Radicchio anbauen – Aussaat, Pflege und Ernte
Radicchio auf einen Blick
- Aussaat
- Aussaat für Herbstköpfe meist Juni bis Mitte Juli, direkt oder in Voranzucht
- Pflanzzeit
- Auspflanzen meist Juli–August, etwa 3–4 Wochen nach der Saat
- Standort
- sonnig bis halbschattig; locker, humos, tiefgründig und durchlässig
- Abstand
- Pflanzabstand 25–30 cm in der Reihe, 30 cm zwischen Reihen; Sorte beachten
- Ernte
- Zeit bis Ernte grob 3–4 Monate ab Saat; nach Sorte und Witterung, späte Typen längerErnte Herbstköpfe meist September–November; nach Reife und Wetter
Weitere Anbaudaten und Botanik
Radicchio liefert bitterherbe Herbstköpfe. Passende Sorten, rechtzeitige Aussaat und gleichmäßige Feuchtigkeit helfen beim Anbau im Beet oder Hochbeet.
- Kulturweise
- meist einjährig als Gemüse angebaut; Blüte bei stehen gelassenen Pflanzen möglich
- Saattiefe
- etwa 1 cm; Saatgutangabe beachten
- Keimung
- etwa 16–20 °C; häufig 10–14 Tage bei günstigen Bedingungen
- Pflanzen pro m²
- rechnerisch etwa 11–13 ohne Wege und Randverluste
- Boden-pH
- etwa 6,0–7,0 als Orientierung
- Frost
- teils leicht frostverträglich; keine allgemeine Winterhärte
- Fruchtfolge
- drei volle Jahre ohne Korbblütler als Planungsorientierung
- Pflanze
- Radicchio, Kulturform von Cichorium intybus (häufig als var. foliosum bezeichnet)
- Nutzungsgruppe
- Blattsalat / Salatzichorie
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
Inhalt13 Abschnitte
- Radicchio auf einen Blick
- Radicchio aussäen und vorziehen
- Pflanzabstand für Radicchio
- Standort und Pflege für Radicchio
- Fruchtfolge und Anbaupause
- Radicchio in der Mischkultur
- Radicchio-Sorten und Verwendung
- Nährwerte von rohem Radicchio
- Ernte und Lagerung von Radicchio
- Ertrag und benötigte Fläche
- Schnecken, Fäulnis und Schossen
- Häufige Fehler beim Anbau von Radicchio
- Radicchio-Anbau als Infografik
Radicchio bringt bitterherbe, oft rot-weiße Blätter in den Herbstgarten. Für gut entwickelte Köpfe zählen passende Sorten und rechtzeitige Aussaat: Für die übliche Herbstkultur meist im Juni bis Mitte Juli säen und im Juli oder August pflanzen. Erntereife Köpfe musst du nicht bis zum ersten Frost stehen lassen. Leichte Frostverträglichkeit hängt von Sorte und Entwicklungszustand ab; vor stärkerem Frost ist Schutz oder rechtzeitige Ernte sinnvoll.
Die Termine sind Orientierungen für Herbstköpfe im Freiland. Frühjahrs-, Baby-Leaf- und Treibkulturen benötigen eine eigene Sorten- und Terminplanung.
Radicchio aussäen und vorziehen
Für Herbstköpfe ist eine Aussaat im Juni bis Mitte Juli meist günstiger als ein sehr später Satz. September ist kein allgemeiner Direktsaattermin für ausgereifte Köpfe vor dem Winter. Beachte die Angaben der Sorte und plane in kühlen Regionen eher früh innerhalb des empfohlenen Fensters.
Säe dünn in ein feinkrümeliges Beet oder nutze kleine Töpfe beziehungsweise Anzuchtmodule. Bedecke die Samen etwa 1 cm tief und halte die Erde gleichmäßig feucht. Bei Sommerhitze hilft ein geschützter Anzuchtplatz, an dem das Substrat nicht überhitzt oder austrocknet. Die Keimung dauert bei passenden Bedingungen häufig 10–14 Tage; abweichende Saatgutangaben haben Vorrang.
Vereinzle Direktsaat rechtzeitig auf den Endabstand. Vorgezogene Pflanzen kommen meist nach etwa 3–4 Wochen ins Beet. Gewöhne sie schrittweise an Sonne und Wind, ohne sie absichtlich kalt zu stellen. Setze die Wurzelballen möglichst unbeschädigt und gieße an. Größere Pflanzen mit verletzter Pfahlwurzel wachsen schlechter an.
Frühjahrskultur ist möglich, wenn Sorte und Anzucht dafür geeignet sind. Kältereize bei Jungpflanzen können späteres Schossen fördern; auch Hitze, lange Tage und Trockenstress können die Kultur beeinträchtigen. Frühjahrsaussaat ist deshalb anspruchsvoller, aber nicht grundsätzlich falsch.
