Wespen im Garten: erkennen und sicher mit ihnen umgehen
Inhalt12Abschnitte
- Welche Wespen leben im Garten?
- Wespen erkennen und unterscheiden
- Lebensweise und das Wespenjahr
- Nutzen und mögliche Probleme im Garten
- Sicher mit Wespen am Tisch umgehen
- Ein Wespennest im Garten oder am Haus
- Was tun bei einem Wespenstich?
- Häufige Missverständnisse
- Wespen und andere Nützlinge unterstützen
- Verwandte Seiten
- Einordnung
- Infografik
Eine Wespe auf dem Pflaumenkuchen kann den Nachmittag im Garten ungemütlich machen. Dieselbe Art jagt aber auch Insekten für ihren Nachwuchs und gehört zu den natürlichen Gegenspielern im Garten. Nutzen, Nahrungssuche am Tisch und Stichrisiko bestehen nebeneinander; eine Wespe wird nicht an einem bestimmten Sommertag vom Helfer zum Schädling.
Dieser Steckbrief behandelt vor allem die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Sie sind die typischen regelmäßigen Tischbesucher unter den heimischen sozialen Wespen. Andere Arten haben teils andere Nestplätze, kleinere Völker oder einen kürzeren Jahreszyklus. Auch die Europäische Hornisse ist eine Wespe.
Welche Wespen leben im Garten?
Gemeine und Deutsche Wespe gehören zur Familie der Faltenwespen (Vespidae) und darin zur Unterfamilie der Echten Wespen (Vespinae). Auch Hornissen sowie Sächsische und Mittlere Wespe gehören zu dieser Unterfamilie. Feldwespen sind ebenfalls soziale Faltenwespen, gehören aber zu einer anderen Unterfamilie (Polistinae).
Daneben bezeichnet man viele weitere Hautflügler als Wespen, etwa solitäre Grab- und Lehmwespen oder parasitisch lebende Schlupfwespen. Sie unterscheiden sich in Nahrung, Nestbau und Entwicklung deutlich von den hier beschriebenen Vespula-Arten. Angaben zu deren Staaten lassen sich deshalb nicht auf alle Wespen übertragen.
Gemeine und Deutsche Wespe auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Wissenschaftliche Namen | Vespula vulgaris und Vespula germanica |
| Familie / Unterfamilie | Faltenwespen (Vespidae) / Echte Wespen (Vespinae) |
| Größe der Arbeiterinnen | zusammen etwa 11–16 mm; Königinnen sind größer |
| Lebensweise | einjähriger Staat mit Königin, Arbeiterinnen und später Jungköniginnen und Männchen |
| Nahrung der Larven | überwiegend tierisches Eiweiß, etwa aus erbeuteten Insekten |
| Nahrung der Erwachsenen | vor allem zuckerhaltige Flüssigkeiten: Nektar, Honigtau, Obstsäfte und Nahrungsaustausch im Nest |
| Nestplatz | meist dunkle Hohlräume oder Erdhöhlen |
| Aktivität | vom Frühjahr bis zum Herbst; große Völker fallen besonders im Hoch- und Spätsommer auf |
| Überwinterung | begattete Jungköniginnen; Altkönigin, Arbeiterinnen und Männchen sterben zum Saisonende |
Wespen erkennen und unterscheiden
Gemeine und Deutsche Wespe sind kompakte, gelb-schwarz gezeichnete Insekten mit einer schmalen Verbindung zwischen Brust und Hinterleib. Sie sind kurz behaart, wirken aber weniger pelzig als viele Bienen. Feldwespen wirken schlanker und lassen im Flug häufig die langen Hinterbeine hängen.
Auf dem Kopfschild (Clypeus) trägt die Gemeine Wespe meist eine linien- bis ankerförmige schwarze Zeichnung, die Deutsche Wespe meist Punkte. Die Zeichnung kann variieren; für eine sichere Artbestimmung können weitere Merkmale nötig sein. Gehe für einen Blick auf den Kopf nicht näher an ein Nest heran. Für den Umgang am Tisch genügt meist die Einordnung als Vespula-Wespe.
