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Honigbiene — die staatenbildende Nutzbiene der Imkerei

Honigbiene — die staatenbildende Nutzbiene der Imkerei

Wenn an einem warmen Maitag die Obstblüte summt, gehören die schlanken, gelbbraun gestreiften Bienen, die zielstrebig von Blüte zu Blüte arbeiten und mit prall gefüllten Pollenhöschen heimkehren, mit großer Wahrscheinlichkeit zur Honigbiene. Sie ist das Insekt, das die meisten Menschen vor Augen haben, wenn von “der Biene” die Rede ist — und doch ist sie nur eine von vielen hundert Bienenarten bei uns. Anders als die einzeln lebenden Wildbienen ist die Honigbiene ein Haustier: Fast alle Völker, die du im Garten siehst, gehören einer Imkerin oder einem Imker und stehen in bewirtschafteten Beuten.

Hinter dieser scheinbar vertrauten Biene steckt einer der faszinierendsten Insektenstaaten der Welt: ein mehrjähriges Dauervolk aus bis zu 50.000 Tieren, eine ausgeklügelte Arbeitsteilung, eine Verständigung über Tänze und ein Wintervorrat aus Honig, der das Volk durch die kalte Jahreszeit trägt. Dieser Steckbrief zeigt dir, was die Honigbiene ausmacht, wie du sie von Wildbiene, Hummel und Wespe unterscheidest, welche Rolle sie bei der Bestäubung spielt — und warum gerade sie als Nutztier nicht bedroht ist, während die wilden Verwandten deinen Schutz viel dringender brauchen.


Was ist die Honigbiene?

Die Honigbiene (Apis mellifera, Westliche Honigbiene) ist eine staatenbildende Biene aus der Familie der Echten Bienen (Apidae) — und damit nahe verwandt mit Hummeln und vielen Wildbienen. Im Unterschied zu diesen wird sie seit Jahrtausenden vom Menschen gehalten und ist heute ein Nutztier der Imkerei: Die Völker leben in von Imkern betreuten Beuten, werden vermehrt, gepflegt und auf ihren Ertrag an Honig, Wachs und Bestäubungsleistung gezüchtet. Freilebende, “wilde” Honigbienenvölker sind in Mitteleuropa selten und überleben meist nur kurz.

Das Honigbienenvolk ist ein mehrjähriges Dauervolk. Es besteht aus drei Wesen mit klarer Aufgabenteilung: einer einzigen eierlegenden Königin, im Sommer mehreren tausend bis über 50.000 weiblichen Arbeiterinnen und einigen hundert männlichen Drohnen. Anders als der einjährige Hummelstaat stirbt das Honigbienenvolk im Herbst nicht ab: Es zieht sich zur Wintertraube zusammen, in der die Bienen sich gegenseitig wärmen, zehrt vom eingelagerten Honig und überdauert so als ganzes Volk den Winter. Im Frühjahr startet es mit der vorhandenen Mannschaft sofort wieder durch — das ist der entscheidende Unterschied zu allen einjährigen oder solitären Verwandten.

Die Honigbiene auf einen Blick

MerkmalWert
Wissenschaftl. Name / EinordnungApis mellifera (Westliche Honigbiene), Familie Apidae (Echte Bienen); gehaltenes Nutztier
GrößeArbeiterin ca. 11–13 mm, Königin ca. 15–18 mm, Drohne ca. 13–16 mm
Sozialformstaatenbildend, mehrjähriges Dauervolk: Königin, Arbeiterinnen, Drohnen
NahrungNektar (Energie), Pollen (Eiweiß für die Brut), Wasser; Honig als Wintervorrat
Rolle im Gartenwichtigste gehaltene Bestäuberin, liefert Honig und Wachs
Aktiv von–bisbei Flugwetter ab ca. 10–12 °C, etwa März bis Oktober; im Winter Wintertraube
Überwinterungals ganzes Volk in der Wintertraube, zehrt vom eingelagerten Honig

Erkennen & Verwechseln

Eine Honigbiene erkennst du an ihrem schlanken, mäßig behaarten Körper mit dem gelbbraun bis braun-schwarz gestreiften Hinterleib. Im Vergleich zur rundlich-pelzigen Hummel wirkt sie deutlich zierlicher und weniger “wollig”; gegenüber der glänzend gelb-schwarzen Wespe ist sie matter, behaarter und ohne die scharfe Taillierung. Ein typisches Merkmal sind die Pollenhöschen: An den Hinterbeinen der heimkehrenden Sammlerinnen klebt der gesammelte Pollen als gelbes, oranges oder rotes Klumpen-Päckchen. Auch die ruhige, zielstrebige Art an der Blüte und das feine, gleichmäßige Summen helfen beim Erkennen.

