Kraut- und Braunfäule an Tomaten und Kartoffeln

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Nach mehreren feuchten Tagen zeigen Tomatenblätter plötzlich braune Flecken, Stängel verfärben sich oder an den Früchten entstehen feste braune Stellen. Dahinter kann Kraut- und Braunfäule stecken. Bei passender Witterung breitet sie sich schnell aus und kann große Ernteverluste verursachen. Braune Flecken allein reichen aber nicht für eine sichere Diagnose.

Verursacher ist Phytophthora infestans. Derselbe Erreger verursacht an Kartoffeln die Kraut- und Knollenfäule. Für den Garten sind vor allem drei Dinge wichtig: die Symptome früh prüfen, lange Blattnässe vermeiden und infizierte Kartoffelknollen als mögliche Überdauerungsquellen entfernen.

Was ist die Kraut- und Braunfäule?

Illustration einer befallenen Tomatenpflanze und Kartoffelstaude mit gemeinsamem Erreger
Phytophthora infestans verursacht Schäden an Tomaten und Kartoffeln.

Phytophthora infestans ist ein Eipilz (Oomycet), ein pilzähnlicher Organismus und kein echter Pilz. Für Infektionen spielt länger anhaltende Nässe auf der Pflanzenoberfläche eine entscheidende Rolle. Ob ein Pflanzenschutzmittel wirkt, hängt jedoch vom Wirkstoff und seiner vorgesehenen Anwendung ab; aus der Einordnung als Eipilz lässt sich keine pauschale Wirkungslosigkeit von Fungiziden ableiten.

EigenschaftKraut- und Braunfäule in Kürze
ErregerPhytophthora infestans, Eipilz (Oomycet)
Wirtspflanzenvor allem Tomate und Kartoffel, seltener weitere Nachtschattengewächse
Typische Schädenunregelmäßige braune Blatt- und Stängelflecken, feste braune Stellen an Tomaten, rostbraunes Knollengewebe
Begünstigende Witterungfeucht-mild, häufig etwa 15–20 °C, mit länger anhaltender Blattnässe
VerbreitungSporangien über Wind und Spritzwasser; auch entferntere Bestände können Sporenquellen sein
Überdauerungvor allem in infizierten, überlebenden Kartoffelknollen; zusätzlich sind langlebige Oosporen möglich
Wichtige VerwechslungenDürrfleckenkrankheit, Grauschimmel, Blütenendfäule

Schadbild erkennen

Schematische Illustration brauner Blatt- und Fruchtflecken und weißlichen Belags auf einer Tomatenblattunterseite
Braune Flecken und weißlicher Sporenrasen bei Feuchte sind typische Hinweise, keine allein sichere Diagnose.

An Tomatenblättern können zunächst graugrüne, wässrig wirkende Flecken auftreten, die rasch braun werden. Befallenes Gewebe stirbt ab. An Blattstielen und Stängeln entstehen längliche braune Verfärbungen; stärkerer Stängelbefall kann darüberliegende Pflanzenteile zum Absterben bringen.

Bei hoher Feuchtigkeit kann auf der Blattunterseite, besonders am Übergang zwischen krankem und gesundem Gewebe, ein feiner weißlicher Sporenrasen sichtbar werden. Er spricht zusammen mit den übrigen Symptomen für den Erreger. Fehlender Belag schließt Befall nicht aus, etwa wenn die Blätter inzwischen abgetrocknet sind.

Tomatenfrüchte entwickeln feste, braune, etwas eingesunkene Flecken, oft in der Nähe des Stielansatzes. Die Verfärbung kann tief ins Fruchtfleisch reichen. Auch grüne Früchte können erkranken. Die ersten sichtbaren Symptome müssen nicht am Laub beginnen; Früchte können ebenfalls zuerst auffallen. Sichtbar befallene Früchte aussortieren und nicht verzehren.

Bei Kartoffeln bilden sich braune Blattflecken, bei Feuchte möglicherweise mit weißlichem Belag an der Unterseite. Das Kraut kann rasch absterben. Befallene Knollen zeigen unter der Schale rostbraunes Gewebe. Der Schaden ist nicht immer bei der Ernte sichtbar. Im Lager können sekundäre bakterielle Fäulen hinzukommen und weitere Verluste verursachen.

