Zikaden im Garten erkennen und richtig handeln

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Helle Flecken auf Salbeiblättern, ein Tierchen, das beim Umdrehen eines Blattes wegspringt, oder weißer Schaum an einem Staudenstängel: Dahinter können Zikaden stecken. Die Gruppe ist vielfältig. Blattzikaden an Kräutern, die auffällige Rhododendronzikade und Schaumzikaden hinterlassen unterschiedliche Spuren und verlangen nicht dieselben Maßnahmen.

Entscheidend sind Pflanzenzustand, Befallsentwicklung und die beteiligte Art. Leichte Saugschäden lassen sich häufig tolerieren; zunehmende Blattaufhellung, Blattfall oder geschädigter Neuaustrieb verdienen einen genaueren Blick. Diese Seite hilft dir, die Hinweise einzuordnen und passende Maßnahmen zu wählen.


Was sind Zikaden?

Zikaden (Auchenorrhyncha) gehören zu den Schnabelkerfen (Hemiptera) und umfassen Rundkopf- und Spitzkopfzikaden. Klein- oder Zwergzikaden (Cicadellidae) sind eine Familie innerhalb dieser Gruppe. Dazu gehört die Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi). Die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) gehört dagegen zu den Schaumzikaden (Aphrophoridae), nicht zu den Kleinzikaden.

Viele im Garten auffällige Kleinzikaden sind schlank, keilförmig und halten ihre Flügel über dem Rücken zusammengelegt. Je nach Art saugen Zikaden an Blattzellen, Phloem oder Xylem. Nicht jede Art erzeugt deshalb weiße Blattsprenkel. Die bekannten lauten Sommergesänge und das oft mehrjährige Larvenleben im Boden betreffen Singzikaden; sie beschreiben nicht den Lebenszyklus der hier behandelten Blatt- und Schaumzikaden.

MerkmalEinordnung für den Garten
Größeviele Kleinzikaden etwa 2–6 mm; Rhododendronzikade etwa 8–9 mm; keine Größenregel für sämtliche Zikaden
Wirtspflanzenabhängig von der Art; beispielsweise Kräuter, Rosen, Obstgehölze, Reben, Rhododendron und Wiesenkräuter
Mögliche Schädenhelle Saugflecken, Blattrandverfärbungen, bei starkem Befall auch Wachstums- und Qualitätsverluste; bestimmte Arten übertragen Erreger
Generationenartabhängig; Rhododendronzikade eine jährlich, manche Kräuterzikaden mehrere
Überwinterungje nach Art als Ei, Larve oder erwachsenes Tier

Eine Übersicht zur Einordnung und zur unterschiedlichen Biologie bietet Hortipendium: Zikaden.


Erkennen & Schadbild

Illustration eines hell gesprenkelten Blattes und einer wegspringenden Kleinzikade
Helle Blattflecken und eine wegspringende Kleinzikade sind Hinweise, aber kein Nachweis der Art

Untersuche mehrere Blätter, besonders ihre Unterseiten, und beobachte die Tiere mit einer Lupe. Viele erwachsene Kleinzikaden springen oder fliegen bei Störung weg; Jungtiere können auch seitwärts laufen. Weißliche, leere Häutungsreste bleiben nach der Entwicklung zurück. Ihre Form zusammen mit den lebenden Tieren hilft bei der Zuordnung. Häutungsreste allein sind kein ausschließliches Zikadenmerkmal.

Bei zellsaugenden Blattzikaden können helle Punkte zu größeren aufgehellten Flächen zusammenfließen. Die Größe der Sprenkel trennt Zikaden nicht zuverlässig von anderen Saugern. Vorhandene Saugflecken verschwinden nicht wieder; kontrolliere deshalb auch, ob neue Blätter geschädigt werden.

