Weberknecht erkennen und im Garten fördern

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Ein kleiner Körper auf langen, dünnen Beinen an der Hauswand: Das kann ein Weberknecht sein. Besonders die langbeinigen Arten fallen im Garten auf und werden leicht mit Zitterspinnen verwechselt. Weberknechte bilden jedoch eine eigene Gruppe der Spinnentiere. Sie haben keine Giftdrüsen, stellen keine Seide her und sind für Menschen ungefährlich.

Im Garten gehören sie zur vielfältigen Gemeinschaft kleiner Räuber und Aasfresser. Viele Arten nehmen unterschiedliche Nahrung auf, darunter kleine Insekten und tote Tiere. Ihre Anwesenheit ist kein Grund zur Bekämpfung. Dieser Steckbrief erklärt, welche Merkmale bei der Erkennung helfen, wo die Grenzen ihrer Wirkung liegen und wie du mit ihnen schonend umgehst.

Was ist ein Weberknecht?

Illustration eines langbeinigen Weberknechts mit kompaktem Körper auf einem Blatt im Gemüsebeet
Viele auffällige Weberknechte haben lange Beine; es gibt auch kurzbeinige Arten

Die Weberknechte (Opiliones) sind eine Ordnung innerhalb der Spinnentiere (Arachnida). Sie sind weder Insekten noch echte Spinnen, die zur Ordnung Araneae gehören. Regional werden sie auch „Schneider“, „Zimmermann“ oder „Kanker“ genannt.

Ihr Vorder- und Hinterkörper sind breit miteinander verbunden. Dadurch wirkt der Körper kompakt und hat keine schmale Taille wie bei einer echten Spinne. Der Hinterleib ist trotzdem gegliedert. Die Körperform kann rundlich, oval oder abgeflacht sein.

Weberknechte besitzen normalerweise acht Beine. Nach Verletzungen oder einem Beinabwurf können es weniger sein, deshalb reicht das Zählen der Beine nicht zur Bestimmung. Sie haben keine Spinndrüsen und keine Giftdrüsen. Ihre scherenartigen Mundwerkzeuge, die Chelizeren, greifen und zerkleinern Nahrung. Zusätzlich besitzen sie Duft- beziehungsweise Wehrdrüsen, deren Sekret der Abwehr dienen kann.

Weltweit sind mehr als 6.600 Arten beschrieben. Für Deutschland nennt das Rote-Liste-Zentrum 52 etablierte Arten auf Grundlage der Gesamtartenliste von 2016. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Bearbeitungsstände und können sich mit neuen Nachweisen und taxonomischen Änderungen verändern.

Weberknechte auf einen Blick

MerkmalEinordnung
Wissenschaftlicher NameOrdnung Opiliones, Klasse Arachnida; keine echten Spinnen, keine Insekten
KörpergrößeViele auffällige langbeinige Arten etwa 3–10 mm; kleinere Arten können darunter liegen
BeineNormalerweise acht; Länge und Spannweite unterscheiden sich stark zwischen den Arten
NahrungJe nach Art kleine Tiere, Aas, Früchte und Pilze; manche Arten sind stärker spezialisiert
Rolle im GartenTeil der Räuber- und Aasfressergemeinschaft; mögliche Unterstützung der natürlichen Schädlingsregulierung
EntwicklungWachstum über mehrere Häutungen, ohne Puppenstadium; bei vielen heimischen Arten ein jährlicher Zyklus
AktivitätViele Arten dämmerungs- oder nachtaktiv; Auftreten und Reifezeit sind artabhängig
ÜberwinterungJe nach Art als Ei, Jungtier oder erwachsenes Tier

Weberknechte von Spinnen und Schnaken unterscheiden

Bei vielen häufig beobachteten Weberknechten trägt ein kleiner, kompakter Körper lange, dünne Beine. Das entscheidende Merkmal gegenüber echten Spinnen ist die fehlende schmale Taille. Meist sitzen zwei Augen auf einem kleinen Augenhügel an der Körperoberseite. Bei vielen langbeinigen Arten dient das zweite Beinpaar vor allem als Tast- und Sinnesorgan.

Nicht alle Weberknechte entsprechen diesem langbeinigen Bild. Beispielsweise ist Nemastoma lugubre ein kleiner, kurzbeiniger Weberknecht mit dunklem Körper und meist zwei hellen Flecken. Solche Tiere leben eher verborgen in der Laubstreu oder unter Holz. Körperform, Beinlänge und Fundort geben Hinweise, reichen aber nicht immer zur Bestimmung einer einzelnen Art.