HinweisEinordnung
Rasch größer werdende, unregelmäßige Blattfleckentypisch, aber auch andere Ursachen möglich
Weißlicher Sporenrasen am Fleckenrandvor allem bei hoher Feuchtigkeit sichtbar
Feste braune Fruchtfleckenverdächtig auf Braunfäule; auch das übrige Schadbild prüfen
Rostbraune Verfärbung im Kartoffelinnerenmöglicher Knollenbefall; auffällige Knollen aussortieren
Rascher Zusammenbruch bei feuchter Witterungmöglich bei starkem Befall, aber kein sicherer Einzelbeweis

Bei unklarem Befall helfen der Pflanzen-Doktor und die Abgrenzung unten beim Eingrenzen. Bei größeren Schäden oder uneindeutigen Symptomen den zuständigen Pflanzenschutzdienst zur Diagnose hinzuziehen.

Ursache und Biologie

Lange Blattnässe begünstigt die Infektion: Regen, Tau und Kondenswasser können dafür sorgen, dass Pflanzenoberflächen über Stunden nass bleiben. Dichte Bestände trocknen langsamer ab. Längere heiße, trockene Phasen bremsen die Ausbreitung; bereits geschädigtes Gewebe wird dadurch nicht wieder gesund.

  1. Infektionsquellen: Aus infizierten Kartoffelknollen können kranke Pflanzen entstehen. Sporen können außerdem aus anderen Gärten oder Kartoffelbeständen zufliegen; auch infizierte Jungpflanzen können den Erreger eintragen.
  2. Sporenbildung: Bei feuchter Witterung entstehen auf befallenem Gewebe Sporangien, die der Verbreitung dienen.
  3. Transport: Wind und Spritzwasser tragen sie weiter. Bei Kartoffeln können Sporen mit Regen in den Boden zu den Knollen gelangen.
  4. Keimung: Bei kühleren Bedingungen können Sporangien schwimmende Zoosporen freisetzen; bei höheren Temperaturen können sie direkt mit einem Keimschlauch keimen. Nasse Pflanzenoberflächen begünstigen beide Infektionswege.
  5. Neuer Befall: Unter günstigen Bedingungen entstehen innerhalb weniger Tage neue Symptome und weitere Sporen.

Befall tritt häufig im Sommer auf, kann bei passender Witterung aber früher beginnen. Kalenderdaten wie Juni oder Juli sind keine sichere Grenze.

Die wichtigste Überdauerungsquelle sind infizierte Kartoffelknollen, die im Boden, in Lagerresten oder auf Abfallhaufen überleben. Daraus entstehende Durchwuchskartoffeln konsequent entfernen. Der Erreger kann bei sexueller Fortpflanzung außerdem Oosporen, langlebige Ruhesporen, bilden. Deshalb ist eine pauschale Aussage zur Überwinterung auf sämtlichen toten Blättern ebenso wenig passend wie die Behauptung, der Boden könne nie eine Rolle spielen. Hinweise zur Entsorgung stehen in der Gartenhygiene.

Vorbeugen

Tomatenpflanze unter einem offenen Regendach
Ein gut belüftetes Regendach verringert die Blattnässe und senkt das Befallsrisiko.

Ein Regendach ist für Tomaten eine wichtige Schutzmaßnahme. Es sollte ausreichend überstehen und gut belüftet sein. Seitlicher Regen, Tau und Kondenswasser können das Laub trotzdem benetzen; ein Dach garantiert deshalb keinen befallsfreien Bestand. Im Gewächshaus ebenfalls gut lüften und lange feuchte Phasen vermeiden. Praktische Hinweise bietet Tomatenhaus und Regendach bauen.

MaßnahmeNutzen und Grenzen
Regenschutz und gute Belüftungverringern Regenkontakt und lange Blattnässe
Ausreichender Pflanzabstanderleichtert das Abtrocknen; Abstand nach Sorte und Erziehung wählen
Bodennahes Gießenvermeidet zusätzliches Benetzen des Laubs; bei nötiger Blattbenetzung möglichst morgens gießen
Bodenberührende Blätter entfernenvermindert Bodenkontakt und erleichtert die Pflege; nicht unnötig stark entlauben
Stabtomaten passend ausgeizenkann die Durchlüftung verbessern; Busch- und Wildtomaten nicht pauschal genauso behandeln
Mulchkann Spritzwasser verringern, verhindert aber keinen Sporenzuflug
Widerstandsfähige Sortenkönnen Schäden begrenzen; Wirkung hängt auch von Erregerpopulation und Befallsdruck ab
Tomaten und Kartoffeln räumlich trennenvermindert Kontakt mit einer nahen Sporenquelle, schützt nicht vor weiterem Zuflug
Gesunde Pflanzkartoffeln und Jungpflanzengeprüftes Pflanzgut verwenden und Jungpflanzen auf Symptome kontrollieren
Durchwuchs und kranke Knollen beseitigenvermindert wichtige lokale Infektionsquellen
Fruchtfolgekann Risiken durch Durchwuchs, mögliche Ruhesporen und andere Krankheiten mindern; kein Schutz vor Windsporen