Ähnliche Sauger unterscheiden

BeobachtungWas sie bedeuten kann
Keilförmige, springende oder seitwärts laufende Tierespricht zusammen mit passenden Häutungsresten für Kleinzikaden; eine genaue Artbestimmung kann schwierig sein
Silbrige Saugstellen und schwarze Kotpunktetypische Hinweise auf Thripse; fehlende Kotpunkte schließen einen Befall nicht aus
Winzige krabbelnde Tiere und feine Gespinstesprechen für Spinnmilben; Gespinste können bei geringem Befall fehlen oder übersehen werden
Weiche, birnenförmige Tiere, oft in Gruppen, und Honigtausprechen für Blattläuse
Schaum an Stängeln oder Blattachseln mit einer Larve darinSchutzschaum einer Schaumzikade, bekannt als „Kuckucksspeichel“

Fehlende Gespinste oder Kotpunkte beweisen keinen Zikadenbefall. Auch mehrere Schaderreger können gleichzeitig auftreten. Die RHS beschreibt Gespinste bei Spinnmilben vor allem bei starkem Befall.


Welche Zikaden sind im Garten wichtig?

Gruppe oder ArtTypische HinweiseWas für dich zählt
Kräuter- und andere Blattzikadenhelle Punkte und Aufhellungen, etwa an Salbei, Thymian und Zitronenmelisseleichten Befall beobachten; starker Befall kann die nutzbare Blattfläche und Erntequalität mindern
Grüne Rebzikade (Empoasca vitis, auch Hebata vitis)gelbe oder rote Blattrandverfärbungen je nach Rebsorte; stärkere Schäden mit Einrollen und eintrocknenden Rändernan Weinreben nicht nur nach weißen Sprenkeln suchen; ähnliche Schäden haben auch andere Ursachen
Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi)erwachsene Tiere etwa 8–9 mm, grün mit orange-roten Längsstreifen; helle Jungtiere und Häutungsrestedirekter Saugschaden meist gering; abgestorbene Knospen gesondert auf Knospenbräune prüfen
Schaumzikaden, z. B. Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius)weißliche Schaumnester im Frühjahr und Frühsommer, Larven im Schaumeinzelne Schaumnester im Garten normalerweise tolerieren; Schaum allein zeigt keine Pflanzenkrankheit an

Die Unterschiede sind praktisch wichtig: Das FiBL-Merkblatt zum Kräuteranbau beschreibt Zikaden als bedeutende Kräuterschädlinge. Die LWG erläutert die Blattrandschäden der Grünen Rebzikade. Daraus lässt sich keine einheitliche Schadschwelle für alle Gartenpflanzen ableiten.


Lebensweise & Vermehrung

Aus einem Ei schlüpft ein Jungtier, das sich über mehrere Häutungen zum erwachsenen Insekt entwickelt. Diese Jungtiere werden als Larven oder Nymphen bezeichnet; ein Puppenstadium fehlt. Ihre Nahrungspflanzen, Aufenthaltsorte und Entwicklungszeiten unterscheiden sich zwischen den Arten.

Die Rhododendronzikade bildet eine Generation pro Jahr. Ihre Eier überwintern in den Schuppen der Blütenknospen. Die Jungtiere schlüpfen gewöhnlich April/Mai und saugen anschließend an Blattunterseiten. Erwachsene Tiere werden im Sommer auffällig; die Eiablage erfolgt etwa August bis Oktober. Witterung und Standort können die Termine verschieben.

Manche Kräuterzikaden bilden mehrere Generationen. Auch zufliegende Tiere können den Befall verstärken. Die Generationenzahl allein sagt deshalb nicht, wie schnell ein Bestand geschädigt wird. Bei der Grünen Rebzikade überwintern erwachsene Tiere unter anderem an immergrünen Gehölzen; für andere Zikadenarten kommen Eier oder Larven als Winterstadium infrage.