Die Zitterspinnen (Pholcidae) sind dagegen echte Spinnen. Die häufig in Gebäuden beobachteten Arten haben ebenfalls lange Beine, aber einen Vorderkörper und Hinterleib mit schmaler Verbindung. Sie bauen lockere Fangnetze in geschützten Ecken. Bei Störung können sie darin auffällig schwingen. Auch manche Weberknechte zeigen Wippbewegungen; dieses Verhalten allein unterscheidet die Gruppen nicht.

Weberknechte bauen keine Netze. Ein Tier neben einem Netz kann aber einen anderen Grund haben, dort zu sitzen. Umgekehrt jagen viele echte Spinnen ohne Fangnetz. Weder die Nähe zu einem Netz noch ein fehlendes Netz ist deshalb für sich genommen ein sicherer Bestimmungsschlüssel.

Illustration eines langbeinigen Weberknechts neben einer Gartenkreuzspinne mit deutlich getrenntem Vorderkörper und Hinterleib
Der Körperbau hilft beim Vergleich: Weberknechte haben keine schmale Taille wie echte Spinnen

Vergleich im Überblick

MerkmalWeberknechtEchte Spinne, einschließlich ZitterspinneSchnake
EinordnungSpinnentier, Ordnung OpilionesSpinnentier, Ordnung AraneaeInsekt
KörperbauVorder- und Hinterkörper breit verbunden; Hinterleib gegliedertVorderkörper und Hinterleib durch schmale Taille verbundenKopf, Brust und Hinterleib
BeineNormalerweise acht; kurz bis sehr langNormalerweise acht; je nach Art unterschiedlich langSechs, oft lang und dünn
AugenMeist zwei auf einem AugenhügelMeist acht, bei manchen Arten wenigerZwei Facettenaugen
Seide und FangnetzKeine Seide, kein eigenes NetzSpinndrüsen vorhanden; viele Arten bauen Fangnetze, andere nichtKein Fangnetz
GiftapparatKeine Giftdrüsen und keine GiftklauenBei den meisten Arten vorhandenKein Giftapparat zum Beutefang
Flügel und FühlerKeineKeineFlügel und Fühler vorhanden

Gewöhnliche heimische Garten- und Zitterspinnen sind ebenfalls Tiere, die du in Ruhe lassen kannst. Ihre Giftdrüsen dienen dem Beutefang; daraus folgt keine allgemeine Gefahr für Menschen. Die pauschale Aussage, sämtliche Spinnen weltweit seien harmlos, wäre allerdings falsch.

Lebensweise, Entwicklung und Überwinterung

Aus dem Ei schlüpft ein kleines Jungtier, das dem erwachsenen Weberknecht bereits ähnelt. Es wächst durch mehrere Häutungen bis zur Geschlechtsreife; ein Puppenstadium gibt es nicht. Bei der Paarung überträgt das Männchen die Spermien mit einem Begattungsorgan. Weibchen legen die Eier mithilfe einer Legeröhre je nach Art beispielsweise in Bodenritzen, unter Rinde oder in geeignete Pflanzenteile.

Viele heimische Arten haben einen jährlichen Entwicklungszyklus, aber Reifezeit und Überwinterungsstadium unterscheiden sich. Der Gemeine Weberknecht Phalangium opilio hat in Europa gewöhnlich eine Generation pro Jahr und überwintert als Ei. Rilaena triangularis überwintert dagegen als Jungtier und wird im Frühjahr erwachsen. Bei anderen Arten sind auch erwachsene Tiere im Winter anzutreffen. Ein Winterfund bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Tier Hilfe braucht.

Viele auffällige langbeinige Arten begegnen dir besonders im Spätsommer und Herbst. Andere Arten treten bereits im Frühjahr oder über längere Teile des Jahres auf. Viele gehen in der Dämmerung und nachts auf Nahrungssuche, doch auch die Tagesaktivität ist art- und standortabhängig. Geschützte Rückzugsorte mit ausreichender Feuchtigkeit sind für viele Arten wichtig.

Nahrung und Nutzen im Garten

Viele Weberknechte sind Generalisten: Je nach Art und Angebot fressen sie kleine Tiere, tote Tiere, Früchte oder Pilze. Zum möglichen Beutespektrum gehören etwa Blattläuse, kleine Insektenlarven, Milben und Springschwänze. Nicht jede Art nutzt alle diese Nahrungsquellen gleich stark.

