweise junge Früchte oder den Vegetationspunkt. Nicht alle Gallmücken sind Schädlinge: Die Larven der räuberischen Gallmücke Aphidoletes aphidimyza fressen Blattläuse und werden als Nützlinge eingesetzt.
Gallmilben (Eriophyidae) sind Spinnentiere. Sie haben einen länglichen, oft wurmförmigen Körper und zwei Beinpaare ganz vorn. Meist lassen sie sich erst bei starker Vergrößerung sicher erkennen. Viele Arten erzeugen Pocken, Filzbeläge oder Knospenvergrößerungen, aber nicht alle bilden sichtbare Gallen. Die Brombeergallmilbe verursacht beispielsweise Reifestörungen an den Früchten.
| Merkmal | Gallmücken | Gallmilben |
|---|---|---|
| Einordnung | Insekten, Familie Cecidomyiidae | Spinnentiere, Familie Eriophyidae |
| Körper | erwachsene Mücke: sechs Beine, ein Flügelpaar; Larve: beinlose Made | länglich, zwei Beinpaare am Vorderkörper |
| Größe | Erwachsene wenige Millimeter; Larvengröße je nach Art, bei der Birnengallmücke bis etwa 4 mm | je nach Art etwa 0,08–0,3 mm |
| Erkennen | Schadbild und gegebenenfalls Maden an befallenen Pflanzenteilen | Schadbild an der passenden Wirtspflanze; genaue Bestimmung oft nur mit Vergrößerung |
| Lebensweise | je nach Art pflanzenfressend, räuberisch oder mit anderer Nahrung | pflanzenfressend; oft an eine Pflanzenart oder nahe verwandte Arten gebunden |
| Gegenspieler | unter anderem parasitoide Wespen und räuberische Bodentiere | je nach Art und Kultur Raubmilben; versteckte Knospenbewohner sind schwer erreichbar |
Zur Einordnung: RHS über Gallmilben und University of Minnesota über Pflanzengallen.
Typische Schadbilder an Kohl, Birne und Beeren
| Pflanze und möglicher Verursacher | Frühe und spätere Hinweise | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kohl: Kohldrehherzmücke (Contarinia nasturtii) | verdrehte Herzblätter, geschädigter Vegetationspunkt, verkrüppelter oder fehlender Kopf- beziehungsweise Blumenansatz; kleine weißliche bis gelbliche Maden können zwischen jungen Blättern sitzen | vor allem an empfindlichen Kulturen wie Brokkoli erhebliche Ertragsverluste möglich |
| Birne: Birnengallmücke (Contarinia pyrivora) | junge Früchtchen wachsen zunächst auffällig schnell, sind verdickt und weicher; später schwärzen sie sich und fallen ab; im Inneren können zahlreiche weißliche bis orangeweiße Maden sitzen | Befallsstärke und Ernteverlust schwanken zwischen Jahren |
| Birne: Birnenpockenmilbe (Eriophyes pyri) | kleine, leicht erhabene grünliche, gelbliche oder rötliche Pocken auf jungen Blättern, später braunschwarz | Blattbefall beeinträchtigt Gesundheit und Ertrag meist wenig; auch Früchte und Stiele können betroffen sein |
| Vor allem Schwarze Johannisbeere: Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis) | im Winter und zeitigen Frühjahr ungewöhnlich kugelige Rundknospen; sie treiben oft nicht oder nur schwach aus und vertrocknen | Knospenschäden und Ertragsverlust; die Milbe kann das Virus der Reversionskrankheit übertragen |
| Brombeere: Brombeergallmilbe (Acalitus essigi) | einzelne Teilfrüchtchen bleiben rot und hart, während andere schwarz werden; Früchte reifen ungleichmäßig und können eintrocknen | Fruchtschäden ohne auffällige Gallen |
| Laubgehölze: verschiedene Gallbildner | beispielsweise Hörnchen, Pusteln, Blattrollen oder Filzbeläge | an etablierten, kräftigen Pflanzen meist ohne nennenswerte Gesundheitsprobleme |
Ein Schadbild ist zunächst ein Hinweis. Schwarze Birnenfrüchtchen können auch andere Ursachen haben; auffällige Rundknospen bestätigen keine Virusinfektion. Maden und Wirtspflanze helfen bei der Eingrenzung, eine sichere Artbestimmung kann aber zusätzliche Untersuchung verlangen.