Wichtig ist die Abgrenzung in zwei Richtungen. Mit anderen Bienen (Hummel, Mauerbiene, sonstige Wildbienen) teilt die Honigbiene den friedlichen Charakter und das Sammeln von Pollen — sie unterscheiden sich vor allem in Größe, Behaarung und Sozialform. Von den Wespen trennt sie dagegen ein grundlegender Lebensstil: Wespen sind kahler, leuchtend gelb-schwarz, schlank tailliert und ernähren ihre Brut mit tierischer Nahrung; sie sind die Tiere, die im Spätsommer an Kuchen und Grillgut gehen — das tun Honigbienen nie. Eine weitere Verwechslung gelingt mit der harmlosen Schwebfliege, die als Fliege die Wespen- oder Bienenfarben nur nachahmt.

Ähnliche Blütenbesucher im Vergleich

MerkmalHonigbiene (Apis mellifera)Hummel (Bombus spp.)Wildbiene (z. B. Mauerbiene)Wespe (z. B. Vespula)Schwebfliege (Syrphidae)
Körperformschlank, mäßig behaart, gestreiftrundlich, sehr pelzigklein bis mittel, oft pelzigschlank, deutlich tailliertgedrungen, kahl, schwebend
Behaarungmäßigdicht, wolliggering bis dichtnahezu kahl, glänzendkahl
Färbunggelbbraun bis braun-schwarz gestreiftschwarz-gelb-weiß/rotsehr unterschiedlichleuchtend gelb-schwarzgelb-schwarz nachgeahmt
Flügelzahl4 (zwei Paare)4442 (eine Fliege)
Pollenhöschenja, an den Hinterbeinenja, an den Hinterbeinenje nach Art (Bauch oder Bein)neinnein
Sozialformmehrjähriges Dauervolkeinjähriger Staatmeist solitäreinjähriger Staatsolitär
Geht an Süßes/Grillgutneinneinneinja, im Spätsommernein

Lebensweise & Entwicklung

Das Honigbienenvolk lebt als mehrjährige Einheit mit strenger Arbeitsteilung. Die Königin ist das einzige voll fortpflanzungsfähige Weibchen; sie legt in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier am Tag und kann mehrere Jahre alt werden. Die Arbeiterinnen sind unfruchtbare Weibchen und durchlaufen im Lauf ihres Lebens verschiedene Aufgaben: Zuerst arbeiten sie als Stockbienen (Putzen, Brutpflege, Waben bauen, Vorrat einlagern), erst später werden sie zu Sammlerinnen, die ausfliegen und Nektar, Pollen und Wasser eintragen. Eine Sommer-Arbeiterin lebt dabei nur wenige Wochen, die im Spätsommer geschlüpften “Winterbienen” dagegen mehrere Monate. Die Drohnen haben keinen Stachel und keine Sammelaufgaben; ihre einzige Funktion ist die Begattung junger Königinnen, danach werden sie im Spätsommer aus dem Volk gedrängt.

Vermehrt wird nicht die einzelne Biene, sondern das ganze Volk: Im Frühsommer zieht ein starkes Volk neue Königinnen heran, und die alte Königin zieht mit einem Teil der Arbeiterinnen als Schwarm aus, um andernorts ein neues Volk zu gründen — der natürliche Schwarmtrieb. Verständigt wird sich im dunklen Stock unter anderem über den berühmten Schwänzeltanz: Eine erfolgreiche Sammlerin teilt ihren Stockgenossinnen durch eine tanzartige Lauffigur Richtung und Entfernung einer lohnenden Trachtquelle mit. Über den Winter zieht sich das Volk zur Wintertraube zusammen, in deren Inneren die Bienen durch Muskelzittern Wärme erzeugen und vom eingelagerten Honig zehren — so übersteht das Volk als Ganzes die kalte Jahreszeit.