Bei Tomaten sind beispielsweise ‘Phantasia F1’ und ‘Resi’ als weniger anfällig beziehungsweise braunfäuletolerant beschrieben. Auch ‘Primabella’ und ‘Resibella’ werden für widerstandsfähigen Freilandanbau genannt. Solche Angaben bedeuten keine vollständige Immunität. Vergleiche die Sortenbeschreibungen unter Tomatensorten und die Begriffe Resistenz und Toleranz.

Eine mehrjährige Fruchtfolge bleibt sinnvoll. Ihr Nutzen gegen diese Krankheit liegt unter anderem darin, verbliebene Kartoffelknollen und Durchwuchs zu kontrollieren sowie ein mögliches Risiko durch Ruhesporen zu verringern. Sie ersetzt weder Hygiene noch Regenschutz und verhindert keine Infektion durch zugeflogene Sporen.

Was tun bei Befall?

Illustration: befallenes Tomatenblatt in einer Abfalltonne, durchgestrichener Hauskompost und ein Präparat mit dem Hinweis nur vorbeugend
Befallenes aus dem Bestand entfernen und den Entsorgungsweg örtlich klären. Kupfer heilt bereits erkranktes Gewebe nicht.

Tomaten: Sporenquellen begrenzen

Bei einzelnen verdächtigen Blättern die kranken Teile vorsichtig entfernen und den Bestand weiter kontrollieren. Das kann Sporenquellen verringern, beseitigt eine bereits vorhandene Infektion aber nicht zuverlässig. Stark befallene Pflanzen, besonders bei ausgedehntem Stängelbefall, vollständig aus dem Bestand nehmen. Gleichzeitig Belüftung und Regenschutz verbessern.

Sichtbar kranke Früchte aussortieren. Äußerlich gesunde Früchte einer befallenen Pflanze können ebenfalls schon infiziert sein und später faulen. Geerntete Früchte deshalb getrennt beobachten; das Nachreifen grüner Früchte aus stark befallenen Beständen gelingt nicht zuverlässig.

Kartoffeln: Knollen schützen und Ernte kontrollieren

Bei fortschreitendem Krautbefall oder Stängelläsionen das Kraut vollständig bodennah abschneiden und die Reste aufnehmen. Einzelne Blätter abzupflücken reicht bei verbreitetem Befall nicht aus. Die Krautentfernung kann weitere Sporenbildung und Knolleninfektionen vermindern, heilt bereits befallene Knollen aber nicht.

Nach vollständiger Krautentfernung ungefähr zwei Wochen bis zur Ernte warten, damit die Schale fester wird. Nicht unnötig länger im Boden lassen. Möglichst bei trockenen Bedingungen ernten, Knollen schonend behandeln und auffällige oder beschädigte Exemplare aussortieren. Gesund erscheinende Knollen aus befallenen Beständen bevorzugt zeitnah verbrauchen; falls sie gelagert werden, regelmäßig auf Fäule prüfen. Mehr dazu unter Kartoffeln: Krankheiten und Schädlinge.

Befallenes Material entsorgen

Kranke Reste direkt sammeln und nicht offen im Garten liegen lassen. Besonders infizierte Kartoffelknollen gehören weder ins Beet noch auf den unkontrollierten Hauskompost. Auch bei befallenem Kraut und Tomatenresten ist eine verlässliche Hygienisierung im Hauskompost nicht gewährleistet.

Prüfe die örtlichen Annahmeregeln: Je nach Entsorger kommen Biotonne, eine geeignete Grüngutannahme oder Restmüll infrage. Die Gartenhygiene erklärt, worauf es beim Sammeln und Entsorgen ankommt.

Pflanzenschutzmittel und Pflanzenstärkung

Kupferpräparate wirken vorbeugend auf noch gesundem Gewebe. Sie machen abgestorbene Pflanzenteile nicht wieder gesund. Kupfer kann sich im Boden anreichern und das Bodenleben beeinträchtigen. Eine Anwendung ist deshalb sorgfältig abzuwägen; ein im Erwerbs- oder Ökoanbau eingesetztes Produkt ist nicht automatisch für den Hausgarten geeignet.