Pflanzabstand für Radicchio
Für viele kopfbildende Sorten passen 25–30 × 30 cm. Groß werdende Sorten brauchen gegebenenfalls mehr Raum. Bei 30 × 30 cm stehen rechnerisch rund elf Pflanzen auf einem Quadratmeter; Wege und Beetkanten verringern die nutzbare Fläche. Engere Baby-Leaf-Aussaat ist ein anderes Ernteverfahren und nicht mit ausgewachsenen Köpfen gleichzusetzen.
Passendes Werkzeug: Pflanzabstand-Rechner
Standort und Pflege für Radicchio
Wähle einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit lockerem, humosem und tiefgründigem Boden. Gleichmäßige Feuchtigkeit unterstützt die Kopfentwicklung; Staunässe und lange Trockenphasen sind ungünstig. Gieße möglichst bodennah und entferne Unkraut vorsichtig, ohne Wurzeln zu verletzen. Im Hochbeet kontrollierst du die schneller austrocknende obere Bodenschicht besonders regelmäßig.
Radicchio wird hier als Mittelzehrer eingeordnet. Ob und wie viel Kompost oder Dünger nötig ist, hängt von Bodenversorgung und Vorkultur ab. Dünge nicht pauschal stark nach.
Zusätzliches Bleichen ist meist nicht nötig: Bei kompakten Köpfen schützen die äußeren Blätter bereits die inneren. Wer es ausprobieren möchte, kann die äußeren Blätter eines nahezu reifen, gesunden Kopfes locker zusammenbinden oder Licht vorübergehend ausschließen. Kontrolliere regelmäßig auf Schnecken und Fäulnis. Die Dauer hängt von Temperatur und Wachstum ab; besonders milder Geschmack ist nicht garantiert.
Fruchtfolge und Anbaupause
Plane als vorsichtigen Richtwert drei volle Jahre ohne Radicchio und andere als Gemüse angebaute Korbblütler auf derselben Fläche. Dazu gehören Gartensalate, Endivien und Chicorée. Das ist eine Orientierung für den zeitlichen Nachbau, keine Garantie gegen bodenbürtige Krankheiten. Bei wiederkehrender Fäulnis muss die Ursache gesondert geklärt werden. Feldsalat gehört botanisch zu einer anderen Familie.
Passendes Werkzeug: Fruchtfolge-Planer
Radicchio in der Mischkultur
Stimme Platzbedarf, Licht, Wasserbedarf und Erntezeit der Beetpartner aufeinander ab. Dill oder Zwiebeln können bei passenden Abständen mit Radicchio im Beet stehen. Eine verlässliche Schutzwirkung gegen Schädlinge oder ein höherer Ertrag sind dadurch nicht gesichert.
Andere Salate sind nicht allein wegen ihrer Pflanzenfamilie oder Schneckenanfälligkeit schlechte Nachbarn. Vermeide dichte, schlecht belüftete Bestände und berücksichtige die Fruchtfolge unabhängig von der gleichzeitigen Nachbarschaft.
Passendes Werkzeug: Mischkultur-Planer
Radicchio-Sorten und Verwendung
- Chioggia-Typen, darunter verschiedene Palla-Rossa-Sorten, bilden rundliche Köpfe. Wähle eine Sorte, deren Saat- und Erntefenster zu deinem Standort passen.
- Treviso-Typen sind länglicher; frühe und späte Formen unterscheiden sich in Kultur und Ernte. Der bekannte Treviso Tardivo erhält seine typische Form durch ein besonderes Treib- und Bleichverfahren nach der Feldkultur mit erhaltener Wurzel. Das ist anspruchsvoller als die Ernte eines Rundkopfes und kein Winterhärteversprechen.
- Zuckerhut ist eine verwandte, meist mildere Salatzichorie und eine Alternative zu Radicchio, keine Radicchio-Sorte.
Radicchio schmeckt roh im gemischten Salat, gebraten oder gegrillt, in Risotto und auf Pizza. Süße Zutaten wie Obst können die Bitterkeit ausgleichen; Garen kann den Geschmack abmildern. Der bittere Charakter hängt auch von Sorte und Kulturbedingungen ab.
Nährwerte von rohem Radicchio
Orientierungswerte je 100 g essbarer Anteil von rohem rotem Radicchio; Sorte und Anbau können die Gehalte verändern.
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Energie | etwa 19 kcal |
| Wasser | etwa 94 g |
| Verfügbare Kohlenhydrate | etwa 1,6 g |
| Eiweiß | etwa 1,4 g |
| Fett | etwa 0,1 g |
| Ballaststoffe | etwa 3,0 g |
| Vitamin C | etwa 10 mg |
Rote Sorten enthalten Anthocyane als Pflanzenfarbstoffe. Zum bitteren Geschmack tragen verschiedene Bitterstoffe bei, darunter Lactucopicrin, früher auch Intybin genannt.
