Ölrettich anbauen – Bodenlockerer mit tiefer Pfahlwurzel
Ölrettich anbauen: Direktsaat Juli–September; 2–3 g/m²; Pfahlwurzel bis 80 cm – lockert verdichtete Böden; reduziert Nematoden (Multiresistente Sorten).

Ölrettich ist der klassische Tiefenlockerer unter den Gründüngungspflanzen: Seine Pfahlwurzel reicht bei guter Aussaat 60–80 cm tief und durchbricht verdichtete Bodenschichten, die einfaches Umgraben nicht erreicht. Nach dem Abfrieren im Winter hinterlässt die verrottende Wurzel einen senkrechten Belüftungskanal – Regenwürmer und nachfolgende Wurzeln nutzen ihn. Multiresistente Sorten reduzieren zusätzlich pflanzenparasitäre Nematoden im Boden (besonders wichtig für Kartoffel- und Tomatenbeete). Wichtige Einschränkung: Wie Gelbsenf ist Ölrettich Kreuzblütler – keine Fruchtfolge mit Kohl, Radieschen oder Rettich.
Ölrettich auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiformis) |
| Nutzungsgruppe | Gründüngung / Bodenlockerer / Nematodenreduktion |
| Lebensform | einjährig; frostempfindlich (friert bei -8 °C ab) |
| Direktsaat Freiland | Juli bis Mitte September |
| Saatmenge | 2–3 g/m² |
| Reihenabstand | 15–25 cm |
| Saattiefe | 1–2 cm |
| Wuchshöhe | 80–150 cm |
| Wurzeltiefe | 60–80 cm (Pfahlwurzel) |
| Standort | anspruchslos, sonnig bis halbschattig, durchlässig |
| Boden-pH | 5,5–7,5 |
| Düngung | keine erforderlich |
| Vegetationsdauer | 8–12 Wochen |
| Stickstoff-Wirkung | speichert N im Wuchs, verhindert Auswaschung im Winter |
| Biomasse | 2–4 kg/m² oberirdisch + tiefe Wurzel |
| Familienbedarf (4 Pers.) | für Bodenlockerung skalierbar; gezielt für verdichtete Beete |
| Herkunft | Mittelmeerraum |
| Botanisch | Raphanus sativus var. oleiformis |
| Familie | Kreuzblütler (Brassicaceae) |
Standort und Pflege für Ölrettich
- Standort: sonnig bis halbschattig; verträgt fast jeden Bodentyp; ideal auf verdichteten oder verschlämmten Böden.
- Düngung: keine erforderlich – Ölrettich nimmt vorhandenen Stickstoff aus dem Boden auf und speichert ihn.
- Gießen: nach der Aussaat im Hochsommer bei Trockenheit; danach robust.
- Wuchsform: kräftige aufrechte Pflanze mit weißen oder violetten Blütenständen; tiefer Pfahlwurzel.
- Einarbeiten: entweder vor Blüte flach einarbeiten (klassische Variante), oder bei Aussaat ab Anfang August: stehen lassen, abfrieren lassen, im Frühjahr nur noch oberflächlich harken (Mulchvariante).
- Wurzelnutzen maximieren: Saat bis spätestens Ende August für volle Wurzelentwicklung; Ende September wird die Wurzel nur noch 20–30 cm tief.
Wichtige Punkte beim Anbau von Ölrettich
- Kreuzblütler-Sperre: NICHT vor/nach Kohl, Radieschen, Rettich, Rucola – mindestens 3–4 Jahre Abstand wegen Kohlhernie.
- Multiresistente Sorten gezielt einsetzen: bei Nematoden-Befall im Kartoffel- oder Tomatenbeet – Sortenangabe “multiresistent” oder Resistenz-Nummer beachten.
- Friert bei -8 °C zuverlässig ab – Frostmulch im Winter, keine händische Entfernung nötig.
- Aussaattermin entscheidet über Wurzeltiefe: Juli/August = tiefe Pfahlwurzel; September = nur flache Wurzel.
- Bienenweide bei Blüte – wenn nicht eingearbeitet wird und zur Blüte kommt.
Ölrettich in der Mischkultur
- Gut als Vor-/Nachkultur: Kartoffel, Tomaten, Kürbis, Zucchini, Mais – alle Starkzehrer profitieren von Bodenlockerung und freigesetztem N.