Die drei Wesen im Honigbienenvolk

WesenAnzahl im VolkAufgabeLebensdauer
Königingenau 1legt Eier, hält das Volk durch Botenstoffe zusammenmehrere Jahre
Arbeiterinim Sommer bis ~50.000Brutpflege, Wabenbau, Vorrat, später Sammeln und VerteidigungSommerbiene wenige Wochen, Winterbiene mehrere Monate
Drohneeinige hundert (saisonal)begattet junge Königinnen, kein Stachel, keine Sammelarbeitwenige Wochen, im Spätsommer abgedrängt

Bedeutung als Bestäuber

Die Honigbiene ist die wichtigste gehaltene Bestäuberin in unseren Kulturlandschaften — vor allem wegen ihrer schieren Masse und Organisation. Ein einziges Volk umfasst Zehntausende Tiere, von denen Tausende gleichzeitig ausfliegen; ein Imker kann seine Völker gezielt dorthin stellen, wo gerade Bestäubung gebraucht wird, etwa in Obstplantagen zur Blüte. Die Sammlerinnen sind ausgeprägt blütenstet: Sie bleiben während eines Sammelflugs bei derselben Pflanzenart und übertragen so besonders effektiv den passenden Pollen. Durch den Schwänzeltanz erschließt das Volk lohnende Trachtquellen rasch und in großer Zahl. Damit trägt die Honigbiene erheblich zur Bestäubung und Befruchtung von Obst, Beeren, vielen Gemüsearten und Wildpflanzen bei.

Gerade hier ist aber ein verbreitetes Missverständnis auszuräumen: Die Honigbiene ist als gehaltenes Nutztier nicht bedroht. Ihre Völker werden vom Menschen vermehrt und betreut — ihr Bestand hängt nicht am Naturschutz, sondern an der Imkerei. Schutz brauchen die Wildbienen: Viele der rund 600 heimischen Arten sind gefährdet, und manche sind als spezialisierte oder besonders effiziente Bestäuber unersetzlich. In blütenarmen Gegenden kann eine sehr hohe Dichte an Honigbienenvölkern sogar zur Nahrungskonkurrenz für Wildbienen werden, weil viele Völker dieselben begrenzten Trachtquellen abschöpfen. Honigbiene und Wildbienen ergänzen sich also nur dann optimal, wenn genügend Blütenangebot für alle da ist — wie sich die verschiedenen Bestäuber die Arbeit teilen, beschreibt das Konzept der Wildbienen- und Bestäuber-Gilden.

Bestäubungsleistung der Honigbiene

StärkeWorin sie bestehtWer profitiert
individuenstarkes DauervolkTausende Sammlerinnen gleichzeitig im Einsatzgroßflächige Obst- und Beerenblüte
Blütenstetigkeitbleibt während des Flugs bei einer Pflanzenartgezielte Bestäubung gleicher Sorten
Schwänzeltanzmeldet Richtung und Entfernung guter Trachtenrasche Erschließung lohnender Quellen
gezielte Aufstellung durch ImkerVölker dorthin, wo Bestäubung gebraucht wirdObstplantagen, Raps, Saatgutkulturen
breites Trachtspektrumbesucht sehr viele PflanzenartenObstbäume, Beeren, Gemüseblüte, Wildflora

So förderst du die Honigbiene

Auch wenn die Honigbiene ein gehaltenes Tier ist, kannst du ihr — und mit denselben Maßnahmen den oft viel stärker gefährdeten Wildbienen — im Garten sehr helfen. Der wichtigste Hebel ist auch hier ein durchgehendes Blühangebot ohne Trachtlücken. Pflanze so, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst immer etwas blüht: frühe Weiden, Krokus und Obstgehölze, im Sommer Stauden, Kräuter und Klee, im Spätsommer Efeu und spät blühende Stauden. Setze auf ungefüllte, nektar- und pollenreiche Blüten — gefüllte Zierformen sind für Bienen weitgehend wertlos. Eine flache Wasserstelle mit Steinen zum Landen hilft den Bienen zusätzlich, gerade an heißen Tagen, da sie auch Wasser eintragen.

Der zweite, mindestens ebenso wichtige Hebel ist der konsequente Pestizidverzicht: Insektizide schaden Bienen direkt, und auch viele als “bienenschonend” beworbene Mittel sind problematisch — spritze nie in blühende Bestände. Wer über eine eigene Imkerei nachdenkt, sollte sich vorab gründlich einarbeiten (Verein, Kurs, Patenschaft), denn die fachgerechte Haltung — insbesondere die Varroa-Behandlung — ist anspruchsvoll. Und ein letzter, oft übersehener Punkt: Förderst du nur Honigbienen über zusätzliche Völker, hilfst du dem Naturschutz wenig. Wer wirklich etwas für die Bestäuber-Vielfalt tun will, schafft Blütenangebot und Nisthilfen für Wildbienen — etwa für die Rote Mauerbiene — und entlastet so auch die Konkurrenz um Nahrung.

