Lagerkartoffeln anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Lagerkartoffeln anbauen: ab Mai legen, 35–40 cm Abstand, 3× anhäufeln – Ernte September–Oktober, Lagerung bis April. Mit Sortenübersicht, Schädlingen und Krankheiten.

Lagerkartoffeln sind keine eigene Pflanzenart, sondern späte Sorten von Solanum tuberosum mit langer Vegetationsperiode und hoher Lagerfähigkeit. Wer im Mai legt und konsequent anhäufelt, erntet im Oktober Knollen, die bis ins nächste Frühjahr reichen. Der häufigste Fehler ist mangelnde Fruchtfolge – Kartoffeln auf derselben Fläche bauen Schaderreger im Boden auf, die jahrelang nachwirken.
Lagerkartoffeln auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Botanisch | Solanum tuberosum (späte Sorten) |
| Familie | Nachtschattengewächse (Solanaceae) |
| Herkunft | Andengebiet Südamerikas (Peru, Bolivien) |
| Lebensform | botanisch mehrjährig, kultiviert einjährig |
| Wuchshöhe | 50–100 cm |
| Reifeklasse | spät |
| Pflanzzeit | Mai (spätestens Anfang Mai) |
| Pflanztiefe | 8–10 cm |
| Pflanzabstand | 35–40 cm |
| Reihenabstand | 65–70 cm |
| Pflanzen pro m² | ca. 4 |
| Standort | vollsonnig, locker, tiefgründig, humos, sandig |
| Boden-pH | 5,0–6,5 (optimal 5,5–6,0) |
| Erntezeitraum | September–Oktober |
| Kulturdauer | 140–180 Tage |
| Ertrag | 3–5 kg/m², bei optimaler Kultur bis 8 kg/m² |
| Fruchtfolge | mind. 4 Jahre, keine Nachtschattengewächse |
Temperaturen
| Wert | |
|---|---|
| Tagtemperatur (optimal) | 18–22 °C |
| Knollenbildung (Nacht, max.) | 15 °C |
| Wachstumsstopp unter | 10 °C |
| Wachstumsstopp über | 30 °C |
| Vorkeimen | 12–15 °C |
| Lagertemperatur | 3–6 °C |
Lagerkartoffeln sind nicht frosthart – Knollen erfrieren ab −1 bis −3 °C, Sprossteile bereits ab −1,5 °C. Bei Spätfrostgefahr nach dem Legen mit Vlies abdecken.
Anbauplan
- März–April: Pflanzkartoffeln vorkeimen – im Licht bei 12–15 °C, 4–6 Wochen vor dem Legen. Ergibt kompakte, grün-lila Keime für besseren Start.
- Mai (spätestens Anfang Mai): Knollen legen – Seite mit den meisten Augen nach oben, 8–10 cm tief.
- Mai–Juni: 2–3× anhäufeln sobald Triebe ca. 15 cm hoch sind; Spätkartoffeln bis Ende Juni fertig anhäufeln.
- September–Oktober: Ernte wenn das Kraut vollständig abgestorben ist.
Standort und Boden
- Standort: vollsonnig; keine Staunässe
- Boden: locker, tiefgründig, humos, sandig; gut drainiert
- Boden-pH: 5,0–6,5 – leicht saurer Boden bevorzugt; zu viel Kalk begünstigt Schorfbefall
- Bodentemperatur beim Legen: 15–18 °C ideal; nicht in kalten, nassen Boden legen
Düngung
- Typ: Starkzehrer
- Geeignet: Hornmehl, verrotteter Rinderdung, Kompost, Gesteinsmehl (fördert Geschmack)
- Nicht geeignet: chloridhaltiger Dünger, frischer (nicht verrotteter) Mist
- Hinweis: Nach der Blüte keine Düngung mehr – die Pflanze verlagert ihre Energie in die Knolle
Mulchen mit Beinwell empfohlen: nährstoffreich und hält Bodenfeuchte.