Rhododendron: Zikaden und Knospenbräune

Illustration einer grün-rot gezeichneten Rhododendronzikade auf einer braunen Blütenknospe
Rhododendronzikade und braune Knospe: Ihre gemeinsame Beobachtung beweist keinen ursächlichen Zusammenhang

Knospenbräune ist eine Pilzkrankheit. Befallene Blütenknospen sterben ab und öffnen sich nicht. Kleine schwarze, borstenartige Pilzstrukturen auf abgestorbenen Knospen sind ein charakteristischer Hinweis. Eine braune Knospe allein beweist weder die Krankheit noch eine Eiablage der Zikade.

Die Weibchen der Rhododendronzikade verletzen Knospenschuppen bei der Eiablage. Dass diese Verletzungen die Infektion begünstigen oder die Tiere den Pilz übertragen, wird vermutet, ist aber nicht abschließend geklärt. Sowohl Hortipendium als auch die RHS weisen auf die Unsicherheit hin. Zikaden am Strauch rechtfertigen deshalb nicht automatisch eine Behandlung gegen Knospenbräune.

Entferne abgestorbene, pilzbefallene Knospen, sobald du sie erkennst, auch im Winter oder Frühjahr. Warte nicht bis zum Spätsommer und beschädige dabei keine gesunden Knospen. Die Maßnahme vermindert die Quelle neuer Pilzsporen; sie garantiert weder das Ende der Krankheit noch die Beseitigung aller Zikadeneier. Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt das Entfernen erkrankter Knospen.


Natürliche Gegenspieler

Spinnen, räuberische Wanzen und je nach Art kleine parasitische Wespen können Zikaden begrenzen. Auch Vögel und andere Insektenfresser nutzen sie als Nahrung. Welche Gegenspieler wie viel beitragen, hängt von Zikadenart, Standort und Jahreszeit ab.

Mit Blüten, unterschiedlichen Vegetationsstrukturen und Rückzugsorten verbesserst du ihre Lebensbedingungen. Breitwirksame Insektizide können auch diese Tiere treffen. Tipps findest du unter Nützlinge fördern, die Grundlagen unter Nützlinge. Ein ausreichend schneller Rückgang des Befalls lässt sich durch Nützlingsförderung allein jedoch nicht garantieren: Kontrolliere die Pflanzen weiter.


Vorbeugen & Regulieren

Illustration eines aufgehellten Blattes mit Häkchen und verschiedener Garteninsekten
Leichte Schäden lassen sich oft tolerieren; Pflanzenzustand und neue Schäden entscheiden über das weitere Vorgehen

Beobachten oder eingreifen?

SituationSinnvoller nächster Schritt
Wenige Tiere, einzelne Flecken, kräftige Pflanzebeobachten und regelmäßig dieselben Pflanzen sowie den Neuaustrieb kontrollieren
Zunehmend flächige Aufhellung, Blattfall oder WachstumsstörungenUrsache genauer prüfen; bei bestätigtem Zikadenbefall passende Maßnahmen für die Kultur wählen
Einzelne Schaumnester, keine erkennbaren Schädenbelassen; wenn sie stören, vorsichtig mit Wasser abspülen
Abgestorbene, pilzbefallene Rhododendronknospenzeitnah entfernen; Zikadenbefall getrennt beurteilen
Ungewöhnliche Vergilbung, Wuchsstörung oder Welke mit ErregerverdachtDiagnose klären, bei Bedarf beim Pflanzenschutzdienst; Symptome und Zikadenfund allein beweisen keine Infektion

Die Schadschwelle hängt auch davon ab, ob du die Blätter ernten möchtest und wie empfindlich die Pflanze ist. Neue Blätter können nach einem Rückgang des Befalls gesund bleiben, müssen es aber nicht.

