Weißer Rost: erkennen, vorbeugen und bekämpfen

Inhalt8Abschnitte

Auf deinen Radieschen oder Meerrettichblättern erscheinen helle Flecken, unterseits sitzen weiße, leicht erhabene Pusteln. Das kann Weißer Rost sein. Anders als ein flächiger Mehltaubelag entstehen die Sporenlager zunächst unter der Blattoberhaut. Später brechen sie auf und setzen weißliches Sporenpulver frei.

Diese Seite behandelt vor allem Weißen Rost an Kreuzblütlern. Für die Einordnung zählen Pflanzenart, beide Blattseiten und mögliche Verformungen. Bilder und eine einzelne Wischprobe ersetzen keine sichere Diagnose.

Was ist Weißer Rost?

An Kreuzblütlern wird die Krankheit meist durch Albugo candida verursacht. Der Erreger gehört zu den Eipilzen (Oomyceten), einer Gruppe pilzähnlicher Organismen. Trotz des Namens handelt es sich nicht um einen echten Rostpilz. Mit den Erregern des Falschen Mehltaus ist er näher verwandt; die Krankheiten sind dennoch verschieden.

MerkmalEinordnung
Betroffene Kulturenunter anderem Radieschen, Rettich, Meerrettich, Rucola und Kohlarten
Typisches Schadbildhelle Blattflecken und weiße, blasige Sporenlager, häufig unterseits
Weitere BefallsstellenBlattstiele, Triebe, Blüten und Schoten möglich
Folgengeschädigte Blattfläche, vermindertes Wachstum und Verformungen
Günstige Bedingungeneher kühle, feuchte Witterung und Blattnässe

Nicht jeder Weiße Rost hat denselben Erreger. An Schwarzwurzeln und anderen Korbblütlern kommen beispielsweise Pustula-Arten vor. Ein Befall dort bedeutet nicht automatisch, dass derselbe Erreger deinen Kohl befällt. Auch innerhalb von Albugo candida gibt es unterschiedliche Rassen und Anfälligkeiten.

Weißen Rost erkennen und Verwechslungen prüfen

Schematische Darstellung eines Radieschenblatts: helle Flecken auf der Oberseite und unregelmäßige, teils zusammenfließende weiße Pusteln auf der Unterseite
Illustration: Helle Flecken oben und erhabene weiße Lager unten sind typische Hinweise auf Weißen Rost.

Anfangs können die Blattflecken gelblich oder blassgrün sein. Darunter entwickeln sich flache, später aufgewölbte weiße Pusteln. Nach dem Aufreißen wirken sie staubig. Die Lager können zusammenfließen; Blätter können sich wellen, vergilben und absterben. Befallene Blütenstände oder Triebe können auffällig verdickt und verkrümmt sein.

Unterschiede nach Kultur

KulturWorauf du achten kannst
Radieschen und Rettichgelbliche Flecken oben, weiße Pusteln unten; Falscher Mehltau kann gleichzeitig vorkommen
MeerrettichPusteln an Blättern und Blattstielen; bei der Vermehrung auf gesundes Ausgangsmaterial achten
Rucola und Blattkohlgeschädigte Blätter betreffen unmittelbar den geernteten Pflanzenteil
Kohl und blühende Kreuzblütlerneben Blättern auch Triebe, Blütenstände und Schoten kontrollieren

Weißer Rost oder Mehltau?

Mögliche UrsacheHinweise zur Unterscheidung
Weißer Rostdeutlich begrenzte, blasige weiße Pusteln, häufig unterseits; später weißes Sporenpulver
Echter Mehltaueher mehliger, aufliegender Belag auf einer oder beiden Blattseiten; keine typischen blasigen Lager
Falscher Mehltauhelle bis braune Blattflecken und je nach Kultur lockerer weißlicher bis grauer Sporenrasen unterseits
Rostbei vielen Gartenkulturen gelbliche, orangefarbene oder braune Sporenlager; die Farbe allein bestimmt den Erreger nicht
Rückstände oder tierischer BefallSpritzflecken, Tiere, Eier oder Gespinste prüfen; nicht allein nach einem weißen Fleck urteilen

Mischbefall ist möglich. Bei widersprüchlichen Symptomen hilft der Pflanzen-Doktor bei der ersten Einordnung. Bei starkem oder wiederkehrendem Befall ist die regionale Pflanzenschutzberatung sinnvoll.

Ursachen, Lebensweise und Überdauerung

Albugo candida benötigt lebendes Wirtsgewebe für sein Wachstum. Das Geflecht wächst im Pflanzeninneren; die sichtbaren Pusteln enthalten Sporangien, die mit Luftströmungen und Spritzwasser verbreitet werden. Unter nassen Bedingungen können daraus bewegliche Zoosporen entstehen, die junge Pflanzenteile infizieren.

Längere Blattnässe und eher kühle Witterung fördern die Krankheit. Regen, Tau und Beregnung können dafür sorgen, dass Blätter lange feucht bleiben. Trockenere Blätter senken das Risiko, verhindern einen Befall aber nicht sicher.

Der Erreger kann widerstandsfähige Dauersporen (Oosporen) im befallenen Gewebe bilden. Pflanzenreste und belasteter Boden können deshalb für spätere Kulturen eine Rolle spielen. Auch lebende befallene Wirtspflanzen können Infektionsquellen bleiben. Nur sichtbares Sporenpulver abzuwischen beseitigt den Befall im Blatt nicht.

Auch verunreinigtes Saatgut kann den Erreger einschleppen. Bei der Saatgutgewinnung können befallene Gewebereste aus verformten Blüten- und Samenständen in die Ernte gelangen. Verwende Saatgut aus verlässlicher Quelle und gewinne kein eigenes Saatgut aus befallenen Beständen. Gesund aussehende Samen allein schließen eine Verunreinigung nicht sicher aus.