Vor einer möglichen Anwendung die aktuelle Zulassung für Kultur, Krankheit, Anbauort und nichtberufliche Anwendung prüfen. Gebrauchsanleitung, Wartezeit und weitere Auflagen beachten. Die BVL-Informationen zu Pflanzenschutzmitteln führen zu den Zulassungsdaten. Vorbeugend wirkende Mittel sind keine späte Rettungsmaßnahme nach starkem Befall.

Gleichmäßige Versorgung und passende Pflege helfen der Kulturführung. Pflanzenstärkungsmittel sind jedoch kein Ersatz für eine wirksame Krankheitsbehandlung und sollten hier nicht als Heilmittel empfohlen werden.

Häufige Fehler und Mythen

„Unter dem Tomatendach kann keine Braunfäule auftreten.“ Ein Dach verringert Regenkontakt. Tau, Kondenswasser, seitlicher Regen und Sporenzuflug können trotzdem zum Befall beitragen. Gute Belüftung bleibt wichtig.

„Wenn kein weißer Belag zu sehen ist, ist es keine Braunfäule.“ Der Sporenrasen ist vor allem bei Feuchte sichtbar. Auch Früchte oder Stängel können Symptome zeigen. Das gesamte Schadbild prüfen.

„Kupfer oder Pflanzenstärkungsmittel heilen die kranke Pflanze.“ Kupfer schützt vorbeugend; Pflanzenstärkungsmittel ersetzen keine Behandlung. Bereits abgestorbenes Gewebe erholt sich nicht.

„Mehr Wasser hilft gegen den Befall.“ Zusätzliches Gießen beseitigt den Erreger nicht. Den Wurzelbereich bedarfsgerecht versorgen, Überkopf-Gießen vermeiden und keine Staunässe entstehen lassen. Staunässe schädigt die Wurzeln, benetzt aber nicht automatisch die Blätter.

„Mit Abstand und Fruchtfolge bin ich sicher geschützt.“ Beides kann Risiken senken, verhindert aber keinen Sporenzuflug aus anderen Beständen.

Abgrenzung zu ähnlichen Schadbildern

SchadbildTypische HinweiseGrenze der Unterscheidung
Kraut- und Braunfäuleunregelmäßige braune Flecken, feste braune Fruchtstellen, bei Feuchte weißlicher Sporenrasenkein einzelnes Merkmal genügt allein für eine sichere Diagnose
Dürrfleckenkrankheitoft konzentrische Ringe in braunen Flecken, häufig zuerst älteres LaubRingmuster und Befallsverlauf sind Hinweise, keine sichere Ausschlussregel
Grauschimmelgrauer, eher flaumiger Sporenrasen und Fäulen, ebenfalls bei hoher Feuchtigkeitvor allem Stängel- und Fruchtschäden können ähnlich erscheinen
Blütenendfäuledunkle, eingesunkene Stelle am Blütenende; gestörte Calciumversorgung der Fruchtphysiologische Störung, nicht ansteckend; kein entsprechender Blatt- und Stängelbefall
Echter Mehltauweißlicher, mehliger Belag, häufig auf Blattoberseitenkeine typische Braunfäule der Früchte; Luftfeuchtigkeit kann auch hier wichtig sein
WelkeErschlaffen und gegebenenfalls verfärbte Leitbahnenein Sammelbegriff für verschiedene Ursachen, keine eindeutige Diagnose

Bei Blütenendfäule spielt die Calciumversorgung der sich entwickelnden Frucht eine Rolle. Schwankende Wasserversorgung kann dazu beitragen, ist aber nicht die einzige mögliche Ursache. Braune Fruchtstellen deshalb nach ihrer Lage und zusammen mit Blatt- und Stängelsymptomen beurteilen.

Das Wichtigste zur Kraut- und Braunfäule

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Infografik

Infografik zur Kraut- und Braunfäule: typische Hinweise an Tomaten und Kartoffeln, begünstigende Blattnässe, Vorbeugung und Maßnahmen bei Befall
Typische Hinweise, Vorbeugung und Maßnahmen bei Befall. Illustrationen ersetzen keine Diagnose.

Einordnung

Fachlich geprüft am 1. Oktober 2026. Zulassungen und örtliche Entsorgungsregeln vor der Anwendung beziehungsweise Entsorgung aktuell prüfen.