Gallen benötigen pflanzliche Ressourcen. Trotzdem beeinträchtigen viele Blattgallen einen kräftigen Baum kaum. Starker Befall, junge Pflanzen, wiederholte Triebschäden oder nachlassendes Wachstum rechtfertigen eine genauere Prüfung. Die Schadschwelle hängt vom jeweiligen Fall ab; eine einheitliche Grenze gibt es hier nicht.
Fachliche Beispiele: RHS zur Birnengallmücke, HSWT/Arbofux zur Birnenpockenmilbe und Landwirtschaftskammer NRW zur Brombeergallmilbe.
Lebensweise: Warum der Zeitpunkt entscheidend ist
Gallmücken entwickeln sich vom Ei über die Made und die Puppe zur erwachsenen Mücke. Die Kohldrehherzmücke hat je nach Witterung mehrere Generationen und überdauert im Boden. Die Birnengallmücke hat in der Regel eine Generation im Jahr: Die Weibchen legen Eier in die noch nicht geöffneten Birnenblüten. Die Larven entwickeln sich in den Früchtchen, wandern anschließend in den Boden ab und überwintern dort in Kokons; die Verpuppung erfolgt im Frühjahr.
Gallmilben überwintern je nach Art in Knospen, unter Knospenschuppen, in Rindenverstecken oder an anderen geschützten Stellen. Die Birnenpockenmilbe verlässt ihre Blattpocken vor dem Laubfall und sucht Überwinterungsplätze an den Knospen. Alte befallene Blätter im Herbst zu entfernen erreicht diese Tiere dann nicht mehr.
Johannisbeergallmilben sitzen in großer Zahl in Rundknospen. Mit der Vegetationsentwicklung wandern sie in neue Knospen; in Deutschland liegt die Hauptwanderung häufig im April und Mai, bei früher Entwicklung beginnt sie schon vorher. Wind und Regen können sie zu anderen Sträuchern tragen. Entferne auffällige Knospen deshalb im Winter beziehungsweise vor dem Austrieb und der Abwanderung. Kalenderdaten sind nur eine Orientierung; Witterung und Pflanzenentwicklung entscheiden mit.
Hygiene hilft, wenn sie das besiedelte Pflanzenteil zur richtigen Zeit entfernt. Das pauschale Abräumen sämtlicher alter Gallen ist weder erforderlich noch zuverlässig wirksam. Hinweise zu Johannisbeeren gibt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.