Förder-Maßnahmen im Überblick

MaßnahmeWas tunWarum
durchgehende TrachtWeide, Krokus, Obst; Stauden, Kräuter, Klee; Efeuversorgt das Volk vom Frühjahr bis Herbst
ungefüllte Blüten wählennektar- und pollenreiche, einfache Blütengefüllte Zuchtsorten liefern kaum Nahrung
Wasserstelle anbietenflache Schale mit Steinen oder Kies zum LandenBienen tragen auch Wasser ein, besonders bei Hitze
Pestizidverzichtkeine Insektizide, nie in blühende Bestände spritzenschützt Sammlerinnen, Brut und Volk
Wildbienen mitdenkenNisthilfen und Blütenvielfalt schaffenentlastet Nahrungskonkurrenz, fördert Artenvielfalt
Imkerei nur fachgerechtVerein/Kurs, Varroa-Behandlung lernenHonigbienenhaltung ist anspruchsvoll und pflegeintensiv

Häufige Fehler und Mythen


Abgrenzung zu Wildbiene, Hummel und Wespe

Im Garten wird die Honigbiene am häufigsten mit Hummel, anderen Wildbienen und vor allem mit der Wespe verwechselt. Entscheidend ist: Honig- und Wildbienen sind Vegetarier, die ihre Brut mit Pollen und Nektar versorgen, während Wespen ihre Larven mit tierischer Nahrung füttern — und die Schwebfliege ist gar keine Biene, sondern eine harmlose Fliege im Bienen-Kostüm.

ArtSozialformBesonderheitVerwechslungsgefahr
Honigbiene (Apis mellifera)mehrjähriges Dauervolkindividuenstark, liefert Honig und Wachs, Nutztiermit Hummel, Wildbiene und Wespe
Wildbiene (allgemein)meist solitäroft hochspezialisierte, effiziente Bestäuber; teils gefährdetviele Arten ähneln Honigbiene
Hummel (Bombus spp.)einjähriger StaatVibrationsbestäubung, Kälte- und Schlechtwetterflugpelziger und rundlicher als die Honigbiene
Wespe (z. B. Vespula spp.)einjähriger Staatkahler, füttert Brut mit Insekten, geht an Süßesmit Honigbiene wegen Gelb-Schwarz

Honigbiene, Wildbienen, Hummeln und die Rote Mauerbiene ergänzen sich in Flugzeiten, Blüten und Techniken — gemeinsam decken sie das ganze Spektrum der Bestäubung ab. Genau diese Arbeitsteilung beschreibt das Konzept der Wildbienen- und Bestäuber-Gilden.


Mitnehmen

  1. Die Honigbiene ist ein gehaltenes Nutztier. Fast alle Völker gehören Imkern; Apis mellifera liefert Honig und Wachs und ist die wichtigste gehaltene Bestäuberin — aber nur eine von hunderten Bienenarten.
  2. Das Volk ist mehrjährig und überwintert komplett. Statt wie die Hummel einjährig zu sein, überdauert das Honigbienenvolk als Wintertraube und zehrt dabei vom eingelagerten Honig.
  3. Ein Staat mit klarer Arbeitsteilung. Eine Königin, im Sommer bis zu 50.000 Arbeiterinnen und einige Drohnen; verständigt wird sich über den Schwänzeltanz, vermehrt über den Schwarmtrieb im Frühsommer.
  4. Sie sticht nur defensiv — und stirbt dabei. Der Stachel mit Widerhaken bleibt stecken und wird herausgerissen, weshalb die Biene niemals leichtfertig sticht.
  5. Als Nutztier nicht bedroht — Wildbienen brauchen mehr Schutz. In blütenarmen Lagen kann die Honigbiene sogar zur Nahrungskonkurrenz werden; der Natur hilft mehr Blütenangebot und Hilfen für Wildbienen.
  6. Blühangebot und Pestizidverzicht helfen allen Bienen. Durchgehende Tracht, ungefüllte Blüten, eine Wasserstelle und der Verzicht auf Insektizide fördern Honig- und Wildbienen gleichermaßen.

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