Weißem Rost vorbeugen

MaßnahmePraktische Umsetzung
Luftig kultivierenpassende Pflanzabstände wählen, zu dichte Aussaat ausdünnen und Tunnel oder Gewächshaus lüften
Blattnässe verkürzenmöglichst bodennah gießen; notwendige Beregnung so planen, dass das Laub anschließend abtrocknen kann
Gesundes AusgangsmaterialSaatgut aus verlässlicher Quelle, gesunde Jungpflanzen und bei Meerrettich unauffällige Fechser verwenden; keine eigene Saatgutgewinnung aus befallenen Beständen
Infektionsquellen begrenzenbefallene Reste nach der Ernte räumen; befallene Kreuzblütler wie Hirtentäschel im Kulturbereich entfernen
Fruchtwechsel planennach Befall Kreuzblütlerpausen einplanen; Radieschen durch Kohl zu ersetzen ist kein Wechsel der Pflanzenfamilie; auch Senf und Ölrettich als Gründüngung zählen zu den Kreuzblütlern
Sortenangaben prüfenwenn verfügbar, gezielte Resistenz- oder Toleranzangaben gegen Weißen Rost beachten

Ein Fruchtwechsel kann das Risiko senken. Eine feste Pause garantiert keine Sanierung. Bei wiederholtem Befall Standort und weitere Beetnutzung fachlich prüfen lassen. Grundlagen findest du unter Fruchtfolge und Resistenz und Toleranz.

Weißer Rost: Was tun bei Befall?

Befallsumfang prüfen und gezielt handeln

  1. Beide Blattseiten kontrollieren: betroffene Kultur, Flecken, Pusteln und Verformungen prüfen; benachbarte mögliche Wirtspflanzen ansehen.
  2. Stark befallene Teile entfernen: bei wenigen geschädigten Blättern gezielt vorgehen. Stark geschädigte kleine Pflanzen gegebenenfalls ganz herausnehmen; gesunde Blattfläche möglichst erhalten.
  3. Ausbreitung begrenzen: befallenes Material nicht im Beet liegen lassen, Blattnässe verkürzen und nach Arbeiten an kranken Pflanzen Werkzeuge reinigen.
  4. Neue Schäden beobachten: entscheidend ist, ob neue Pusteln oder weitere betroffene Pflanzenteile auftreten. Bereits abgestorbenes Gewebe wird nicht wieder gesund.

Entsorgung: Wegen möglicher Dauersporen stark befallenes Material vorsorglich nicht im gewöhnlichen Hauskompost verwerten. Nutze einen örtlich zugelassenen Entsorgungsweg; Regeln für Biotonne, Grüngut und Restmüll unterscheiden sich. Weitere Hinweise bietet Gartenhygiene.

Hausmittel und Pflanzenschutzmittel richtig einordnen

Milch, Natron oder Schwefel werden häufig im Zusammenhang mit Echtem Mehltau genannt. Daraus lässt sich keine passende Behandlung gegen Weißen Rost ableiten. Auch eine Genehmigung für einen Grundstoff gilt nur für die jeweils beschriebenen Anwendungen; siehe Hausmittel und Grundstoffe.

Vor einem Mitteleinsatz müssen Produkt, Kultur, Schaderreger, Anwendungsbereich und nichtberufliche Anwendung zusammenpassen. Eine Zulassung für das Freiland gilt nicht automatisch auch im Gewächshaus oder umgekehrt. Prüfe die aktuelle BVL-Zulassung und die Gebrauchsanleitung einschließlich Aufwandmenge, Anwendungshäufigkeit, Schutzmaßnahmen und Wartezeit. Empfehlungen aus dem Erwerbsanbau oder aus anderen Ländern lassen sich nicht einfach auf den deutschen Hausgarten übertragen. Ist keine passende Anwendung zugelassen, bleiben Kulturmaßnahmen und fachliche Beratung.

Häufige Fragen zu Weißem Rost

Ist Weißer Rost dasselbe wie Echter Mehltau?

Nein. Die Erreger und Schadbilder unterscheiden sich. Weißer Rost bildet typischerweise blasige Sporenlager; Echter Mehltau erscheint eher als mehliger Oberflächenbelag. Nach dem Aufbrechen können auch Rostpusteln staubig aussehen.

Kann ich die Pusteln einfach abwaschen?

Damit entfernst du höchstens einen Teil der sichtbaren Sporen. Der Erreger wächst im Gewebe, und zusätzliches Nasshalten kann neue Infektionen begünstigen. Kontrolliere stattdessen den Befallsumfang und entferne stark geschädigte Teile gezielt.

Muss das ganze Beet geräumt werden?

Das hängt von Kultur und Ausbreitung ab. Einzelne befallene Blätter rechtfertigen kein pauschales Räumen. Bei stark geschädigten Pflanzen und wiederkehrendem Befall sind Entfernung, Hygiene und eine andere Beetbelegung sinnvoll zu prüfen.

Zählt Gründüngung zur Kreuzblütlerpause?

Ja. Auch Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler. Mit ihnen setzt du die Pflanzenfamilie im Beet fort. Wähle während der Pause eine Gründüngung aus einer anderen Pflanzenfamilie und prüfe bei Mischungen sämtliche enthaltenen Arten.

Verwandte Seiten

Infografik

Illustrierte Übersicht zu Weißem Rost an Kreuzblütlern: Pusteln erkennen, Blattnässe verringern, luftig pflanzen sowie gesundes Saat- und Pflanzgut verwenden
Die Illustration fasst wichtige Hinweise zusammen; sie ersetzt keine Diagnose oder Anwendungsvorgaben.