Maßnahmen bei Kohl, Birne und Beeren
| Situation | Wann kontrollieren? | Geeignete erste Maßnahme | Grenze der Wirkung |
|---|---|---|---|
| Kohldrehherzmücke zu erwarten | ab Pflanzung, im weiteren Kulturverlauf Herzblätter prüfen | auf befallsfreier Fläche früh ein geeignetes Kulturschutznetz auflegen, Ränder schließen und Fruchtfolge planen | Mücken aus befallenem Boden können unter dem Netz schlüpfen; ein zerstörter Vegetationspunkt wird dadurch nicht wiederhergestellt |
| Auffällige Birnenfrüchtchen | nach der Blüte und während der frühen Fruchtentwicklung | befallene Früchtchen möglichst am Baum entfernen, bevor die Larven abwandern; abgefallene Früchte zeitnah sammeln | reines Fallobstsammeln kann zu spät kommen |
| Birnenblattpocken ohne Wachstumsprobleme | junge Blätter im Frühjahr, später Befallsentwicklung verfolgen | meist belassen und Baum bedarfsgerecht pflegen | großflächiges Entlauben kann mehr schaden als der Milbenbefall |
| Einzelne Johannisbeer-Rundknospen | Winter bis vor Austrieb und Milbenwanderung | einzelne auffällige Knospen ausbrechen und sicher entsorgen | versteckte Milben können verbleiben; eine Virusinfektion wird nicht geheilt |
| Viele Rundknospen an einzelnen Trieben | möglichst vor der Abwanderung | stark betroffene Triebe ausschneiden; bei umfassendem Befall Beratung zu Rückschnitt oder Ersatz einholen | stark geschädigte Sträucher erholen sich nicht sicher; Reversionsverdacht gesondert prüfen |
| Brombeeren mit roten, harten Teilfrüchtchen | während der Fruchtreife; Befall für die Nacherntepflege notieren | befallene Fruchtreste und abgetragene Ruten entfernen, Rückschnitt an die Tragweise der Sorte anpassen | vorhandene Fruchtschäden bleiben; andere Ursachen ungleichmäßiger Reife ausschließen |
| Typische Blattgallen an kräftigen Gehölzen | gelegentlich Wachstum und Befallsentwicklung beobachten | meist belassen | bei jungen Pflanzen, starkem Befall oder Triebschäden genauer prüfen |
Befallene Früchtchen, Rundknospen und Schnittreste zügig von den betroffenen Pflanzen wegbringen und nach örtlichen Entsorgungshinweisen beseitigen. Besiedelte Teile nicht neben den Pflanzen liegen lassen und nicht auf den Hauskompost geben. Das ist keine Aufforderung, harmlose Blattgallen generell zu entfernen.
Kohl mit Netz und Fruchtfolge schützen
Für die Kohldrehherzmücke werden feinmaschige Kulturschutznetze mit etwa 0,8 × 0,8 mm Maschenweite empfohlen. Lege sie möglichst direkt nach der Pflanzung und vor dem Einflug auf, schließe die Ränder lückenlos und kontrolliere Löcher und offene Stellen. Das Netz sollte zur Zielart passen; eine Bezeichnung wie „Gemüseschutznetz“ allein reicht nicht.
Wähle eine Fläche ohne entsprechenden Vorjahresbefall. Sind bereits Entwicklungsstadien im Boden, können Mücken innerhalb der Abdeckung schlüpfen. Auch benachbarte Befallsflächen können Ausgangspunkte sein. Ein jährlicher Wechsel um wenige Meter garantiert deshalb keinen Schutz. Plane eine weite Fruchtfolge mit Anbaupausen für Kreuzblütler und berücksichtige kreuzblütige Ausfallpflanzen und Unkräuter. Hinweise zu Netz, Boden und Zuwanderung: Hortipendium zur Kohldrehherzmücke.
Johannisbeere: Milbenbefall und Reversionskrankheit trennen
Rundknospen sind ein Hinweis auf Milbenbefall, kein Nachweis der Reversionskrankheit. Ungewöhnliche Blatt- oder Blütenformen und anhaltend fehlender Fruchtansatz können weitere Verdachtszeichen sein, haben aber auch andere mögliche Ursachen. Lass einen solchen Verdacht fachlich prüfen.
Das Ausbrechen von Knospen oder Ausschneiden befallener Triebe senkt den Milbenbestand und kann die weitere Ausbreitung vermindern. Es garantiert nicht, dass keine Viren übertragen werden, und heilt keine bereits bestehende Virusinfektion. Bei bestätigter Reversionskrankheit sollte der betroffene Strauch entfernt werden. Von verdächtigen oder erkrankten Sträuchern keine Stecklinge gewinnen.
Nutze gesundes, möglichst geprüftes Pflanzgut. Bei Sorten ist die Art der Widerstandsfähigkeit wichtig: ‘Ben Hope’ gilt als teilweise gallmilbenresistent, ‘Ben Gairn’ als resistent gegen das Reversionsvirus. Das sind unterschiedliche Eigenschaften; Milbenresistenz und Virusresistenz dürfen nicht gleichgesetzt werden. Grundlagen: James Hutton Institute zur Reversionskrankheit und zur Sortenzüchtung. Pflegehinweise findest du unter Johannisbeere anbauen.
