Dicke Bohnen anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Dicke Bohnen anbauen: ab Februar (frosthart!); Abstand 15-25 cm; Ertrag 2-4 kg/m²; Familie 4 Pers.: 4 m² ≈ 10-15 kg; Ernte: Juni bis August.

Die Dicke Bohne – auch Puffbohne, Saubohne oder Favabohne genannt – ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit mit Funden bis ca. 6.800 v. Chr. Anders als Gartenbohnen (Phaseolus) ist sie botanisch eine Wicke (Vicia) und die kälteverträglichste Hülsenfrucht im Gemüsegarten: Aussaat ab Februar, Frost bis -8 °C übersteht sie problemlos. Als Stickstoffbinder verbessert sie den Boden erheblich und ist eine hervorragende Vorfrucht. Wichtig: Dicke Bohnen sind roh giftig – immer kochen.
Dicke Bohnen auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Dicke Bohne (Vicia faba var. faba) |
| Nutzungsgruppe | Hülsenfrucht |
| Lebensform | einjährig; kälteverträglichste Hülsenfrucht |
| Aussaat (Direktsaat) | Februar–Mai ins Freiland |
| Pflanzabstand | 15–25 cm in der Reihe |
| Reihenabstand | 40–50 cm |
| Pflanzen pro m² | 12–16 Pflanzen |
| Saattiefe | 5–7 cm (Samen stehend eindrücken, Hilum nach unten) |
| Standort | schwer, lehmig, feucht, nährstoffreich; auch Halbschatten möglich |
| Boden-pH | 6,5–8,0 |
| Temperatur Tag | 15–25 °C; keimt bereits ab 2–4 °C |
| Frostverträglichkeit | bis -6 bis -8 °C; robusteste Hülsenfrucht im Garten |
| Ertrag | ca. 2–4 kg/m², ca. 150–300 g pro Pflanze |
| Familienbedarf (4 Pers.) | ca. 4 m² mit rund 60 Pflanzen liefern etwa 10–15 kg Früchte |
| Herkunft | Naher Osten / östlicher Mittelmeerraum |
| Botanisch | Vicia faba var. faba |
| Familie | Hülsenfrüchtler (Fabaceae) |
Standort und Pflege für Dicke Bohnen
- Temperatur: Dicke Bohnen sind ausgesprochen kältetolerant – Aussaat bereits ab Februar möglich, Keimung startet ab 2–4 °C. Optimales Wachstum bei 15–25 °C. Im Hochsommer leiden sie; frühe Aussaat und Ernte bis Juli sind ideal.
- Boden/Standort: bevorzugen schwere, lehmige, feuchte und nährstoffreiche Böden; pH 6,5–8,0. Auch Halbschatten wird toleriert (Unterschied zu anderen Hülsenfrüchten). Staunässe trotzdem vermeiden.
- Gießen: mäßig; gleichmäßige Feuchtigkeit, aber keine Staunässe. Tiefe Pfahlwurzeln (60–120 cm) erschließen selbstständig Wasser.
- Anhäufeln: bei hohen Sorten für Standfestigkeit; hohe Sorten bei Windexposition zusätzlich stützen.
- Triebspitze kappen: bei Befall mit Schwarzer Bohnenlaus die obersten Triebspitzen abknipsen – die Läuse konzentrieren sich dort.
- Düngung: Schwachzehrer durch Knöllchenbakteriensymbiose (Rhizobium leguminosarum); kein frischer Mist, kein Stickstoffdünger. Reifer Kompost möglich.
- Fruchtfolge: 3–4 Jahre Anbaupause für alle Hülsenfrüchte; Dicke Bohnen sind durch ihre intensive Stickstoffbindung (100–200 kg N/ha) eine der besten Vorfrüchte für Starkzehrer wie Kohl, Kürbis oder Mais.
Wichtige Punkte beim Anbau von Dicke Bohnen
- Frühe Aussaat ab Februar nutzen – das ist der größte Vorteil der Dicken Bohne; früh im Beet, früh geerntet, Fläche für Folgekulturen frei.