Pflege
- Anhäufeln: 2–3× wenn Triebe ca. 15 cm hoch; schützt Knollen vor Licht (verhindert Solaninbildung) und Spätfrost; max. bis Ende Juni
- Gießen: gleichmäßig feucht; Staunässe vermeiden; Trockenheit nach der Blüte schadet der Knollenentwicklung
- Hacken: mehrfach zur Unkrautbekämpfung und Bodenbelüftung
- Krautentfernung: nach dem Absterben zeitnah entfernen; bei Krankheitsverdacht nicht kompostieren
Ernte
Erntereife: wenn das Kraut vollständig welk/abgestorben ist und sich die Knollenschale beim Reiben nicht mehr ablösen lässt.
- Mit Grabgabel schonend ausgraben – Knollen nicht verletzen, sonst faulen Lagerschäden schneller
- Nicht ernten bei Bodentemperaturen unter 10 °C
- Bei trockenem Wetter ernten; Knollen vor dem Einlagern gut antrocknen lassen
- Faulende, verletzte oder grüne Knollen vor dem Einlagern aussortieren
Krankheiten bei Lagerkartoffeln
| Krankheit | Erreger | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Kraut- und Knollenfäule | Phytophthora infestans | Fruchtfolge, weite Abstände, krankes Kraut sofort entfernen (Restmüll!); befallene Knollen nicht lagern |
| Rhizoctonia (Wurzeltöter) | Rhizoctonia solani | Nur zertifiziertes Pflanzgut; Fruchtfolge einhalten |
| Kartoffelschorf | Streptomyces scabiei | Ausreichend bewässern; pH leicht sauer halten |
| Schwarzbeinigkeit | Pectobacterium / Dickeya | Zertifiziertes Pflanzgut; schonende Ernte; Werkzeug desinfizieren |
| Knollennassfäule | Bakteriell | Schonend ernten; trocken einlagern; faulende Knollen aussortieren |
| Kartoffelvirus Y (PVY) | Virus (via Blattläuse) | Zertifiziertes virusfreies Pflanzgut; Blattlauskontrolle |
Wichtig bei Kraut- und Knollenfäule: befallenes Kraut gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost. Phytophthora infestans ist derselbe Erreger wie bei Tomaten – beide Kulturen unbedingt räumlich trennen.
Schädlinge bei Lagerkartoffeln
| Schädling | Schaden | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) | Loch- bis Kahlfrass an Blättern | Absammeln, Bacillus thuringiensis gegen Larven, Fruchtfolge |
| Drahtwurm (Agriotes spp.) | Gänge in Knollen; Knollen unverkäuflich | Fruchtfolge; nicht nach Grünlandumbruch; tiefes Bodenumgraben |
| Blattläuse | Direktschaden und Virusübertragung (PVY) | Nützlinge fördern; zertifiziertes Pflanzgut |
| Kartoffelnematoden (Globodera spp.) | Wachstumsstörungen, bis 50 % Ertragsverlust; Zysten bis 15 Jahre im Boden | Weite Fruchtfolge; resistente Sorten |
| Wühlmaus | Fraßlöcher in Knollen | Mechanische Fallen |
Lagerkartoffeln in der Mischkultur
- Geeignete Nachbarn: Meerrettich (klassischer Begleiter, soll Krautfäule hemmen), Knoblauch, Kohl, Spinat, Kapuzinerkresse, Bohnenkraut
- Ungeeignete Nachbarn: Tomate, Aubergine, Paprika (gleiche Schädlinge und Krankheiten); Gurke, Kürbis; Erbse, Sellerie; Zwiebeln (nicht in der Nähe lagern – beschleunigt das Faulen)
- Gute Vorkulturen: Hülsenfrüchte (Stickstoffanreicherung), Getreide
- Gute Nachkulturen: Hülsenfrüchte, Wintersalat, Feldsalat
Fruchtfolge
Mindestens 4 Jahre keine Kartoffeln, Tomaten, Paprika oder Auberginen auf derselben Fläche. Bei Nematodenverdacht oder Rhizoctonia-Befall mind. 4–5 Jahre Pause – Nematoden-Zysten können bis zu 15 Jahre im Boden überdauern.