Birne und Brombeere: befallene Früchte richtig einordnen
Bei der Birnengallmücke ist das frühe Entfernen auffällig verdickter Früchtchen wichtiger als spätes Aufsammeln bereits verlassener Früchte. Prüfe verdächtige Früchtchen auf Larven. Leichter Befall kann tolerierbar sein; nicht jeder vorzeitige Fruchtfall wird durch die Mücke verursacht.
Birnenblattpocken brauchen meist keine Bekämpfung. Bei wenigen befallenen Blättern kann frühes Entfernen den Besatz verringern; einen stark befallenen Baum solltest du deshalb aber nicht entlauben. Die RHS erläutert die Grenzen der Blattentfernung.
Bei Brombeeren können rote, harte Teilfrüchtchen auf die Brombeergallmilbe hinweisen. Entferne betroffene Fruchtreste und pflege die Ruten nach der Ernte passend zur Sorte; ein pauschaler starker Rückschnitt aller Ruten würde auch künftige Ernte kosten. Mehr zur Tragweise und zum Schnitt unter Brombeere anbauen.
Wann können Pflanzenschutzmittel helfen?
Sind die Tiere bereits tief in Gallen oder Knospen verborgen, erreichen Kontaktmittel sie häufig schlecht. Bereits entstandene Gallen oder geschädigte Früchte werden durch eine Behandlung nicht wieder gesund. Daraus folgt aber nicht, dass jede Spritzung wirkungslos ist: Bei manchen Arten können Maßnahmen vor der Gallenbildung oder während einer exponierten Wanderungsphase den Befall mindern.
Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt von Art, Befallsdruck, Zeitpunkt und verfügbaren Anwendungen ab. Verwende gegebenenfalls nur ein aktuell für Kultur, Schädling, Einsatzort und nichtberufliche Anwender zugelassenes Mittel nach Gebrauchsanleitung; prüfe auch Wartezeiten und die Verträglichkeit mit Nützlingen. Eine allgemeine Empfehlung für „ein Insektizid gegen Gallbildner“ passt nicht zu dieser unterschiedlichen Tiergruppe. Bei unklarer Diagnose oder wiederholtem starkem Befall ist Beratung sinnvoll. Grundlagen zu Zeitpunkt und Mitteln: DLR-Sachkundebroschüre, Abschnitt Gallmilben.
Natürliche Gegenspieler unterstützen
Bei verschiedenen Gallmücken können Schlupfwespen und andere parasitoide Wespen die Larven parasitieren. Räuberische Bodentiere wie Laufkäfer können abwandernde Larven und im Boden liegende Stadien erbeuten. Wie stark sie den Befall begrenzen, hängt von Art, Standort und Jahresverlauf ab; eine allgemein hohe Parasitierungsrate lässt sich nicht versprechen.
Raubmilben sind auch bei Gallmilben relevant. Im Weinbau nimmt beispielsweise Typhlodromus pyri Kräusel- und Blattgallmilben als Nahrung an. Tief in Johannisbeerknospen lebende Tiere sind dagegen schwer erreichbar. Deshalb lässt sich weder eine generell geringe Wirkung noch eine zuverlässige Bekämpfung aller Gallmilben durch Raubmilben ableiten. Fachlicher Hintergrund: DLR-Sachkunde Weinbau, Abschnitt Raubmilben.
Förder vielfältige Lebensräume und vermeide ungezielte Behandlungen, die Gegenspieler mit schädigen. Die räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidimyza ist selbst ein Nützling gegen Blattläuse; sie bekämpft nicht automatisch andere Gallmücken oder Gallmilben. Grundlagen bietet Nützlinge fördern.