| Tiergruppe | Typische Merkmale | Verhalten und Stichrisiko |
|---|---|---|
| Gemeine / Deutsche Wespe | gelb-schwarz, kompakt, schmale Taille; Arbeiterinnen etwa 11–16 mm | regelmäßige Tischbesucher; Weibchen können bei Bedrohung mehrfach stechen |
| Europäische Hornisse (Vespa crabro) | deutlich größer; Kopf und Brust mit rotbraunen Partien, Hinterleib gelb-schwarz | gewöhnlich kein aufdringlicher Tischbesucher; kann sich und ihr Nest mit Stichen verteidigen |
| Honigbiene | meist bräunlich, deutlich behaarte Brust; Pollensammlerinnen mit Pollen an den Hinterbeinen | sammelt Nektar und Pollen; bei einem Stich in menschliche Haut bleibt der Stachel meist zurück |
| Schwebfliege | je nach Art gelb-schwarz, manchmal dicht behaart; ein statt zwei Flügelpaare | viele Arten schweben im Flug; kein Wehrstachel |
Größe, Farbe oder Behaarung allein reichen nicht für jede Bestimmung. Die Vergleichsmerkmale beschreiben typische Tiere. Die Angaben zur Hornisse beziehen sich auf die heimische Europäische Hornisse; weitere Arten behandelt der Hornissen-Steckbrief.
Lebensweise und das Wespenjahr
Eine überwinterte Jungkönigin gründet im Frühjahr das Nest und zieht die erste Brut allein auf. Aus Holzfasern und Speichel entstehen Papierwaben. Später übernehmen Arbeiterinnen Nestbau, Brutpflege und Nahrungssuche. Große Völker der Gemeinen und Deutschen Wespe können mehrere Tausend Tiere umfassen; andere soziale Arten bilden oft wesentlich kleinere Staaten.
Erwachsene Wespen benötigen während der gesamten Saison Zucker als Energiequelle. Für die Larven sammeln sie zusätzlich eiweißreiche Nahrung. Die Larven geben bei der Fütterung Flüssigkeit an die Erwachsenen zurück, die unter anderem Zucker enthält. Es findet also kein einfacher Wechsel von Eiweiß- zu Zuckerernährung statt.
Im Hoch- und Spätsommer treffen viele Arbeiterinnen auf reichlich verfügbare Nahrungsquellen. Gegen Saisonende verändert sich außerdem das Verhältnis von Arbeiterinnen zu versorgungsbedürftigen Larven. Das kann die Suche nach Zucker außerhalb des Nestes verstärken. Kuchen, Obst und Getränke locken dann besonders auffällig; Fleisch und Wurst können während der Brutversorgung ebenfalls attraktiv sein.
Jahresablauf der beiden Vespula-Arten
Die Zeiträume sind Richtwerte: Art, Region und Witterung beeinflussen Beginn und Ende der Saison.
| Phase | Typischer Zeitraum | Was geschieht? |
|---|---|---|
| Nestgründung | Frühjahr, häufig April–Mai | überwinterte Königin baut erste Waben und versorgt die erste Brut |
| Wachstum | Frühsommer bis Sommer | Arbeiterinnen übernehmen die Versorgung; das Volk wächst |
| Große Volksstärke | Hoch- und Spätsommer | viele Tiere suchen Nahrung; Begegnungen am Tisch nehmen zu |
| Geschlechtstiere | Spätsommer bis Herbst | Jungköniginnen und Männchen entstehen, Paarung findet statt |
| Auflösung des Staates | Herbst, bei milder Witterung bis November | Altkönigin, Arbeiterinnen und Männchen sterben; begattete Jungköniginnen suchen Winterquartiere |
Gemeine und Deutsche Wespe nutzen das alte Nest im folgenden Jahr nicht erneut. Ein geeigneter Hohlraum kann aber wieder als Nestplatz dienen. Bei Feldwespen kann auch altes Nestmaterial erneut genutzt werden; „niemals wiederbezogen“ gilt deshalb nicht pauschal für alle Wespen.
Nutzen und mögliche Probleme im Garten
Wespen jagen unter anderem Fliegen und Raupen und können so zur natürlichen Schädlingsregulierung beitragen. Sie fangen auch Tiere, die keine Pflanzenschädlinge sind. Wie stark ein Volk den Befall in deinen Beeten beeinflusst, hängt von Beuteangebot, Art und Volksgröße ab. Ihre Anwesenheit garantiert keine ausreichende Schädlingsbegrenzung. Als Teil des Nahrungsnetzes dienen Wespen selbst anderen Tieren als Nahrung und verwerten auch tote Insekten.
Beim Besuch von Blüten können sie Pollen übertragen. Die Bedeutung für die Bestäubung hängt von Wespenart und Pflanze ab; eine pauschale Rangfolge gegenüber sämtlichen Bienen wäre zu grob. Grundlagen und weitere Gegenspieler findest du unter Nützlinge.