- Samen stehend eindrücken (Hilum nach unten); optional 12 Stunden vorquellen für bessere Keimung.
- Achtung: Roh giftig (Phytohämagglutinin) – immer kochen!
- Favismus-Hinweis: Bei G6PD-Mangel (in Mitteleuropa ca. 1 % der Bevölkerung) kann auch gekochter Verzehr gefährlich sein. Betroffene sollten auf Dicke Bohnen verzichten.
- Hülsen ernten, wenn die Körner fingerkuppengroß sind – nicht warten, bis die Hülsen schwarz werden.
- Pflanzenreste nach der Ernte unterhacken: die tiefen, stickstoffreichen Wurzeln sind eine wertvolle Bodenverbesserung.
Dicke Bohnen in der Mischkultur
- Gut: Kartoffeln, Mais, Sellerie, Salat, Rote Bete, Mangold.
- Schlecht bzw. ungünstig: Zwiebeln, Knoblauch und Fenchel hemmen das Wachstum.
- Als Nachkultur profitieren Starkzehrer wie Kohl, Kürbis und Mais am meisten von der Stickstoffanreicherung.
Dicke Bohnen Sorten und Nutzung
- Früh: Aquadulce Claudia – weniger anfällig für Bohnenlaus durch frühen Erntezeitpunkt; Windsor.
- Mittel: Express (ertragreich), Sutton (kompakt, ca. 30–40 cm – auch für Töpfe geeignet).
- Küche: frisch gekocht als Gemüse, in Suppen, Eintöpfen und Salaten; als Püree oder Dip (Ful medames); getrocknet als Wintervorrat.
- Tipp: Junge Blütenstängel-Spitzen sind ebenfalls essbar – als Gemüse blanchiert eine Delikatesse.
- Hülsen: werden nicht gegessen.
Nährwerte (pro 100 g frische Dicke Bohnen-Kerne, gekocht)
- Energie: ca. 88 kcal (getrocknet ca. 330 kcal/100 g).
- Eiweiß: ca. 7,6 g (hoher Lysin-Gehalt – wertvolle Aminosäure).
- Kohlenhydrate: ca. 14,0 g.
- Fett: ca. 0,7 g.
- Ballaststoffe: ca. 6,0 g.
- Vitamine: Folat ca. 106 µg, Vitamin C ca. 3 mg, Thiamin (B1) und B6 vorhanden.
- Mineralstoffe: Kalium, Calcium, Phosphor und Eisen vorhanden.
- Warnung: Roh giftig. Bei G6PD-Mangel (Favismus) Vorsicht auch beim Verzehr gekochter Bohnen.
Ertrag von Dicken Bohnen im Hausgarten
Für eine vierköpfige Familie reichen etwa 4 m² mit rund 60 Pflanzen, was ca. 10–15 kg Ernte ergibt. Die Erntesaison läuft von Juni bis August; mehrere Erntedurchgänge sind möglich. Nach der Ernte steht die Fläche für eine produktive Sommerfolgekultur bereit.
Häufige Fehler beim Anbau von Dicke Bohnen
- Zu spät säen – der Hauptvorteil der Dicken Bohne ist der Frühstart; wer erst im Mai sät, verschenkt Potenzial
- Roh essen – Dicke Bohnen sind roh giftig; immer vollständig kochen
- Zu spät ernten – schwarze, ledrige Hülsen bedeuten überreife, mehlige Körner
- Bei Bohnenlaus zu zögerlich handeln – Triebspitzen früh abknipsen, sobald Läuse sichtbar sind
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- Gemüsegarten im Februar – Dicke Bohnen sind die erste Direktsaat der Saison – ab Februar ins Freiland.
- Gemüsegarten im Juni – Erste Ernte; Hülsen regelmäßig kontrollieren.
- Gemüsegarten im August – Beet nach der Ernte für Starkzehrer vorbereiten.
- Pflanzen Übersicht – Gemüse, Kräuter & Beeren anbauen.