Lagerkartoffel-Sorten
| Kochtyp | Sorten | Küche |
|---|---|---|
| Mehligkochend | Bintje, Gunda, Désirée | Püree, Klöße, Suppen |
| Vorwiegend festkochend | Agria, Laura, Atlanta | Bratkartoffeln, Gratin, Salat |
| Festkochend | Bamberger Hörnchen, Nicola | Salat, Pellkartoffeln |
| Besonders | Vitelotte (lila Schale und Fleisch) | Besondere Gerichte |
Für lange Lagerung bis Mai besonders geeignet: Atlanta, Désirée. Für Püree und Klöße: Bintje, Gunda.
Ertrag für den Hausgarten
Für vier Personen (Richtwert):
| Fläche | Knollen | Ertrag | Nutzung |
|---|---|---|---|
| ca. 3 m² | ca. 15 Pflanzknolle | ca. 12 kg | ca. 60 Mahlzeiten, Vorrat bis Frühjahr |
Erträge variieren je nach Sorte, Boden, Pflege und Witterung. Bei optimaler Kultur bis 8 kg/m² möglich.
Nährwerte (pro 100 g, rohe Kartoffel)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Energie | 70 kcal |
| Wasser | 77,8 g |
| Kohlenhydrate | 18,5 g |
| davon Stärke | 15,0 g |
| davon Zucker | 0,7 g |
| Eiweiß | 2,1 g |
| Fett | 0,1 g |
| Ballaststoffe | 2,5 g |
| Vitamin C | 17 mg |
| Vitamin B6 | 0,14 mg |
| Kalium | 443 mg |
| Phosphor | 50 mg |
| Magnesium | 25 mg |
| Eisen | 0,8 mg |
Besonderheiten: Kartoffeleiweiß hat eine gute Aminosäurezusammensetzung und ist gut verwertbar. Resistente Stärke bildet sich beim Abkühlen gekochter Kartoffeln – sie wirkt als Ballaststoff und stärkt die Darmflora.
Achtung Solanin: Alle grünen Pflanzenteile, Keime/Augen und grüne Knollenstellen enthalten Solanin und sind giftig. Kartoffeln niemals roh verzehren; grüne Stellen großzügig herausschneiden.
Lagerung von Lagerkartoffeln
- Temperatur: 3–6 °C (dunkel, trocken, luftig)
- Lagerdauer: Spätsorten bis April–Mai des Folgejahres
- Nicht im Kühlschrank: unter 3 °C wandelt sich Stärke in Zucker (Qualitätsverlust und Süße)
- Nicht neben Zwiebeln: beschleunigt das Faulen der Knollen
- Kein Licht: Lichteinfall fördert Solaninbildung (Knollen werden grün)
- Regelmäßig kontrollieren: faulende oder stark gekeimte Knollen aussortieren
Häufige Fehler beim Lagerkartoffel-Anbau
- Zu früh legen – kalter, nasser Boden fördert Fäulnis und Rhizoctonia
- Nicht anhäufeln – Knollen wachsen ans Licht, bilden Solanin, werden grün
- Fruchtfolge ignorieren – Schorf, Nematoden und Rhizoctonia bauen sich auf
- Kein zertifiziertes Pflanzgut – eigenes Saatgut trägt Viren und Rhizoctonia weiter
- Feucht einlagern – eine faule Knolle verdirbt den ganzen Vorrat
- Zu nah an Tomaten – Phytophthora infestans überträgt sich sofort zwischen beiden Kulturen
Infografik