Am Tisch sind besonders Gemeine und Deutsche Wespe lästig. Sie nutzen reife oder verletzte Früchte und können auch noch am Baum hängendes Obst anfressen. Fraß an bereits verdorbenem Fallobst ist dagegen nicht mit einem Verlust gesunder Ernte gleichzusetzen. In der Nähe eines Nestes besteht bei Störungen ein erhöhtes Stichrisiko.
Sicher mit Wespen am Tisch umgehen
Bleib ruhig, vermeide Schlagen und puste die Tiere nicht an. Das kann Abwehrreaktionen auslösen. Auch ruhiges Verhalten schließt einen Stich nicht aus, etwa wenn ein Tier unbemerkt zwischen Haut und Kleidung eingeklemmt wird.
- Speisen und Getränke abdecken: auch Fleisch und Wurst. Reste zeitnah wegräumen und Abfälle geschlossen halten.
- Vor jedem Schluck und Bissen hinsehen: Getränke nicht ungeprüft direkt aus undurchsichtigen Dosen oder Flaschen trinken. Kinder beim Essen begleiten und anschließend Hände und Mund säubern.
- Fallobst am Sitzplatz regelmäßig aufnehmen: vorher auf Tiere achten; auf Streuobstwiesen und bei Fallobst Schuhe tragen.
- Fenster bei Bedarf mit Fliegengaze sichern: so geraten weniger Insekten ins Haus.
Eine Ablenkfütterung kann helfen, bietet aber keinen verlässlichen Schutz. Wenn du sie ausprobieren möchtest, stelle etwa aufgeschnittene, sehr reife Trauben oder etwas Marmelade fünf bis zehn Meter vom Tisch entfernt auf. Beobachte, ob die Tiere dort bleiben oder zusätzliche Wespen in den Aufenthaltsbereich kommen. Sie ersetzt das Abdecken und Kontrollieren von Speisen nicht. Flüssigkeitsfallen mit Saft oder Bier töten auch andere Insekten und sind keine geeignete Standardmaßnahme.
Ein Wespennest im Garten oder am Haus
Gemeine und Deutsche Wespe bauen ihre Nester meist verborgen in dunklen Hohlräumen oder im Boden. Frei hängende Papiernester im Gebüsch oder an hellen Stellen gehören gewöhnlich anderen Arten. Deren Entfernung beseitigt deshalb das Problem am Kaffeetisch meist nicht.
Ein Nest an einer wenig genutzten Stelle lässt sich häufig bis zum Ende der Saison dulden. Halte Abstand, lass die Flugbahn frei und vermeide Erschütterungen, etwa durch Rasenmähen direkt am Erdnest. Einfluglöcher niemals verschließen, nicht darin stochern und weder Wasser noch Sprays auf das Nest richten. Tiere können sich sonst verteidigen oder einen anderen Ausgang ins Gebäude suchen.
Wenn das Nest an einem häufig genutzten Durchgang liegt, Kinder den Nestbereich erreichen können oder eine Person mit Insektengiftallergie gefährdet ist, lass die Situation fachkundig beurteilen. Die Untere Naturschutzbehörde kann örtliche Wespenberater oder geeignete Fachbetriebe nennen. Ob das Nest bleiben kann, eine Absicherung genügt oder eine Umsiedlung möglich ist, hängt von Art, Zugänglichkeit und Situation ab.
Nicht jeder Imker übernimmt Wespenberatung oder Umsiedlungen. Die Feuerwehr ist normalerweise keine Anlaufstelle für gewöhnliche Nestentfernungen; sie kann in besonderen akuten Gefahrenlagen tätig werden. Die 112 ist für Notfälle vorgesehen, etwa eine schwere Reaktion nach einem Stich.
Artenschutz und Eingriffe
Für Gemeine und Deutsche Wespe gilt in Deutschland § 39 Bundesnaturschutzgesetz: Wild lebende Tiere dürfen nicht mutwillig beunruhigt oder ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch ihre Lebensstätten dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt oder zerstört werden. Das Gesetz enthält kein allgemeines Gebot, jedes Wespennest ausschließlich durch Fachleute entfernen zu lassen. Fachkundige Beratung und Durchführung sind wegen Stichrisiko, Artbestimmung und möglicher weiterer Vorschriften dennoch sinnvoll. Bloßer Ärger am Tisch rechtfertigt keine pauschale Bekämpfung.
Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt. Für eine erforderliche Umsiedlung oder Beseitigung ihres Nestes ist vorab eine behördliche Ausnahme nötig. Bei unklarer Art oder Rechtslage wende dich an die zuständige Naturschutzbehörde.