Damit können Weberknechte als Teil einer vielfältigen Räubergemeinschaft zur natürlichen Schädlingsregulierung beitragen. Ihre Wirkung hängt jedoch von Art, Anzahl, Beuteangebot und Standort ab. Aus der Beobachtung eines Weberknechts lässt sich keine verlässliche Bekämpfung von Blattläusen, Schadmilben, Raupen oder Mücken ableiten. Bei starkem Befall solltest du den tatsächlichen Schaden prüfen und passende Maßnahmen wählen.

Weberknechte unterscheiden außerdem nicht zwischen „Schädling“ und „Nützling“: Auch andere nützliche Wirbellose können ihnen als Nahrung dienen. Milben und Springschwänze sind nicht grundsätzlich Schädlinge, sondern gehören vielfach zum Bodenleben. Das gehört zur Einordnung dieser Tiere als Teil des Nahrungsnetzes.

Als Aasfresser verwerten sie tote Tiere und tragen zum Stoffkreislauf bei. Manche nutzen auch Früchte oder Pilze. Ihre Nahrung überschneidet sich teilweise mit der anderer Bodenbewohner wie der Assel, die vor allem abgestorbenes Pflanzenmaterial verwertet. Weberknechte gelten im Garten gewöhnlich nicht als relevante Pflanzenschädlinge; ihr Vorkommen rechtfertigt keine Bekämpfung.

So förderst du Weberknechte

Du musst Weberknechte weder kaufen noch gezielt ausbringen. Geeignete Lebensräume unterstützen die Tiere, die in deiner Umgebung vorkommen. Eine Ansiedlung bestimmter Arten lässt sich dadurch nicht garantieren.

Weitere praktische Anregungen findest du unter Nützlinge fördern: Pflanzen und Rückzugsorte. Das Ziel ist eine vielfältige Lebensgemeinschaft mit Nahrung und Verstecken.

Weberknecht im Haus: schonend umsetzen

In einem Schuppen oder geschützten Nebenraum kann ein Weberknecht meist bleiben, wenn er nicht stört. Möchtest du ihn aus einem Wohnraum entfernen, stülpe vorsichtig ein ausreichend großes Gefäß darüber und schiebe langsam ein festes Blatt Papier darunter. Achte darauf, dass kein Bein unter dem Rand eingeklemmt wird. Setze ihn an einen geschützten Platz in der Nähe, etwa bei Laub oder Holz, und lasse ihn selbst herauslaufen. Wähle bei Kälte und Trockenheit einen entsprechend geschützten Ort.

Greife oder ziehe nicht an den Beinen. Manche Weberknechte können bei einem Angriff ein Bein an einer Sollbruchstelle abwerfen; das wird Autotomie genannt. Das abgetrennte Bein kann noch eine Weile zucken und einen Angreifer ablenken. Es wächst nicht nach. Viele Tiere können mit weniger Beinen weiterleben, doch Beinverlust kann ihre Fortbewegung, Ausdauer oder Nahrungssuche beeinträchtigen.

Illustration eines Weberknechts neben einem abgeworfenen, noch zuckenden Bein
Ein Beinabwurf kann die Flucht ermöglichen; das verlorene Bein wächst nicht nach

Häufige Fragen und Mythen

Ist der Weberknecht die giftigste Spinne der Welt?

Nein. Er ist keine echte Spinne und besitzt keine Giftdrüsen. Die Erzählung von einem extrem giftigen Tier mit zu kurzen Giftklauen ist ein Mythos. Verwechslungen mit Zitterspinnen und anderen Langbeinern tragen zur Verwirrung bei.

Müssen Weberknechte immer sehr lange Beine haben?

Nein. Neben den auffälligen Langbeinern gibt es kleine, kurzbeinige Arten. Auch Jungtiere können andere Körperproportionen als erwachsene Tiere haben. Prüfe deshalb mehrere Merkmale statt nur die Beinlänge.

Bedeutet ein Weberknecht an einer Pflanze, dass er sie schädigt?

Nein. Er kann dort ruhen, nach Nahrung suchen oder kleine Tiere erbeuten. Der Fund allein erklärt keinen Pflanzenschaden. Auch seine Anwesenheit beweist nicht, dass ein Schädlingsbefall bereits ausreichend reguliert wird.

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