Ernte und Lagerung von Radicchio
Ernte, wenn die Pflanze die typischen Merkmale ihrer Sorte erreicht hat. Bei kompakten Kopfarten ist ein festes Herz ein wichtiges Reifemerkmal; nicht alle Typen bilden einen runden, geschlossenen Kopf. Schneide unterhalb des Kopfes so, dass die Blätter an einer kleinen Strunkbasis zusammenhalten. Das Treiben später Treviso-Typen erfordert dagegen Pflanzen mit erhaltener Wurzel.
Herbstköpfe werden meist September–November geerntet. Frost ist keine Voraussetzung für guten Geschmack. Manche Sorten vertragen leichten Frost; bei stärkerem Frost solltest du rechtzeitig ernten oder mit geeignetem Vlies schützen. Dezemberernte ist nur bei passender Sorte, mildem Wetter und gegebenenfalls Schutz realistisch. Vlies macht eine ungeeignete Sorte nicht zuverlässig winterhart.
Lagere möglichst unbeschädigte ganze Köpfe kühl und vor Austrocknung geschützt, beispielsweise im Gemüsefach in einem leicht feuchten Tuch. Wasche und zerteile sie erst kurz vor der Verwendung. Unter günstigen Bedingungen nahe 0 °C und bei hoher Luftfeuchtigkeit sind etwa zwei bis drei Wochen möglich; im Haushaltskühlschrank kann die Qualität früher nachlassen. Kontrolliere regelmäßig und verwende Radicchio möglichst frisch. Ein warmer Keller bietet diese Bedingungen nicht automatisch.
Passendes Werkzeug: Lager-Finder
Ertrag und benötigte Fläche
Bei Kopfkultur entspricht eine erfolgreich entwickelte Pflanze zunächst einem Kopf. Kopfgewicht und Ausfälle hängen von Sorte, Saattermin, Standort und Pflege ab. Eine feste Kilogrammmenge pro Quadratmeter oder ein pauschaler Jahresbedarf für vier Personen lässt sich daraus nicht ableiten.
Rechenbeispiel: Zehn Pflanzen benötigen bei 30 × 30 cm rechnerisch 0,9 m² reine Pflanzfläche. Wenn alle zehn Köpfe jeweils 250 g nutzbaren Anteil liefern, wären das 2,5 kg. Das angenommene Kopfgewicht ist keine Ertragsprognose; Wege, Randabstände und Ausfälle kommen hinzu. Plane die Zahl der Köpfe nach deinem Verbrauch.
Schnecken, Fäulnis und Schossen
Kontrolliere junge Pflanzen früh auf Schneckenfraß und nutze geeignete Barrieren oder sammle Schnecken ab. Halte Barrieren frei von Blattbrücken und prüfe auch das Beetinnere. Weitere Hinweise findest du beim Schneckenschutz.
Zu dichter Stand, dauernde Nässe und beschädigte Blätter können Fäulnis begünstigen. Sorge für Luft zwischen den Pflanzen, vermeide Staunässe und entferne faulende Pflanzen. Ein aufschießender Blütenstängel bedeutet, dass die normale Kopfentwicklung beendet ist; die Blätter werden häufig deutlich bitterer. Sorte und rechtzeitige Kulturführung zählen mehr als ein starrer Erntetermin.
Häufige Fehler beim Anbau von Radicchio
- Zu spät für Herbstköpfe säen: September-Direktsaat liefert vor dem Winter häufig keine ausgereiften Köpfe.
- Unpassende Sorte oder kalte Jungpflanzenanzucht: Das kann Schossen begünstigen; Saatgutangaben beachten.
- Auf den ersten Frost warten: Erntereife Köpfe nach Zustand ernten und vor stärkerem Frost schützen.
- Wurzeln beim Verpflanzen verletzen: Kleine Pflanzen mit intaktem Ballen setzen oder direkt säen und vereinzeln.
- Trockenheit, Staunässe oder dichten Stand übersehen: Feuchtigkeit prüfen und Endabstand einhalten.
- Rundkopf und Treibkultur gleich behandeln: Späte Treviso-Typen benötigen gegebenenfalls ein besonderes Verfahren.
Weiterlesen
- Gemüsegarten im Juni – Herbstkulturen rechtzeitig vorbereiten.
- Gemüsegarten im Juli – Saattermine beachten und Jungpflanzen pflegen.
- Gemüsegarten im Oktober – erntereife Köpfe ernten und Frostschutz planen.
- Direktsaat oder Vorkultur – das passende Verfahren wählen.
- Fruchtfolge im Gemüsegarten – den zeitlichen Nachbau planen.
- Pflanzenübersicht – Gemüse, Kräuter und Beeren anbauen.
Radicchio-Anbau als Infografik