Ein altes Nest der Gemeinen oder Deutschen Wespe muss nicht vorsorglich entfernt werden. Soll es aus einem Hohlraum entfernt werden, muss das Volk tatsächlich abgestorben sein; ein kalter Tag ohne Flugverkehr beweist das nicht. Problematische Zugänge lassen sich außerhalb der Besiedlung vorbeugend abdichten, nachdem geprüft wurde, dass keine Tiere oder andere geschützte Lebensstätten betroffen sind.
Was tun bei einem Wespenstich?
Weibliche Wespen können sich selbst oder ihr Nest mit dem Stachel verteidigen. Männchen haben keinen Wehrstachel. Anders als bei einem Honigbienenstich bleibt der Wespenstachel gewöhnlich nicht in der Haut zurück; mehrere Stiche durch dasselbe Tier sind möglich.
Ein einzelner Stich verursacht häufig örtliche Schmerzen, Rötung und Schwellung. Kühle die Stelle, etwa mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack; nicht direkt mit Eis auf der Haut. Gehe aus dem unmittelbaren Nestbereich, wenn du dort gestochen wurdest, und beobachte die Beschwerden.
Sofort 112 rufen bei einem Stich im Mund oder Rachen sowie bei Atemnot, Schwellung von Zunge oder Hals, Kollaps oder deutlichen Kreislaufproblemen. Warte bei solchen Symptomen nicht ab, auch wenn bisher keine Allergie bekannt war. Falls ein ärztlich verordnetes Notfallset vorhanden ist, wende es nach dem persönlichen Notfallplan an.
Bei mehreren Stichen, einem Stich nahe am Auge, ausgeprägten oder zunehmenden Beschwerden sowie Anzeichen einer Infektion ist eine zeitnahe medizinische Abklärung sinnvoll. Für Menschen mit bekannter Insektengiftallergie gelten die mit der behandelnden Praxis vereinbarten Maßnahmen. Ruhiges Verhalten und Abstand sind hilfreich, ersetzen aber keine Notfallversorgung.
Häufige Missverständnisse
- „Im Spätsommer wechseln Wespen von Eiweiß zu Zucker.“ Erwachsene Tiere brauchen schon vorher Zucker; Eiweiß wird überwiegend für die Larven gesammelt. Die Aufgaben und Nahrungsquellen im Volk verändern sich im Saisonverlauf.
- „Eine Hornisse ist etwas ganz anderes als eine Wespe.“ Die Europäische Hornisse ist selbst eine Faltenwespe. Sie ist größer als die üblichen Vespula-Tischbesucher und besonders geschützt.
- „Wer ruhig bleibt, wird nicht gestochen.“ Ruhe senkt das Risiko. Einklemmen eines Tieres oder unbemerkte Nähe zu einem Nest können trotzdem zu Stichen führen.
- „Jedes sichtbare Nest verursacht die Wespen am Kuchen.“ Frei hängende Papiernester stammen meist von anderen Arten als den typischen Tischbesuchern.
- „Wespenfallen oder Ablenkfütterung lösen das Problem sicher.“ Fallen töten auch andere Insekten; Ablenkfütterung kann funktionieren, ist aber keine Schutzgarantie.
Wespen und andere Nützlinge unterstützen
Ungestörte Gartenbereiche, geeignete Blüten und der Verzicht auf unnötige Insektizide kommen vielen Insekten zugute. Dulde unproblematische Nester mit ausreichendem Abstand zu Aufenthaltsbereichen. Eine gezielte Ansiedlung direkt am Sitzplatz oder Kinderspielbereich ist dafür nicht nötig. Mehr zur Gestaltung findest du auf Nützlinge fördern.
Verwandte Seiten
- Hornisse — die Europäische Hornisse erkennen und ihren besonderen Schutz beachten
- Honigbiene — Merkmale und Lebensweise der Honigbiene
- Schwebfliege — Wespenähnliche Fliegen ohne Wehrstachel
- Schlupfwespe — parasitische Wespen als natürliche Gegenspieler
- Blattwespen — eine andere Tiergruppe, deren Larven Pflanzen schädigen können
- Nützlinge — natürliche Gegenspieler im Garten einordnen
- Nützlinge fördern — Nahrung und Lebensräume anbieten
Einordnung
Fachlich geprüft am 1. Oktober 2026. Die Zeit- und Größenangaben beziehen sich, soweit nicht anders genannt, auf Gemeine und Deutsche Wespe. Die Artenschutzhinweise gelten für Deutschland.
Infografik