Löwenzahn anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Löwenzahn (Taraxacum officinale) anbauen: Direktsaat März bis September; Abstand 20-30 cm; mehrjährig; alle Pflanzenteile essbar; Bienenweide und Heilpflanze.

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist die wahrscheinlich bekannteste Wildpflanze Mitteleuropas: mehrjährig, robust und vollständig essbar – Blätter, Blüten, Knospen und Pfahlwurzeln. Während er auf Rasenflächen meist als “Unkraut” bekämpft wird, hat er in Gourmetküchen und Heilkundetraditionen einen festen Platz: bitter, nussig-würzig, leberfreundlich und reich an Vitaminen. Aussaat erfolgt von März bis September; junge Blätter werden durch Bleichen (Abdunkeln) milder.
Löwenzahn auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Löwenzahn (Taraxacum officinale) |
| Nutzungsgruppe | Wildkraut / Salatpflanze / Heilkraut / Bienenweide |
| Lebensform | mehrjährig, winterhart, sommergrün |
| Voranzucht | optional ab März in Töpfen |
| Direktsaat Freiland | März bis September |
| Pflanzabstand | 20–30 cm |
| Reihenabstand | 30 cm |
| Pflanzen pro m² | 12–16 |
| Saattiefe | 0–0,5 cm (Lichtkeimer) |
| Standort | sonnig bis halbschattig; nährstoffreich, tiefgründig |
| Boden-pH | 6,0–7,5 |
| Düngung | mäßig – Pfahlwurzel zieht Nährstoffe aus der Tiefe |
| Erntezeitraum Blätter | März bis November |
| Blütezeit | April bis Juni (Hauptblüte), Nachblüte bis Oktober |
| Wuchshöhe | 10–30 cm |
| Familienbedarf (4 Pers.) | ca. 1 m² mit 12 Pflanzen |
| Herkunft | Eurasien, weltweit eingebürgert |
| Botanisch | Taraxacum officinale |
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
Standort und Pflege für Löwenzahn
- Standort: sonnig bis halbschattig; nährstoffreicher, tiefgründiger Boden – Pfahlwurzel braucht Platz nach unten.
- Düngung: mäßig – Kompost vor der Aussaat reicht meist aus.
- Gießen: mäßig; in Trockenheit gut, dank tiefer Pfahlwurzel.
- Aussaat: Lichtkeimer – Samen nur leicht andrücken, nicht abdecken.
- Bleichen: für milden Salat junge Pflanzen 7–14 Tage mit Tontopf, Karton oder Folie abdunkeln – Blätter werden hellgelb und mild.
- Blüten entfernen: wer Selbstaussaat vermeiden will, schneidet Blüten vor Versamung (gelbe Blüte → Pusteblume).
- Pflücken: Rosettenblätter zart und mild solange jung; mehrere Schnitte pro Saison möglich.
Wichtige Punkte beim Anbau von Löwenzahn
- Pfahlwurzel: Pflanze fest verankert, kann sich kaum entfernen lassen – bewusste Standortwahl.
- Bleichen (Abdunkeln) macht Blätter mild und zart – wie kommerzielle “Pissenlit”-Sorten.
- Alle Pflanzenteile essbar: Blätter, Blütenknospen, Blüten (für Honig/Sirup), Wurzeln (geröstet als Kaffee-Ersatz).
- Sehr wichtige frühe Bienenweide (April/Mai) – Hauptnektarquelle für Honigbienen im Frühjahr.
- Selbstaussaat über Schirmflieger – verbreitet sich windgetragen großräumig.
- Vorsicht: Milchsaft kann auf empfindlicher Haut Reizungen verursachen; Flecken aus Kleidung schwer entfernbar.
Löwenzahn in der Mischkultur
- Gut: Apfelbäume und Erdbeeren – Löwenzahn aktiviert den Boden durch tiefe Wurzeln und holt Nährstoffe aus der Tiefe.
- Schlecht: empfindliche Salate und kleinwüchsige Gemüse direkt daneben – verdrängt durch Wuchskraft.
- Als Untersaat unter Obstgehölzen, in Wildkräuterbeeten oder als Schmetterlingsweide ideal.
Löwenzahn Sorten und Nutzung
- Kulturlöwenzahn: ‘Pissenlit Vert de Montmagny’, ‘Dent de Lion’ – breitblättrig, salatlauglich, mild.
- Wildform: Taraxacum officinale – kräftiger im Geschmack, traditionell als Heilpflanze.
- Küche: Blätter im Salat (jung und gebleicht zart, älter herb-bitter), Blütenknospen wie Kapern eingelegt, Blüten als Sirup (“Löwenzahnhonig”), Wurzel geröstet als Kaffee-Ersatz.
- Heilpflanze: als Tee oder Frischpflanzensaft leberanregend, harntreibend (“Bettpisser”), gallenanregend.
- Bienenweide: Hauptpollen- und Nektarquelle im Frühjahr.
Nährwerte (pro 100 g junge Blätter, roh)
- Energie: ca. 45 kcal.
- Wasser: ca. 86 g.
- Kohlenhydrate: ca. 9 g.
- Eiweiß: ca. 2,7 g.
- Fett: ca. 0,7 g.
- Vitamine: Vitamin C 35 mg, Vitamin A (Provitamin) sehr hoch, Vitamin K extrem hoch (770 µg), B-Komplex.
- Mineralstoffe: Calcium 187 mg, Eisen 3,1 mg, Kalium 397 mg, Magnesium.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Bitterstoffe (Taraxacin), Inulin (Wurzel – präbiotisch), Flavonoide.
Ertrag des Löwenzahns im Hausgarten
Für eine vierköpfige Familie reicht ca. 1 m² mit 12 Pflanzen – pro Schnitt 200–400 g Blattmasse, bei 3–4 Schnitten pro Saison rund 1–1,5 kg. Wurzeln nach 1–2 Jahren ernten (Spätherbst): ca. 300–500 g getrocknete Wurzel pro m² (für Kaffee-Ersatz). Praktisch wächst Löwenzahn meist von selbst nach.
Häufige Fehler beim Anbau von Löwenzahn
- Blätter erst spät ernten – werden bitter, fasrig
- Nicht bleichen – wer milden Salat will, sollte 1–2 Wochen abdunkeln
- Versamen ungehindert lassen – Pusteblume verbreitet sich windgetragen über die ganze Nachbarschaft
- Pfahlwurzel beim Entfernen abreißen – treibt aus jedem Wurzelstück neu aus
Infografik