Ähnliche Schäden unterscheiden
| Beobachtung | Andere mögliche Ursache und Prüfung |
|---|---|
| Verdrehtes oder fehlendes Kohlherz | auch andere Fraßschäden oder Wachstumsstörungen möglich; junge Blätter auseinanderlegen und nach Larven sowie Fraßspuren suchen |
| Knollige Kohlwurzeln und Welke | Verdacht auf Kohlhernie durch den bodenbürtigen Protisten Plasmodiophora brassicae; Wurzeln auf Wucherungen und Fraßgänge prüfen, weil auch tierische Verursacher Wurzelgallen bilden können |
| Rote Blasen an Johannisbeerblättern | häufig Johannisbeerblasenlaus; Blattunterseite auf Blattläuse kontrollieren; nicht mit Rundknospen verwechseln |
| Orange Blattflecken an Birnen | unter anderem Birnengitterrost möglich; Pocken der Gallmilbe sind leicht erhaben und können später braunschwarz werden |
| Kugelige Gallen an Eiche oder Rose | häufig Gallwespen; andere Tiergruppe als Gallmücken; Wirtspflanze und Gallenform gemeinsam beurteilen |
| Helle Blattsprenkel, gegebenenfalls Gespinste | Spinnmilben möglich; Tiere und Eier unter den Blättern mit Lupe suchen; Gallmilben können auch ohne sichtbare Gallen schädigen |
Kohlhernie wird nicht durch Gallmücken oder Gallmilben verursacht. Kalkung heilt bereits erkrankte Pflanzen nicht und sollte nur nach Prüfung von Boden-pH und Kalkbedarf erfolgen. Lange Kreuzblütlerpausen und das Vermeiden von Bodenverschleppung können den Befall begrenzen. Mehr dazu auf der verlinkten Kohlhernie-Seite; zur Einordnung des Erregers siehe die Forschungsarbeit zu Plasmodiophora brassicae.
Häufige Fehler bei Gallmücken und Gallmilben
- Alle Gallen entfernen: Typische Blattgallen an kräftigen Gehölzen meist belassen; Art und Pflanzenzustand entscheiden.
- Nur Fallobst sammeln: Bei der Birnengallmücke müssen die Früchtchen vor der Larvenabwanderung entfernt werden.
- Rundknospen mit Virusnachweis gleichsetzen: Milbenbefall und Reversionskrankheit getrennt beurteilen; Knospenentfernung heilt keine Virusinfektion.
- Ein Netz über vorjährig befallenen Boden legen: Mücken können darunter schlüpfen; Fläche, Zeitpunkt und geschlossene Ränder gehören zusammen.
- Raubmilben pauschal ausschließen oder beliebige kaufen: Wirkung und Einsatz hängen von Zielart und Kultur ab.
- Wirkung an alten Gallen messen: Bestehende Veränderungen verschwinden oft nicht. Kontrolliere neue Schäden und die Befallsentwicklung.
Das Wichtigste zu Gallmücken und Gallmilben
Bestimme zuerst Wirtspflanze und Schadbild. Belasse typische, wenig belastende Blattgallen und greife bei relevanten Schäden passend zur Art ein. Frühes Entfernen besiedelter Birnenfrüchtchen und Rundknospen sowie Netzschutz auf geeigneten Kohlflächen können helfen. Keine einzelne Maßnahme garantiert Befallsfreiheit; eine bestätigte Reversionskrankheit braucht ein anderes Vorgehen als bloßer Milbenbefall.
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- Schlupfwespe und Laufkäfer — Gegenspieler kennenlernen
- Spinnmilbe — andere Milbenschäden unterscheiden
- Schadschwelle — Befall und Handlungsbedarf abwägen
Infografik: Unterschiede und erste Maßnahmen
Einordnung
Fachlich geprüft am 1. Oktober 2026. Die Fachquellen erläutern die jeweiligen Arten und Maßnahmen; aus älteren Angaben zu Präparaten darf keine aktuelle Zulassung abgeleitet werden. Zeitangaben dienen der Orientierung und hängen von Standort, Witterung und Pflanzenentwicklung ab.