Schonende Maßnahmen zuerst

Halte die Pflanzen mit passender Standortwahl, bedarfsgerechtem Wässern und Düngen in gutem Zustand. Bei Kräutern kann ein kulturverträglicher Rückschnitt nach der Ernte stark geschädigte Blattmasse entfernen; er beseitigt nicht zuverlässig alle Tiere oder Eier. Prüfe, ob die jeweilige Pflanze den Schnitt verträgt.

Für kleine Kräuterbestände können geeignete Insektenschutznetze vor dem Zuflug helfen. Sie müssen zur Zielart passen und ringsum geschlossen sein. Bereits vorhandene Zikaden werden sonst mit eingeschlossen, während Gegenspieler ausgesperrt bleiben. Beachte Pflanzenwachstum und Klima unter der Abdeckung; mehr dazu unter Vlies und Kulturschutznetze.

Gelbtafeln sind keine Standardmaßnahme im offenen Garten. Sie werden zwar im fachlichen Monitoring eingesetzt, fangen aber auch andere Insekten. Das Umweltbundesamt rät von Klebefallen im Freien ab. Für die übliche Gartenkontrolle sind Blattinspektionen die erste Wahl.

Falls ein Pflanzenschutzmittel nötig wird

Bei anhaltenden, erheblichen Schäden kann nach gesicherter Zuordnung ein zugelassenes Mittel infrage kommen. Die Bezeichnung „Neem“ oder „Kaliseife“ allein ist keine Anwendungsempfehlung. Kaliseifenpräparate wirken bei direktem Kontakt; Azadirachtin aus Neem wirkt unter anderem auf die Entwicklung der Insekten und verzögert. Wirkung und Nützlingsverträglichkeit hängen vom Produkt und seiner Anwendung ab. Das FiBL-Merkblatt erläutert die Wirkungsunterschiede; seine Schweizer Produktangaben sind keine Zulassung für Deutschland.

Verwende in Deutschland nur ein für Haus- und Kleingarten, die betreffende Kultur und das Anwendungsgebiet zugelassenes Produkt. Beachte Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Anwendungshäufigkeit, Schutzauflagen und bei essbaren Pflanzen die Wartezeit bis zur Ernte. Ein für Zierpflanzen zugelassenes Mittel darf nicht einfach auf Küchenkräuter übertragen werden. Die BVL-Hinweise für Kleingärtner erklären diese Anforderungen.


Häufige Fehler und Mythen

Illustration einer Schaumzikadenlarve in weißem Schutzschaum an einem Stängel
Kuckucksspeichel schützt die Larve; ein einzelnes Schaumnest verlangt normalerweise keine Behandlung

„Alle Zikaden sind harmlose Schönheitsfehler.“ Leichter Saugschaden ist oft tolerierbar. Starker Befall und bestimmte Erregerüberträger müssen jedoch anders bewertet werden.

„Schaum an der Pflanze bedeutet eine Infektion.“ Der Schaum ist ein Schutz für die Larve. Er beweist keine Krankheit. Die Wiesenschaumzikade kann in Befallsgebieten das Bakterium Xylella fastidiosa übertragen; dafür muss der Erreger vorhanden sein. Der JKI-Beitrag zur Übertragungsbiologie erklärt diesen Zusammenhang. Daraus folgt keine allgemeine Bekämpfungsempfehlung für Schaumnester im Hausgarten.

„Zikadenfund plus Vergilbung beweist eine Viruskrankheit.“ Manche Zikadenarten übertragen bestimmte Viren, Phytoplasmen oder andere Bakterien. Phytoplasmen sind Bakterien, keine Viren. Ob eine Übertragung möglich ist, hängt von der Kombination aus Erreger, Zikadenart und Wirtspflanze ab. Auffällige Symptome verlangen eine Diagnose; gegen einen bestätigten Erreger helfen nicht automatisch dieselben Maßnahmen wie gegen Saugschäden. Hinweise zu Viren findest du unter Pflanzenviren. Eine bereits bestehende Infektion wird durch das Bekämpfen der Überträger nicht geheilt.


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