- Schlecht (Kreuzblütler-Sperre): alle Kohlarten, Radieschen, Rettich, Rucola, Senfblätter.
- In Gründüngungsmischungen häufig kombiniert mit Phacelia oder Sommerwicke (sofern keine Fabaceae-Konflikte bestehen).
- Nicht als Mischkultur zwischen wachsenden Hauptkulturen – Ölrettich wird zu hoch und beschattet zu stark.
Ölrettich Sorten und Nutzung
- Multiresistente Sorten: “Defender”, “Anaconda”, “Doublet” – reduzieren Rübennematoden und Wurzelgallennematoden.
- Standardsorten: “Siletina”, “Carwoodi” – günstig, ohne Nematodenresistenz; gut für reine Bodenlockerung.
- Nicht zu verwechseln mit: Speiserettich (anderer Verwendungszweck) und Radieschen (Sommer-Variante derselben Art).
- Garten-Nutzung: Tiefenlockerung verdichteter Beete; Stickstoff-Speicherung über Winter; Nematodenreduktion auf belasteten Flächen; Frostmulch.
- Küche: kein klassisches Speisegemüse – die Wurzel ist holzig und scharf; nur als Tierfutter genutzt.
Nährwerte / Inhaltsstoffe
Ölrettich wird im Hausgarten nicht für die Küche angebaut. Wichtig sind die agronomischen Inhaltsstoffe:
- Wurzeltrockenmasse: 2–3 % N – Stickstoff wird über Winter im Pflanzenkörper gespeichert.
- Glucosinolate (Senfölglykoside) in Wurzeln und Blättern – wirken gegen pflanzenparasitäre Nematoden (Biofumigation).
- Biomasse: 2–4 kg Frischmasse/m² oberirdisch + tiefes Wurzelsystem.
- C/N-Verhältnis: ca. 20:1 – mittlere Mineralisierungsgeschwindigkeit nach Einarbeitung.
- Wurzeltiefe: 60–80 cm – erreicht tiefere Schichten als die meisten Gemüse.
Ertrag von Ölrettich im Hausgarten
Als Gründüngung steht nicht Ernte, sondern Bodenstruktur und N-Speicherung im Vordergrund. Pro m² liefert Ölrettich 2–4 kg oberirdische Frischmasse, lockert den Boden mechanisch bis 80 cm Tiefe und hält 5–10 g Stickstoff pro m² über den Winter im Pflanzenkörper, statt ihn ins Grundwasser auswaschen zu lassen. Ein 100-g-Saatgutbeutel (ca. 4–6 € im Handel) deckt ca. 30–50 m².
Häufige Fehler beim Anbau von Ölrettich
- Aussaat erst im September – Wurzel bleibt flach (20–30 cm); Tiefenlockerung fällt weg
- In Fruchtfolge mit Kohl – Kohlhernie und andere Brassicaceae-Krankheiten kumulieren; 3–4 Jahre Abstand halten
- Falsche Sorte für Nematoden-Beete – nur multiresistente Sorten haben den biofumigatorischen Effekt
- Zur Samenreife kommen lassen – Selbstaussaat ist hartnäckig, da Samen lange keimfähig bleiben
Infografik
Häufige Fragen
Wann sät man Ölrettich aus?
Direktsaat: Juli bis Mitte September; je früher gesät, desto stärker die Wurzelentwicklung.
Welche Saatmenge braucht Ölrettich?
Saatmenge: 2–3 g/m² breitwürfig oder in Reihen mit 15–25 cm Abstand.
Welche Pflanzen sollten nicht vor oder nach Ölrettich stehen?
Ungeeignete Vor- und Nachkulturen: alle Kohlarten, Radieschen, Rettich (Kreuzblütler-Sperre, Kohlhernie).
Pflanzenfamilie von Ölrettich?
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae) – wichtig für die Fruchtfolge.
Ölrettich: Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer?
Ölrettich: Schwachzehrer; Hauptnutzen ist Bodenlockerung und Stickstoff-Speicherung.
Welcher Standort eignet sich für Ölrettich?
Optimaler Standort: anspruchslos; sonnig bis halbschattig; pH 5,5–7,5.
Welche Vor- und Nachkulturen passen zu Ölrettich?
Gute Vorkulturen: Frühkartoffeln, Erbsen, Salate. Gute Nachkulturen: Kartoffel, Tomaten, Kürbis, Zucchini – aber NICHT Kohlarten.